Kategorie-Archiv: Augenblick

Stopp mal!

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Es geht vorbei

Den unten stehenden  Kommentar habe ich gestern zu meinen Text “Du hast die Wahl” bekommen. Ich möchte ihn gerne mit Euch teilen, weil er so wunderbar mutmachend ist. Danke dafür!
Danke auch für all Eure Zuschriften! Ihr müsst Euch keine Sorgen um mich machen. Ich habe meine Wahl längst getroffen, und die heißt Leben, mit allem, was für mich eben dazu gehört. Ich wollte Euch nur einen Eindruck davon geben, wie es im Kopf von Menschen aussieht, die das Leben nicht mehr ertragen. Damit Ihr es besser versteht.

Viele sagen: Na, dann ignorier doch die Stimmen im Kopf! Oder: Such nach Deinem inneren Wesen und schicke es vor! Tja. Wenn ich das nicht schon all die Jahre versucht hätte. Ich versuche es eben weiter. Vielleicht gelingt es mir irgendwann.

Noch ein Wort zu dem “sich als andere Person fühlen und die vorschicken”: Für mich ist das keine Option mehr. Ich habe so lange in meinem Leben eine und mehrere Rollen gespielt, dass ich gar nicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin. Das macht nicht nur mir zu schaffen, sondern auch meinem Mann und allen, die mir nahestehen. Gerade möchte ich einfach nur alle selbst kreierten und von außen auferlegten Rollen abstreifen und rausfinden, was dann noch über bleibt. Ich habe so viele Verhaltentrainings hinter mir, dass ich auf Knopfdruck funktioniere. Nur leben ist das nicht.
Mal sehen, wie ich da weiterkomme. Ich halte auch auf dem Laufenden.

Und jetzt geh ich raus und schau nach, ob die Blumen wirklich so bunt sind ;-)

Ich drück Euch, Patricia

Ich kenne diese Verfassung. Ich kenne die Sehnsucht, es möge vorbei sein. Bald. Am Besten sofort. Für mich ist es vorbei. Diese abgrundtiefe, scheinbar unendliche Müdigkeit und Leere, die ständige Selbstverachtung und das Gefühl nur eine Last zu sein. 

Warum es vorbei ist weiß ich nicht genau.  Es fing an mit einer Ärztin, die mir erklärte, dass ich zu blöd bin das Richtige für mein Kind zu tun. Die mir sogar die Polizei ins Haus schickte, um mein Kind vor mir zu schützen. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass die Polizisten kopfschüttelnd und uns alles Gute wünschend wieder gegangen sind, ohne einen Grund für diese Aktion gefunden zu haben). Aber da bin ich wie aus einer Trance aufgewacht. Genauso fühlte es sich an. Wie aufwachen.

Mein schlummerndes Ego hat sich aufgebäumt und hat einen Urschrei von sich gegeben. Seitdem ist es für mich vorbei. Ich habe noch kurze Phasen, wo sich alles wieder “blöd” anfühlt, aber das vergeht immer sehr schnell. Auch der Verzicht auf Zucker hat viel bewirkt (das meine ich sehr ernst). Ich lebe wieder. Ich fühle mich wie ein Mensch. Ich habe zwar viel abgenommen, aber ich bin immer noch fett. Ist mir egal. Ich bin nicht bereit, dieser Stimme, die mich dafür verhöhnt, nochmal eine Bühne zu geben. Denn ich bin wieder wach. Ich bestimme, wer in meinem Kopf rumtönt. 

Ich erzähle das nicht, um mich als “besser als ihr” darzustellen. Das ist das Letzte, was ich möchte. Ich möchte Mut machen. Ich dachte jahrzehntelang nur daran, wie und wann ich es(mich)  beenden kann, ohne andere zu sehr damit zu behelligen. Heute weiß ich, das war nicht ich. Das war so was wie ein Albtraum. Aber jetzt bin ich wach. Und dieses Erwachen wünsche ich allen Betroffenen von ganzem Herzen. Dann seht ihr, wie bunt die Blumen sind und wie blau der Himmel leuchtet.  

Gebt nicht auf! Gebt niemals auf!


 

Schiffchen3

Du hast die Wahl

“Es gibt nur eine Alternative, aber die wählen wir nicht.”
“Nein, die nicht.”

Es ist Zeit, wieder zu schreiben. Für alle, die denken, dass sie dieses Leben nicht mehr aushalten. Vor kurzem war ich seit langem wieder mal in der Bloghütte – ich hatte ein PlugIn für meinen anderen Blog gesucht. Dabei streifte ich mein Dashboard, das mir anzeigt, wie Leser zu mir finden.  Das Suchwort, das am häufigsten zu mir führte, war Selbstmord.

Wenn das Leben grad zu allem schweigt
dir noch eine Antwort schuldig bleibt
dir nichts andres zuzurufen scheint als Nein
Es geht vorbei

Das bewegt mich gerade: Wie anstrengend es ist, mit chronischen Depressionen zu leben. Und dass es keinen Ausweg gibt. Entweder man lebt damit – oder nicht. Ich möchte Euch heute nur mal einen Tag in meinem Leben skizzieren, damit Ihr vielleicht versteht, warum depressive Menschen an Suizid denken. Es ist mein persönliches Empfinden, aber vielleicht erkennt Ihr Euch wieder.
Merke: So geht es mir heute, nach zahlreichen Therapien und mit einem Antidepressivum, das ich seit 20 Jahren nehmen muss. Wie es mir in meinen schlimmen, akuten Phasen ging, könnt Ihr am Anfang dieses Blogs nachlesen.

