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Is there anybody…

… out there – help me sing my song?

Ihr Lieben,

weil ich vermisst werde (danke, dass Ihr an mich denkt❤️), kurz ein kleines Zeichen: Das Leben fährt gerade Achterbahn mit mir. Ich bin wieder mal gekündigt worden – eine Stelle, die ich angenommen hatte, um jemanden aus der Patsche zu helfen. Der Mausebär ist in die Schule gekommen und steht jetzt jeden Tag mittags um eins auf der Matte. DeHasn war wieder unterwegs in der Welt und ich allein zu Haus (oder auf dem Arbeitsamt oder beim Arzt oder in der Physiotherapie oder beim Salzteigbacken…)

Ich hab mir den Außenspiegel abgefahren und kämpfe gerade mit der Versicherung, die erst sagte, sie übernehme de12189792_970877066291487_8947825813354643387_nn Schaden und jetzt nichts mehr davon wissen will. Und wenn ich schon dabei bin, schreibe ich dem Pressesprecher der GEZ böse Briefe, weil die sich meine Daten vom Einwohnermeldeamt gemopst haben, aber nicht raffen, dass ich seit drei Jahren nicht mehr alleine wohne und nun verheiratet bin *AAAAARGH*
Der ganz normale Wahnsinn eben, Ihr kennt das.

Ich überstehe Elternabende und Familienfeiern und Bewerbungsgespräche und übe mich in Großmut und Vergebung.  Zwischendurch ploppt die Vergangenheit auf und reißt mich in Fressstrudel, wobei diese nicht mehr so tief sind wie früher. Bei all dem versuche ich, nicht abzurutschen. Ich bin vorgestern 40 geworden und hadere damit, dass die Hälfte meines Lebens vorbei ist, und diese Hälfte ziemlich bescheiden war.

Auf der anderen Seite fühle ich mich so aufgehoben wie nie. Unsere kleine Familie und meine Freunde geben mir viel Kraft und stehen kompromisslos hinter mir. Meine Näherei entwickelt sich weiter… 12046925_752852831487680_4146317145651418258_nund wird bald etwas sein, was mich hauptberuflich beschäftigt. Ein großer psychosomatischer Klinikverband hat meinen Blog entdeckt und mir eine Kooperation angeboten (ich denke noch drüber nach).  Ich bin gerade völlig im Umbruch, und hoffe nur, dass die Depression nicht wieder zuschlägt.

Ich möchte noch so viel schaffen! Ich will meine Selbstständigkeit – in jedweder Hinsicht.

Jetzt sind gerade wieder Ferien, in denen der Mausebär bespaßt  werden will und ich trotz Kündigung brav ins Büro marschiere, um niemanden hängen zu lassen. Sobald ich eine ruhige Minute habe, melde ich mich ausführlich.

Bei Euch hoffentlich alles gut?

Alles Liebe, Patricia


Header: Pixar, Inside out
Foto oben: Meine Geburtstagskarte vom Hasn und meiner Familie. I love you!
Foto unten: Mein Werk.

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Wat mut, dat mut: Willkommen in der Scheibenwelt

36 Grad, es wird noch heißer…

Ja, ich weiß. Tolle Ausrede. Genauso wie: Ich muss dringend a) die Kotzekatze vom Baum pflücken, b) nervige Fliegen totklatschen, c) Gummibärchen in der Süßigkeitenschublade nach Farben sortieren, d) to be continued (oh, eine Aufzählung, lieben Gruß an M. ;-) ).

Leider schert das meinen Rücken überhaupt nicht. Ja, meine Welt ist eine Scheibe. Genauer gesagt, eine Bandscheibe. Und wer’s exakt Bild2_06_6313075b45wissen will: eine ziemlich lädierte, seit Jahren überstrapazierte und deswegen tot-quietsch-beleidigte-ich-geb-dir-eins-ins-kreuz-damit-du-dich-kaum-noch-bewegen-kannst-wenn-du-keinen-sport-machts-MIT-DIR-SPIEL-ICH-NICHT-MEHR-DU-BIST-NICHT-MEHR-MEINE-FREUNDIN-DREI-AUSRUFEZEICHEN-Bandscheibe.

Nein, sie lässt sich weder mit charmanter Überredungskunst (“Hömma, Du bist gerade 39, lass Dich mal nicht so hängen, Du Gallertdingens, Du!”) noch wüsten Beschimpfungen (“Sakra-krutzi-deifi, jetzt reiß’ Dich aber mal zusammen!…Autsch, doch nicht so!!”) beruhigen. Sie will wie ein drei Tage bei Regenwetter im Haus eingesperrtes Kleinkind loshüpfen. Und zwar JETZT.

Hachja. Is’ ja nicht so, dass wir schon eine Depression mit uns rumschleppen würden. Naaaahaaaaaain. Jetzt muss einem auch noch der eigene Rücken ins Kreuz fallen!

