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Hinterm Horizont geht’s weiter

Wie hat Dein neues Jahr angefangen?

Meins unter Tränen. Und mit einem großen, dicken Seufzer.

Ich hasse Silvester. Dieses ganze Geschiss um Neuanfang (was für ein doofes Wort, oder hat schon jemand mal alt angefangen?), große Vorhaben und tolle Chancen geht mir mächtig auf den Zeiger. Und nicht nur das. Es macht mir Angst. So richtig.

Jetzt haben wir es doch gerade geschafft, uns durchs vergangene Jahr zu wurschteln, haben jedem noch so schlimmen Tag seine strahlenden Momente abgetrotzt (oh, was sind wir für großartige Positivisten!) und jeder noch so tiefen Depression ein Schnippchen geschlagen….und für was? Damit es gerade wieder von vorne losgeht.

Eben noch habe ich mich in unserer Höhle verkrochen und meine wunde Seele geleckt, da muss sie auch schon wieder raus an die Front: Nächste Woche hat der Mausebär Geburtstag und ersehnt eine spannende Party, im Sommer beginnt die Schulzeit – mit ganz vielen neuen Menschen und einem komplett neuen Alltag. Das OLYMPUS DIGITAL CAMERAFrühjahr naht und mit ihm die Zeit, in der ich mich nicht mehr in weiten, kuscheligen Säcken verstecken kann – schon gar nicht beim Schwimmen. Und im Mai – ja, ich weiß, ich sollte überglücklich sein – wartet unsere Hochzeit auf uns. Ein Ereignis, bei dem ich naturgegeben die Braut und somit der Mittelpunkt der Feier sein werde. Jeder wird mich anschauen, jeder wird mich durchschauen, jeden einzelnen Pickel, jede Speckfalte, jedes Haar. Die Vorbereitungen werden in Stress ausarten und was bei Stress passiert, davon können wir Depressiven ja eine ganze Symphonie singen. Ich fühle mich so nackt.

Self-fulfilling prophecy? Wer weiß. DeHasen sagt, wir schaffen das schon und ihm zuliebe werde ich das auch. Aber ist das nicht traurig? Ist das nicht erschütternd, dass man sich auf Dinge wie Geburtstage, Frühling und seine eigene Hochzeit nicht freuen kann? Dass sie einem ANGST machen?

Genau deswegen bin ich traurig. Denn ich kann es momentan nicht ändern. Soviel Willenskraft ich auch aufbringe, ich kann die Angst nicht zur Freude zwingen. Und dann öffnest Du Deinen Email-Account und das soziale Netzwerk, und Dein Handy spuckt Dir 867 Neujahrswünsche aus feierseligen Sternspritzergesichtern entgegen mit den besten Wünschen für ein tolles neues Jahr OLYMPUS DIGITAL CAMERAund ganz viel Glück und Segen auf all Deinen Wegen, und Du stehst da in der finsteren Silvesternacht und weißt ganz genau, dass Du nicht zu den Glücklichen gehören wirst, die einfach durch dieses Jahr hüpfen, dass Du wieder mal kämpfen wirst, dass Deine Energie schon jetzt aufgebraucht ist, da 2015 kaum den ersten Schrei getan hat, dass es ein endloser, langer Weg ist, den Du Dich entlang schleppst über so viele Hügel, die Du überwinden musst mit dem schweren Rucksack auf den Schultern, der Depression heißt.

Ich male schwarz. Ohja. Das kann ich gut. Denn ich bin prädestiniert dafür. Und das macht mich sauer. Richtig wütend. Dass mir irgendjemand irgendetwas irgendwann angetan hat, das mich nicht wie jeder gottverdammte normale Mensch fröhlich Silvester feiern und sich auf die kommenden 365 Tage freuen lässt! Boah, bin ich angepisst!!!