Wenn der Sinn von allem sich nicht zeigt
sich tarnt bis zur Unkenntlichkeit
wenn etwas hilft mit Sicherheit, dann Zeit
Es geht vorbei, es geht vorbei

3 Uhr morgens Die typische Aufwachzeit für Depressive. Von da an Panikattacken, Zukunftsängste, Zweifel, Magenkrummen. Mittlerweile schaffe ich es des Öfteren, mich rumzudrehen und noch mal einzuschlafen.

6.30 Uhr Der Wecker klingelt, ein neuer Tag. Noch keine Minute alt, liegt er bleiern auf mir. Ich seufze, quäle mich aus dem Bett und gehe ins Bad. Der Spiegel sagt mir wie jeden Morgen, dass ich fett und  hässlich bin, und dass sich das auch nie mehr ändern wird. Das macht mich fertig. Ich schleiche zum Schrank und weiß, alles, was ich anziehe, macht mich noch fetter und hässlicher. Ich will mich in meinen Jogginganzug verkriechen und nie wieder raus gehen. Ausgerechnet heute muss ich raus. Ich bin am Verzweifeln. Wie kann ich mich am besten tarnen? Tausend Stimmen in meinem Kopf, die mich heute wieder bis tief in die Nacht begleiten werden:
“Du bist hässlich.”
“Du bist fett.”
“Was werden die Leute sagen, wenn sie Dich so sehen? Vor allem die, die Dich noch schlanker in Erinnerung haben?”
“Ich schaffe das nicht, ich schaffe den Tag nicht.”
“Du musst aber, die Kunden erwarten ihre Aufträge, Dein Kind will versorgt sein, das Haus, der Garten, Dein Mann!”

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
es ist ok wenn du fällst
auch wenn alles zerbricht
geht es weiter für dich

Mit einer Zentnerlast auf den Schultern schleiche ich nach unten zum Frühstück.

7.30 Uhr Wir sitzen am Frühstückstisch. Ich wäre so gerne allein. So ganz allein. Ohne Kindergeplapper, ohne prüfende Blicke vom Mann, der weiß, dass was nicht stimmt. Wie jeden Morgen. Ich leide unter meinem schlechten Gewissen, weil ich mein Kind doch lieben muss und froh sein, dass es so lebendig ist und so ein Sonnenschein und ständig am Lachen und Singen. Dass ich meinem Mann keine gutgelaunte, attraktive Frau sein kann. Es macht mich fertig. Der Lärm macht mich fertig. Für andere da zu sein, macht mich fertig.

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
auch wenn dich gar nichts mehr hält
du brauchst nur weiter zu gehn
komm nicht auf Scherben zum stehn

8.30 Uhr Mann und Kind sind aus dem Haus, ich habe die erste Runde mit dem Hund gedreht und könnte mich schon wieder auf die Couch legen und die Decke über den Kopf ziehen. Ich gehe in mein Nähzimmer und sehe das Chaos.
Die Stimmen sind auch (wieder) da. Ständig geht es:
“Du  bist ein Messi.”
“Wie sieht es hier denn aus.”
“Was wird Dein Mann sagen!”
“Was die Leute, wenn sie Dich besuchen kommen!”
“Aber ich kann nicht aufräumen, ich bin so erschöpft. Und das bisschen Kraft, das ich habe, brauche ich zum Nähen.”
“Ach, quatsch, andere schaffen das auch, stell Dich nicht so an.”

Ich spare mir eine Antwort und nähe bis… oh Gott, schon halb zwei! In zehn Minuten steht das Kind schon wieder auf der Matte!
Aber ich muss noch so viel tun!
Und will allein sein.

Wenn die Angst dich in die Enge treibt
es fürs Gegenhalten nicht mehr reicht
du es einfach grad nicht besser weißt
dann sei
es geht vorbei

Oh, nein, heute Mittag müssen wir auch noch zusammen zum Arzt/ in die Bücherei/ jemanden besuchen!
Ich klappe innerlich zusammen, kriege keine Luft mehr, richte mein Äußeres auf und

13.45 Uhr öffne strahlend die Tür: “Na, mein Schatz, wie war Dein Tag?”
Wir machen Hausaufgaben. Ich denke ständig an das, was ich deswegen nicht schaffe.
“Du Looser, Du!”
“Wenn Dein Mann heimkommt, wird er sich wieder fragen, was Du den ganzen Tag gemacht hast.”
“Oh Gott, schau nur, der Garten, so hässlich!”
“Dieses Haus, es macht mich fertig, ich muss raus hier.”
“Deine Kunden warten schon seit einer Woche auf Ihre Bestellungen!”

