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Nur so’n Gefühl

Alles supi. Oder alles scheiße. Was anderes kenne ich nicht. Jedes Mal, wenn mein Prof mich sieht, fragt er zuerst, wie es mir geht. Und meine Antwort lautet top. Oder hopp. Ich kann es einfach nicht – sagen, wie ich mich fühle. Als Wortjongleur kenne ich natürlich hunderte Begriffe. Doch was meinen sie? Und wen?

Gerade läuft ein neues Forschungsprojekt am ZI. Erstes Ergebnis: Depressive können ihren Gemütszustand nicht in Worte fassen. Ach. Wenn ich an meine tiefsten Tiefs denke, war da nix, vor allem keine Gefühle. Null. Nothing. Niente. Wie das schwarze Nichts aus Michaels Ende unendlicher Geschichte. Und selbst, wenn es mir gut geht, sagen mir all die tollen Termini kaum etwas. Ich muss lange überlegen, bis ich mir ungefähr vorstellen kann, was sie bedeuten.

Aber mal ehrlich. Wer von Euch kann, egal ob depressiv oder nicht, genau sagen, wie es ihm gerade geht? Na, eben.

„Sobald sich Gefühle in festen Begriffen ausdrücken lassen, hat ihre Stunde geschlagen.“*

Deswegen für Euch und für mich die Übung der Woche. Unten seht Ihr eine Liste mit Gefühlen, positive, negative, nicht immer eindeutige. Schaut mindestens einmal am Tag drauf und spürt nach, was gerade in Euch ist. Nur so ein Gefühl. Auch, wenn es Euch unheimlich ist. Auch, wenn es Euch ärgert. Auch, wenn Ihr es am liebsten verschweigen würdet. Und vor allem tut es, wenn Euch mal wieder jemand fragt, wie es Euch so geht. Ich fühle mit Euch!

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* Paul Valéry (1871-1945, franz. Lyriker und Philosoph)

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3 Gedanken zu „Nur so’n Gefühl“

  1. Wichtig ist vor allem: benennen OHNE zu bewerten! Wahrnehmen was ist und wie es sich im Körper anfühlt (wo sitzt das Gefühl? Z. B. Wut spürt man oft im Bauch, andere Gefühle wiederum anderswo). Das hilft sich von den eigenen Gefühlen nicht überwältigen zu lassen und jedes Gefühl als ” gleichwertig” und gleich wichtig wahrzunehmen. Ich sage nur “Aufmerksamkeitstechnik oder “Meditation”. Tolle Sache! GutesThema und tolle Liste! Hilfreich auch im Umgang mit Kindern, die das auch noch lernen….

    1. @ B: ohne bewerten… da hast du Recht. Das ist nur so verdammt schwer.

      @ Patricia: danke für die Liste. Ich werde es mal ausprobieren… gerade jetzt wo die Tagesklinik (wo man ständig über Gefühle spricht) aufhört und der Alltag wieder eintritt.

      1. Hei Ihr Zwei,

        und danke für Eure Kommentare! Stimmt, B. – das vergesse ich auch zu oft: Gefühle wahrnehmen, ohne sie zu bewerten. Ganz wichtig, danke fürs Erinnern!
        Keana, ich wünsche Dir das Allerbeste, dass Du auch nach der Tagesklinik Deinen Weg gehst!

        Liebe Grüße, Patricia

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