Okay. Schön. Wut ist gut. Sie macht aggressiv, und das setzt Energien frei. Dann eben so herum: Schöpfen wir aus unserer Trauer, unserer Angst, unserer Wut Kraft für das, was da vor uns liegt. Ich will Euch kein glückliches neues Jahr wünschen, weil ich es nicht kann. Weil ich weiß, was uns erwartet. Wie schweOLYMPUS DIGITAL CAMERAr das alles werden wird – für jeden einzelnen mit seinem Päckchen im Rücken. Aber ich will Euch Mut wünschen und Hoffnung, Schritt für Schritt, Augenblick für Augenblick.

Machen wir uns also auf den Weg.
Gemeinsam.
So geht es vielleicht
etwas leichter.


Fotos: DeHasen

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10 Gedanken zu „Hinterm Horizont geht’s weiter“

  1. Angepisst????
    Oh ja, DAS kenne ich.
    Mein erster Doc meinte: “kleine Schritte”.
    Aber ich finde “KLEINE SCHRITTE” schXXXX.
    Ich will keine kleinen Schritte. Ich will Schnippen und “BÄNG”.
    Aladdins Zauberlampe reiben und “normal” sein.
    Noch einer meiner Favoriten ist: “DAS IST ALLES EIN GEDANKE”
    Aha. Stimmt. Aber “Dann ist das eben so” befriedigt mich nicht wirklich.
    …und jetzt?
    …jetzt fängt das neue Jahr an. Und wieder nehme ich mir die verhassten kleinen Schritte vor.
    Versuche zu akzeptieren, nach vorne zu schauen und weiter zu gehen. Denn ALLES ist nur ein Gedanke und die “Angst vor der Angst” ist schlimmer als die ANGST.

    Hm… Also weiter. Nicht still stehen bleiben. (Warum nicht, habe ich noch nicht rausgefunden…)

    Frei nach dem Motto meines Frühstück-Brettchens:
    …hinfallen, aufstehen Krönchen richten weitergehen…

    In diesem Sinme:
    Ich drücke Euch.

    1. UPS… Rechtschreibfehler gehören mir *lach*
      Vielleicht kannst Du sie korrigieren , Patricia?
      Sonst ägere ich mich wieder die ganze Zeit das ich nicht aufgepasst habe.
      Danke

    2. Liebe Manu,

      tja, da geht es Dir wie mir, was?
      Ja, warum geben wir eigentlich nicht einfach auf?
      Vielleicht, weil da doch noch was ist, von dem wir glauben, dass es wert ist, dafür zu leben…
      Ich drück Dich zurück – Kopf hoch, damit’s Krönchen nicht wackelt ;-)
      LG Patricia

  2. Liebe Patricia,

    mir gehts im Moment mal wieder besser. Aber die Tage um die Feiertage herum empfand ich auch als nervig. Zig mal dieselben Bildchen und Videos mit den ach so tollen Wünschen… in allen Gruppen und Chats immer wieder das gleiche. Ich habe irgendwann genervt WLan und mobile Daten beim Handy ausgeschaltet.

    Was mich auch oft nervt sind die Tschakka-Du-schaffst-das-Aussprüche. Ja, sicher, irgendwie schaff ich das… oder eben auch nicht… und wenn nicht, bekommt es eh kaum einer mit, weil ich Meister im Vertuschen und Verstellen bin.

    Ich wünsche Dir viele schöne Momente und ich drücke dir die Daumen, dass diese geplanten Ereignisse dieses Jahr nicht nur Stress, sondern wirklich auch Momente des Glücks für dich bedeuten.

    Alles Gute!

  3. Stark geschrieben, Patricia … ich wünsche die Mut, die du uns Lesern wünscht …. und dass dein Weg Momente der Leichtigkeit enthält. LG

  4. Liebe Patricia, danke für deinen Blog und deine Beiträge. Mir hilft das Lesen deiner Texte…. ich erkenn mich in vielem wieder und es hilft wirklich zu wissen, nicht allein zu sein.

    Ich wünsche dir für das neue Jahr viel Kraft, Zuversicht und die Sicherheit, das es zwischendrin auch einige leichte, fröhliche Momente und Abschnitte geben wird. Ganz liebe grüsse!

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