Wenn jeder Tag dem andern gleicht
und ein Feuer der Gewohnheit weicht
wenn lieben grade kämpfen heißt
dann bleib
es geht vorbei

15 Uhr Wir gehen in die Bücherei. Das Anziehen zuvor war wieder eine Qual, das Schminken ebenso. Ich kann nicht ungeschminkt aus dem Haus wegen meiner Aknenarben. Und weil ich ja sowieso hässlich bin. Ich quäle mich zum Auto und hoffe, das mich niemand sieht und anspricht. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren, gerade in Gesprächen mit anderen. Selbstverständlichkeiten fallen mir nicht mehr ein, ich rede wirr und ringe nach Worten. Wie fremdgesteuert halte ich Konversation. Es kostet so viel Mühe.
Ich weiß nicht, ob das den anderen auffällt, bin unsicher, was sie über mich denken.
“Die ist ja komisch.”
“Was redet die für ein dummes Zeug?”
“Die ist doch nicht ganz klar im Kopf!”
“Achja, die Depressive:”

15.30 Uhr In der Bücherei. Menschen suchen nach Lesestoff. Ich suche nach einer Ecke zum Verstecken. Ich versuche, mich nicht in den Scheiben zu spiegeln.
“Mann ist die fett.”
“Die könnte auch mal abnehmen.”
“Das arme Kind, bei der Mutter!”
Mein Kind ist glücklich und zeigt mir die neueste Wilde Hühner-Ausgabe. Ich kann mich nicht darauf konzentrieren. Ich rede, aber bin nic17796420_1233164566811997_6630604599439192606_nht da. Ich will nur noch weg hier.

Es ist warm. Es wird Frühling. Ich hasse den Frühling, weil ich mich nicht mehr in weite, dicke Jacken ducken kann. Mit jedem Zentimeter Haut mehr, den ich zeigen muss, weil ich schwitze wie ein Tier, steigt mein Depressionsindex.

Scheiße. Da kommt eine Kundin auf mich zu. Wenn die mich hier so sieht. Ich hasse es, unvorbereitet auf Bekannte zu treffen. Wieder dieser Smalltalk. Die denkt bestimmt, ich bin komplett bescheuert. Völlig erschöpft und in mich zusammengesunken verlasse ich die Bücherei.

17 Uhr Wir fahren nach Hause. Ich kann mich kaum auf den Verkehr konzentrieren. Die Stimmen wüten in meinem Kopf, sprechen die heutigen Szenarien noch mal durch und beschimpfen und erniedrigen mich. Wäre das doch nur vorbei. Endlich vorbei.
Der Baum am Wegrand sieht verlockend aus. Der nächste auch. Nein. Ich habe ein Kind im Wagen und Verantwortung. Außerdem habe ich beschlossen, dass das nicht mein Weg ist. Aber ich verstehe jeden nur zu gut, der ihn geht.

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
es ist ok wenn du fällst
auch wenn alles zerbricht
geht es weiter für dich

18.30 Uhr Wir sind alle wieder zuhause und sitzen beim Abendessen. Ich bin alle, nicht mehr aufnahmefähig. Aber ich muss noch mein Kind ins Bett bringen. Ich schleppe mich die Treppe hoch. Weil ich so fertig bin und keine Kraft mehr habe, bin ich gereizt. Ich meckere mein Kind an, das wieder mal trödelt. Das Kind weiß nicht, warum ich meckere und wird bockig. Die schöne Vorlesezeit wird zur Farce. Mühsam schaffe ich es, mich zu kontrollieren und gelassen heiter den Buchtext vorzutragen und das Kind in den Schlaf zu kuscheln.

Die Stimmen sind immer noch wach:
“Boah, musste das jetzt sein?”
“Wieso kannst Du nicht auch so toll und energiegeladen sein wie andere Mamas auch?”
“Ich will das hier alles nicht, ich will alleine sein.”
“Dann mach doch, lass doch Dein Kind im Stich, Du Versager.”
“Das wird immer so weitergehen, morgen schon wieder. und übermorgen. Und überüberübermorgen.”

22.15 Uhr Endlich sind Kind und Mann im Bett und ich allein. Ich 17796278_1233165990145188_543768191006433019_nmuss jetzt Schokolade essen, anders werde ich die Anspannung des Tages nicht los.
“Boah, Du fette Kuh, schon wieder!”
“Wenn Dein Mann morgen das Schoki-Papier findet, ist er wieder enttäuscht von Dir.”
“Lasst mich alle in Ruhe. Ich brauche das jetzt, ich bin niemandem Rechenschaft schuldig.”
“Doch, deiner Gesundheit, schau Dich doch mal an, Deine Haut, das Fett!”
Irgendwann habe ich die Schnauze im wahrsten Wortsinn voll, schleppe mich ins Bad, erniedrige mich wieder selbst vorm Spiegel, schleppe mich ins Bett und stöpsle die Ohropax rein. Stille. Wenigstens für ein paar Stunden.

6 Uhr Schon wieder ein neuer Tag. Der genauso ist. Mit all den Erniedrigungen, die sekündlich in meinem Gehirn aufploppen. Mit der Kraftlosigkeit, die daher rührt, schon zu lange gekämpft zu haben. Mit der Gewissheit, dass ich nie richtig fit für dieses Leben sein werde. Mit der Frage, was es das alles wert ist. Und mit der Bitte, dass es endlich, endlich, endlich bald vorbei ist.

Hey, sei nicht so hart zu dir selbst
auch wenn dich gar nichts mehr hält
du brauchst nur weiter zu gehn
komm nicht auf Scherben zum stehn


Titelfoto: Ich, fotografiert von meinem Mann
Songtext: Andreas Bourani, Hey

www.jochen-boy.de

Schatzsucher

long time no see…

Ich habe Euch sträflich vernachlässigt.
Vor allem aber habe ich mich selbst vernachlässigt.

Alles, was ich Euch in den vergangenen Artikeln geschrieben habe, hat sehr an meinen Nerven gezerrt… mit den bekannten Auswirkungen.

Seit ein paar Wochen entspannt sich die Lage: Mein Existenzgründerzuschuss ist durch, ich bin jetzt komplett selbstständig, es sind Ferien, DeHasn war mit dem Mausebären eine Woche im Urlaub – und ich hatte Zeit. Es ist unglaublich, wie wertvoll Zeit ist. Vor allem Zeit, sich zu resetten.

Ich habe gemerkt, wie sehr mir diese Minuten und Stunden gefehlt haben. Dazusitzen, sich zu ordnen, Prioritäten zu setzen, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Bis vor kurzem hatte ich dafür überhaupt keinen Kopf. Ich hetzte und hetzte und machte und machte…. und wäre wohl wieder einmal ins Burnout gerannt. Was hat mich abgehalten?

Abgesehen von meiner tollen Familie und meinen Freunden *kuss!* denke ich, dass es zum größten Teil mit meinem Job zusammenhängt. ENDLICH tue ich wieder etwas, was mir Freude macht, was für mich einen Sinn ergibt. Vor allem macht es mich stolz, nun für mich verantwortlich zu sein, MEINE Geschäfte zu führen (und nicht immer den Karren für jemand anderen aus dem Dreck zu ziehen). Es tut mir so gut, meine Zeit einzuteilen. Das ist eine große Freiheit, die ich sehr genieße: Habe ich morgens um fünf einen  Flow, dann arbeite ich eben morgens um fünf. Habe ich mittags keine Energie mehr, tanke ich bei einem Nickerchen auf. Es ist so viel effektiver, so zu arbeiten. Und so zu leben!
Ich arbeite wohl mehr als zuvor. Aber es stresst mich nicht mehr.

Langsam, ganz langsam lege ich mich wieder frei. Geduld braucht das, aber es bringt auch unendliche Ruhe – meditativ, wie das Sandwaschen am Fluss auf der Suche nach Gold.

Den Klinikaufenthalt habe ich gecancelt. Ich frage mich, wie ein depressiver Mensch diese Bürokratieberge bewältigen soll, bis er überhaupt einmal einen Platz in einer für ihn passenden (!) Klinik erhält. Und dazu noch die zu ihm passende (!) Behandlung. Viel zu viel Stress. Und dann: Was ist, wenn man wieder zuhause ist? In der alten Umgebung? Da nehme ich lieber den direkten Weg: sich zuhause besser fühlen lernen.

Das Essen ist nach wie vor meine Krux, aber jetzt habe ich Zeit, mich auch darum zu kümmern. Vor allem ist es ein Umlernen von Gewohnheiten. Und das dauert – zwei Schritte vor, einer zurück. Immerhin! Ein Schritt nach vorne!
Es ist wie beim Tanzen. Da dreht man den Walzer sein Leben lang rechts rum und soll auf einmal links rum zirkeln. Heidewitzka! Das klappt nur mit viel Training. Und Balance. Und einem, der einen sicher im Arm hält <3

Ab er es wird. Und deswegen habe ich jetzt auch die Hintergrundfarbe der Bloghütte auf Weiß geändert. Auf einer Seite zumindest. Ich finde, das ist ein guter Anfang :-)

Passt auf Euch auf!


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Kreuzschmerzen

Ich bin in der Kirche aufgewachsen. Bevor ich mir die Schläge und Schreie zu Hause gab, verbrachte ich lieber die Zeit mit meinem Großvater. Er war Küster unserer Gemeinde und seine Kirche mein Revier. Ich kannte sie alle, die großen und kleinen Heiligen, weil Opa ihnen in seinem Atelier mit beißend riechender Ölfarbe neue Lächeln in die gestrengen Gesichter zauberte. Wenn ich heute an Weihnachten vor seiner Krippe stehe und den heiligen Josef sehe, weiß ich, mein Großvater lächelt mich an.

My lover’s got humour
She’s the giggle at a funeral
Knows everybody’s disapproval
I should’ve worshipped her sooner

Die Glocken waren meine Freunde. Auch sie kannte ich beim Namen, und das Größte war, wenn ich sie zur Heiligen Messe rufen lassen durfte. Dieser Knopf für diese und jener Schalter für jene, und es brauste in den Ohren, dass der Kirchturm wackelte.

If the heavens ever did speak
She’s the last true mouth-piece
Every Sunday’s getting more bleak
A fresh poison each week

Damals war ich fünf. Und ich zweifelte nicht. Nicht, dass es den lieben Gott gab und die Jungfrau Maria und den Heiligen Sankt Martin, der mit seinem wunderbaren Schimmel jeden November durch die Straßen ritt, seinen Mantel und anschließend Weckmänner verteilte.

We were born sick
You heard them say it

Jeden Mai denke ich an diese Zeit, wenn eine bestimmte Baumsorte beginnt, nach Gummibärchen zu duften – jene Bäume, unter denen wir an Fronleichnam feierlich den Leib Christi durch die wunderschön geschmückten Straßen trugen. Erinnerungen, verblasst.

My Church offers no absolutes
She tells me, “Worship in the bedroom.”
The only heaven I’ll be sent to
Is when I’m alone with you—

Ich zweifelte nicht, als ich zur ersten heiligen Kommunion ging, bei der das weiße Kleid allen wichtiger war als das, was da passierte – wie hätten wir es auch verstehen sollen, als Neunjährige? Ich zweifelte niemals, auch nicht, als ich Lobeshymnen im Kirchenchor sang und auch nicht, als ich ganze Jugendgottesdienste vorbereitete.

I was born sick, but I love it
Command me to be well
Amen. Amen.

Du sollst nicht lügen! Während des Firmunterrichts mussten wir wie schon oft zuvor beichten. Das wurde ganz groß geschrieben und war immens wichtig, bläute meine Mutter mir ein. Ich saß da und mir fiel partout nichts ein, was ich hätte falsch gemacht haben können. „Vielleicht“, sagte ich zu dem Priester, „ist meine Sünde, dass meine Mutter micht nicht mag?“
Er verstand den Wink nicht. Er druckste herum und sagte, wenn ich Probleme hätte, sollte ich doch mal mit der Gemeindereferentin sprechen. Gewalt in der Familie, das war nichts für seinen katholischen Beichtstuhl.

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
Offer me that deathless death
Good God, let me give you my life

Anyway. Drei Ave-Maria, und die Sache war vergessen. Ich machte tapfer weiter, verteidigte Gott und meine Kirche. Im Gedächtnis blieb mir eine Szene: Unsere Clique fuhr wie jeden Tag mit dem Zug zur Schule. Jemand machte einen Witz über den Papst. Ich war erbost: „Glaubst Du nicht an Gott, wenn Du Dich so über den Papst lustig machst?!“ schrie ich ihn an. Die verwunderten Blicke waren mir egal.

 If I’m a pagan of the good times
My lover’s the sunlight
To keep the Goddess on my side
She demands a sacrifice

Mein Glaube war angeknackst. Ich ließ es nicht zu. Ich war katholisch erzogen, und ich wollte nichts anderes. Und ganz insgeheim hatte ich Angst, was passieren würde, wenn ich Gott verließe. Würde ich nur noch Pech im Leben haben und später schwitzend in der Hölle schmoren? „Gott wird Dich noch strafen!!“, schrie meine Mutter immer wie von Sinnen, wenn sie mal wieder – warum auch immer – auf mich eindrosch.

Drain the whole sea
Get something shiny
Something meaty for the main course

Ich studierte Geschichte, und ich studierte die Bibel und alles, was NICHT in der Bibel stand. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich als Frau wohl die perfekte Priesterin gewesen wäre, hätten irgendwelche antifeministischen Bischöfe nicht auf so einem depperten Konzil die falschen Schriften zum Wort Gottes erklärt.

That’s a fine looking high horse
What you got in the stable?
We’ve a lot of starving faithful
That looks tasty
That looks plenty
This is hungry work

Aber es half nichts. Gott entglitt mir immer mehr, und ich ihm. Was damals im Beichtstuhl zerbrochen wurde, war nicht mehr zu kitten. Wo war er, der liebe Gott mit all seinen Heiligen in meinen tiefsten Depressionen, wenn es mir richtig dreckig ging? Erhörte er meine Gebete, nahm er mich an der Hand und führte mich zu sanften Auen und dem Ruheplatz am Wasser? Leitete sein Stecken und Stab mich mit Zuversicht aus dem Tal der Todesschatten? Nein!

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins so you can sharpen your knife
Offer me my deathless death
Good God, let me give you my life

Vierzig verdammte Jahre musste ich alt werden, um der Hölle zu entrinnen. Und der letzte, der mir dabei geholfen hat, war Gott oder seine Kirche. Blasphemie, mag sein. Aber der einzige, der mich durch all die Jahre gerettet hat, war ich selbst.
Als der Mausebär kam, ließ ich ihn taufen, katholisch natürlich. Ich wollte ihn nicht ungeschützt und ohne Segen in diese Welt schicken. Am Anfang besuchten wir eifrig Kindergottesdienste. Ich wollte, dass er einen Glauben kennenlernt, bevor er sich dafür oder dagegen entscheidet. Aber es war ihm nicht wichtig. Er kennt alle Geschichten über Gott und Jesus und die Heiligen. Aber sie kümmern ihn nicht. Er braucht keinen Herren, der ihm Nächstenliebe gebietet und nach der rechten auch noch die linke Wange schlägt. Der sich einfach so ans Kreuz schlagen lässt ohne Widerworte und dann behauptet, er hätte uns alle damit gerettet. In meinem Fall leider umsonst. Lasset die Kinder zu mir kommen? Im Leben nicht!

No Masters or Kings when the Ritual begins
There is no sweeter innocence than our gentle sin

Wir waren vor kurzem in Paris flittern, DeHasen und ich. Eigentlich wollten wir nur Notre Dame besichtigen (die Glocken!). Nebenbei bemerkte unsere Führerin, dass wir dort heute die Dornenkrone sehen würden. Die Dornenkrone? Die echte? Ich wollte unbedingt dahin. Ich wollte sie sehen. Warum nur, wo ich doch meinem Glauben abgeschworen hatte? Ich konnte es nicht erwarten. Sie lag in Notre Dame, in der hintersten Ecke, verborgen hinter dickem roten Glas. Ich glaube nicht, dass sie jemand erkannte, und ich weiß auch nicht, ob es tatsächlich die echte war.Krone

Ich setze mich davor, starrte sie an. Und weinte. Ich konnte nicht mehr aufhören damit, ich war nicht da, in dieser Kirche, ich stand vor Jesus und wir hielten Zwiesprache. „Wieso hast Du das getan?“, warf ich ihm vor, „wieso hast Du so gelitten? Verdammt, ich weiß, was es heißt zu leiden, also wozu? Um ein paar Nasen zu zeigen, wie toll Du bist?“ Ich bekam keine Antwort, natürlich nicht. Aber etwas anderes. Da war einer, dem es wohl ergangen war wie mir. Der genau wusste, wie es sich anfühlt, im tiefsten Dunkel keinen Ausweg mehr zu sehen. All das Leid, all die Schmerzen, all die Menschen, die Dir Unrecht tun, Dich verhöhnen, Dich verprügeln, immer und immer wieder und keiner da, der Dich schützt. Der Dir nicht nur ein billiges Schweißtuch reicht, sondern den andern auf die Fresse haut und schreit: Spielt Eure schmutzigen Spielchen mit jemand anderem!!!

In the madness and soil of that sad earthly scene
Only then I am Human
Only then I am Clean

Als ich fertig geweint hatte, stand ich auf und ging. So ist das, Jesus. Niemand sucht sich aus, in welche Welt er geboren wird. Und sein eigenes Kreuz, das muss schon jeder selbst tragen.

Amen. Amen.


Titelbild: Air birds cross flieds fly, n.n.
Englischer Songtext von Hozier, Take me to church

Foto der Dornenkrone: DeHasn

 

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“Du bist zu dick!”

Nichtsahnend öffne ich am Abend den Brief. Wir hatten einen schönen Tag, der Mausebär und ich. Voller Sonne und guter Laune.
Mit Erinnerungen an die schöne Hochzeit und Vorfreude auf unsere Flitterwochen in Paris.

Das ist mit einem Schlag vorbei. Der Brief kommt vom DeHasens Onkel, der auch auf unserer Hochzeit war, mit dem ich getanzt und viel Spaß gehabt hatte. Ich habe ihn insgesamt zweimal gesehen in meinem Leben. Er kennt mich nicht, und ich kenne ihn nicht. Drei Seiten Papier, eng beschrieben, er erzählt sein Leben und holt auf Seite zwei zum Schlag aus. Da steht in 22 Punkt Arial (mindestens), fett und zentriert:

“Aber Patricia,
Du bist zu dick!”

Es folgen seitenweise Ratschläge, Salat, Waage kaufen, Sport machen. Bliblablub. Kein Wort des Dankes, keine Erwähnung unserer Hochzeit. Er würde ja die Bloghütte lesen und wissen, dass ich Fressattacken hätte und wegen meiner Depression grade nicht arbeiten könne.

Lieber Onkel von DeHasen.
Würdest Du die Bloghütte richtig lesen, wärst Du besser informiert.
Vor allem wüsstest Du , WIE SEHR MICH DEINE WORTE TRIGGERN!!!

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.
Außer: DON’T PASS ME BY ANYMORE!

Ich geh dann mal ‘ne Runde heulen
und in
mühevoller
Kleinarbeit
die
Scherben
meines
gerade
aufgebauten
Selbtsbewusstsein
einsammeln.

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Geschafft

Ich – wir – haben es geschafft! Das Bild oben zeigt uns um Mitternacht bei unserer Feier, Frisuren und Outfits völlig aufgelöst – und wir beide überglücklich.

Zu diesem Zeitpunkt liegen 16 Stunden voller Aufregung im Fokus dutzender Menschen hinter mir. Und ich bin mächtig stolz, dass es trotz allem so ein wunderbarer Tag war und ich all meine Sorgen vergessen konnte. Mein Aussehen, was die Leute von mir denken… alles war mit einem Mal so egal. Und alle, wirklich alle Gäste waren zauberhaft und sagten uns immer wieder, wie schön wir selbst und unser Fest sei.

Der allerschönste Moment für mich war, als DeHasen mir den Ring an den Finger steckte. Ich musste so weinen in diesem Augenblick. Denn ich war so DSC04781erleichtert…mit einem Mal war ich eine Ehefrau, wir eine richtige Familie – sogar auf dem Papier – das Leben als alleinerziehende, sorgenbeladene, depressive Mutter ist endgültig vorbei.

Natürlich, ich weiß: Die Depression wird mich weiter begleiten, ein Leben lang. Aber es ist so unendlich leichter, wenn da jemand ist, der das mitträgt, wenn da etwas ist, das mich mitträgt: absolutes Vertrauen, eine Familie und eine große innige Liebe.

Nun sind wir zwei Tage verheiratet, sitzen im sonnigen Garten unserer Bloghütte, haben Besuch aus aller Welt – und noch immer ist es wunderbar. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe.

“Ach, Schatz”, sagt DeHasen gerade und verdrückt eine Träne, “wir haben so ein schönes Leben”.

Ja, das haben wir.

Passt auf Euch auf!


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Du bist da, um…

… Tja. Warum bin ich eigentlich da? Bei all dem Mist, der mir im Leben begegnet, all den Kämpfen, all den Hoffnungslosigkeiten – warum bin ich dann noch da? Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.16

Der Mausebär und ich haben einen Lieblingsfilm. Den haben wir schon so oft geschaut, dass wir ihn mitsprechen können.

Und dennoch: Jedesmal, wenn wir ihn wieder sehen, bezaubert und fasziniert er uns gleichermaßen. Denn er hat Antworten auf Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.27Fragen, die wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Nehmt Euch Zeit und schaut ihn in Ruhe an. Ihr findet ihn hier.

Und noch etwas möchte ich Euch sagen: Ich schreibe in der letzten Zeit nicht. Wie Ihr wisst, steht uns in zwei Wochen ein großes Fest in die Bloghütte. Mir gehen tausend Gedanken im Kopf herum, und ich formuliere tausend Geschichten. Allein die Zeit fehlt mir, alles aufzuschreiben. Und Zeit braucht es, Geschichten auf Papier – oder in die Tastatur – fließen zu lassen.

Aber glaubt mir, ich bin jeden Tag bei Euch. Nicht nur, weil mir ständig Dinge begegnen, die ich Euch Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.47.21am liebsten mitteilen würde. Sondern auch, weil Euch Dinge begegnen, die Euch beschäftigen, worüber ich mir wiederum Gedanken mache.

Ich bin mit Euch connected, die ganze Zeit, überall.

Passt auf Euch auf.


Film: Die große Frage. Copyright WDR 2014

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Schutzbefohlen

Der Mausebär wurde ins Gesicht geschlagen. Im Kindergarten. Weil er anderer Meinung war, als seine “Freundin”. Weil er einfach nur sagte: “Du, das habe ich aber vorhin ganz anders gemeint.”

Der Mausebär ist ungewöhnlich anhänglich, als ich ihn Freitagnachmittag abhole. “Was ist denn los, mein Schatz?”, frage ich. Sie druckst herum, es ist ihr sichtlich unangenehm. Bis sie leise mit der Sprache rausrückt: “Die xy hat mir ins Gesicht geschlagen.”
Viele behutsame Worte später erzählt sie mir ihre Geschichte: Die beiden Mädels waren unterschiedlicher Meinung darüber, was eine von ihnen irgendwann vorher gesagt hatte. Es ging um banale Dinge wie: “Wir wollten doch mit den Puppen spielen?” – “Nein, Du hast gesagt, mit den Legosteinen.”

Okay. Der Mausebär diskutiert gerne. Aber so habe ich ihn erzogen. Immer versuchen, mit Worten eine Lösung zu finden, einen Kompromiss, nachzufragen, dem andern zuzuhören, dann seine Meinung zu äußern. Das ist bisweilen anstrengend. Denn ein Kind, das so aufwächst, in aller Achtung, in großem Respekt, in der Ermunterung, für sich Wort zu ergreifen, fragt nach. Das nervt bisweilen. Und einige ziehen es vor, solche Kinder kurzerhand zum Schweigen zu bringen. Sie geben damit ihr eigenes Verhalten weiter: Unverständnis. Null Bock. Kurzer Prozess. Gewalt.

Auch das andere Mädchen hatte keinen Bock, dem Mausebär zuzuhören. Nachdem dieser seine Meinung geäußert hatte, schlug sie ihm ins Gesicht. Einfach so. “Und was hast Du dann gemacht?”, frage ich meine Tochter erschüttert. “Ich bin weggegangen”, flüstert sie.

Ich muss durchatmen. Ganz tief. Da bringt man seinem Kind bei, Konflikte mit Worten zu lösen, auf den andern einzugehen, ihm zuzuhören, mit ihm zu sprechen. Und der Lohn dafür ist eins auf die Klappe.

Wir kuscheln uns auf die Couch, und es dauert lange, bis ich dem Mausebär erklärt habe, dass Gewalt niemals die Lösung ist. Weggehen aber auch nicht. Dass er sofort laut sagen muss, wenn ein anderer ihm wehtut. Wenn dessen Verhalten nicht gerecht ist. Dass er sich Hilfe suchen soll. Und dass ich immer für ihn da bin. Wir beschließen, am Montag das Thema im Kindergarten anzusprechen – jener Kindergarten, der sich der Vermittlung korrekter Streitkultur rühmt. Der den Kindern in der ganzen Stadt Läden zeigt, wo sie im Notfall Hilfe finden. Und der trotzdem nicht verhindern kann, dass sich seine Schutzbefohlenen in die Fresse schlagen.

Ein Tag und eine Nacht ist vergangen. Der Mausebär ist dieses Wochenende bei seinem Papa. Ich weiß nicht, wie es ihr geht. Wie ich sie kenne, arbeitet das in ihr. Und wird es noch lange tun.

Da rennen wir mit unseren Babys zur Massage, zum Pekip und zur bewusstseinserweiternden Krabbelgruppe. Damit die noch unbefleckten Menschlein besser werden als wir. Gerechter. Fairer. Sozialer. Nur, um das alles dann im vierten, fünften, sechsten Jahr nach ihrer Geburt zu vergessen. Um zu verdrängen, dass die kleinen Menschlein gerade jetzt, wo sie langsam erwachsen werden, für den  Umgang mit sich und der Welt unsere Anleitung brauchen, unsere Unterstützung, unsere Hilfe, unser Wort. Erziehung ist kein Pappenstiel.

Während ich an meiner Nähmaschine sitze, kommt mir ein Telefonat mit der Mutter des Mädchens in den Sinn. Vor kurzem rief sie mich an, weil es im Kindergarten wohl zu Doktorspielen gekommen war. Gerüchten zufolgen. Den wahren Hergang kenne ich nicht. Ich war nicht dabei, und der Mausebär auch nicht. Die Erzieherin vom Mausebär hatte mich beruhigt: “Alles halb so schlimm.”

Das fand die andere Mutter gar nicht: “Meine Tochter wird sich wehren”, droht sie. “Sie soll einfach zurückschlagen. Mein Mann wird es ihr schon beibringen.”

Glückwunsch. Das hat wohl tadellos funktioniert.


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Heile, heile Herzchen

Eigentlich wollte ich Euch heute etwas ganz Bestimmtes erzählen. Aber dann ist etwas ganz anderes passiert: Unvermittelt und wie aus dem Nichts nahm mich eine Person in den Arm und sagte mir tausend zauberhafte Dinge. Wie toll und stark ich sei, wie schön, welch gute Mutter. Dass sie jeden einzelnen meiner Blogbeiträge gelesen und sich sehr um mich gesorgt hätte. Und diese Person war nicht DeHasen (der mir das auch jeden Tag sagt, aber der ist ja parteiisch…), sondern jemand, denn ich nur ab und an treffe.

Ich will das hier nicht alles detailliert aufschreiben. Aber während diese Person mich an der Hand hielt, kam sie mir vor wie ein Engel, der da vor mir stand. Der mit jedem Wort, das er sprach, mein Herz ein Stück heIMG_1487 Kopieilen lies. Es kam mir vor, als spräche sie all die Dinge aus, auf die ich jahrelang umsonst gehofft hatte, die meiner Mutter nie über die Lippen gekommen waren. In meinem Innern wurde es warm, es begann zu leuchten, und dieses Leuchten halte ich seither ganz, ganz fest. Es ist klein und fein – und es ist mein.

Kitschig, ich weiß. Aber in diesem Moment habe ich erfahren, wie wichtig es ist, anderen Leuten zu sagen, wie fabelhaft und schön sie sind. Von Angesicht zu Angesicht. Gerade, wenn es ihnen nicht gut geht. Ohne Wenn und Aber. Sie in den Arm zu nehmen, zu akzeptieren wie sie sind. Sie vertrauen zu lassen, dass man verlässlich für sie da ist. Wie einfach es ist, Herzen heilwerden zu lassen!

Immer, wenn Du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Das war also damit gemeint.

Danke. Von Herzen.


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Höhlenfrieden

Ihr habt sicher gemerkt, dass ich in den vergangenen Wochen ein wenig sprachlos geworden bin. Ja, auch ein Depressionsprofi verrennt sich immer mal wieder Richtung Finsterwald und hält sich nicht an seine eigenen Vorsätze *seufz*

Ich will Euch hier auch gar nicht groß zutexten, mich einfach kurz melden und damit bis nach Weihnachten abmelden. Die letzten Wochen waren vollgepackt bis zur letzten Sekunde, keine Zeit zum Durchschnaufen, keine Gelegenheit zum Erden. Wenn dann auch noch Dinge passieren, die nun mal passieren – Waschmaschine streikt, Vater im Krankenhaus, Kind hat zig Weihnachtsveranstaltungen – macht jemand, der eh nur auf Notakku läuft, eben schlapp. Dann ist es höchste Zeit, sich in seine Winterhöhle zurückzuziehen, weil jede Mail, jeder Anruf, ja selbst jedes Wort, das man irgendwo im Netz liest, zu viel ist und einen körperlich sticht, so sehr, dass man würgen muss und denkt, die nächste Magen-Darm-Grippe ist im Anmarsch.

Euch möchte ich mitgeben, weil Ihr ja vielleicht auch über Weihnachten besonders gefragt seid (die liebe Familie und so): Macht Euer Ding. Was zuviel ist, ist zuviel, und wenn Euch nicht danach ist, Friedefreudeeierkuchen im trautem Heim zu feiern, klinkt Euch aus. Ihr braucht keinen superduper Christbaum, nicht den 50. selbstgenähten Loopschal für Eure Kollegen, kein Festtagsmenü mit 12 Stunden Küchenhaft, nicht das 20. Selfie von Euch auf Facebook, und der liebe Gott wird es Euch auch nachsehen, wenn Ihr diesmal nicht in der Christmette vorbeischaut (sonst geht Ihr ja auch nie in die Kirche, oder?;-))
Eure Lieben werden das schon verschmerzen.
Und wenn Ihr alleine seid und deswegen traurig, schafft Euch Eure eigene Höhle. Das ist völlig in Ordnung. Ihr seid keinem etwas schuldig und müsst keinerlei Rechenschaft ablegen. Schaut nach Euch, denn:

Schöne Seele braucht reine Höhle.

Ich drück Euch und wünsch Euch einen friedlichen Winterschlaf!


Headerbild: pixelio/wandersmann

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