“Okay”, sage ich zur Scheibe, nachdem ich sie zwei Jahre lang ignoriert habe und sie mich dafür jeden zweiten Monat außer Gefecht gesetzt hat. “Waffenstillstand. Ich schlepp Dich, äh, mich ins Fitti, und Du gibst dann Ruhe. HOST MI ?!?”

Ja, so kam heute der Tag der Tage….während alle anderen zum Badesee pilgerten, tuckerte ich einsam und allein ins Fitnesscenter. Kein Schwein war da, klar bei dem Wetter (hier wäre dann die Stelle, wo Ihr alle ganz laut “OOIMG_1024OOOOCH” sagen müsst), außer dem Trainer. Und der unterzog mich, meinen zwei Jahre alten Trainingsplan (Ihr kennt das: einmal im Studio angemeldet, regelmäßig gezahlt, nie hingegangen) und meine Scheibe erstmal einer Generalüberholung.

Ich gestehe es nicht gerne, aber das tat – gut. Also nicht nur, meinen geplagten Rücken mal wieder richtig zu strecken und meine *räusper* hoffentlich bald wieder vorhandenen Bauchmuskeln zu stärken. Nein, auch der Kopf prustete und pustete mal so richtig durch. Ich hatte völlig vergessen, wie ich beim Training ins Nichts abtauchen kann – ähnlich wie beim Nähen. Blick ins Nirwana und nur fühlen, wie alle Spannung aus dem Körper weicht. Ausatmen. Zur Ruhe kommen. “Schöööön”, sagt die Scheibe da. “Wollen wir vielleicht wieder Freunde sein?”

SPORT UND DEPRESSION

Nein. Ich tue das nicht wegen des bösen Onkels. Denn ich weiß schon seit Jahren, dass ich mich in meinem Körper nicht wohl fühle. Zu den Kreuzschmerzen kommen die Seelenstiche. Jedes Mal, wenn es Sommer wird. Jedes Mal, wenn ich schwimmen gehen muss. Jedes Mal, wenn ich meine Kleidung wechsle und dabei dummerweise mit einem Auge am Spiegel hängen bleibe. Ich mache also auch Sport, damit es mir wieder leichter ums Herz wird.

Dass Sport bei Depressionen helfen soll, ist ein alter Hut. Die Krux daran ist, dass Depressive es einfach nicht schaffen, sich aufzuraffen. Wen nur das bloße (Über)leben – und ich rede jetzt nicht mal vom Job oder Alltag einer alleinerziehenden Mutter! – Energie kostet, wer soll sich da noch ins Fitnesscenter schleppen? Ich schaffe das auch nur, weil es mir gerade gut geht. Diese Kraft nutze ich dafür, endlich etwas für mich zu tun. Denn dass ich kaum ohne Schmerzen stehen, liegen oder sitzen kann, dass ich mich selbst nicht leiden mag, raubt mir jeden Tag zusätzlich Lebenswillen. Ich habe die Wahl, und ich werde sie nutzen, weil ich gerade kann. Wenn Ihr es nicht könnt: Alles ist gut! Macht Euch keinen Stress! Es besteht kein Zwang, als Depressiver Sport zu treiben.

Aber die ganzen Endorphine! Humbug. Noch gibt es keinen Beweis, dass Sport den bei uns gestörten Serotonin-Stoffwechsel wieder ins Lot bringt. Was Bewegung allerdings tut, ist Stress abbauen. Denn wie wir wissen, hat eine langanhaltende Stressbelastung zur Folge, dass der Adrenalinspiegel im Körper steigt. Das führt zu einer Hochregulation des Cortisons und später zu einer Erschöpfung des Systems – auch des Serotonin-Stoffwechsels. Die Folgen sind: Migräne, Schmerzen, Burn-out, Depression.

Was ich damit sagen will: Stress, egal ob körperlicher oder seelischer und vor allem lang anhaltender, muss abgebaut werden – indem wir unseren kompletten Stoffwechsel durch Bewegung wieder ausgleichen. Das funktioniert aber nur, wenn der Sport selbst nicht wieder in Stress ausartet! Also denkt dran: immer schön locker bleiben!





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Wir sind viele

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Depression ist leise. Jeder kann ihr zum Opfer fallen.

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Und wie unter einer Maske verstecken die Menschen sie
hinter einem Lächeln. – “Mir geht’s gut!”

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Niemand entdeckt sie, nur Du – denn das Maskieren ist einfach.
Je witziger Du bist, umso weniger ahnen die anderen etwas.

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Aber du kannst es nicht ewig verbergen.

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Irgendwann bricht jeder ein.

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Aber das ist völlig okay.

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Du brauchst Dich für nichts schämen.
Es gibt Menschen da draußen, die Dich verstehen.

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Sieh jeden neuen Tag als eine Chance, zu wachsen.
Wir sind immer hier und warten auf Dich!

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Du bist wertvoll. Du wirst geliebt. Du bist nicht allein.
Hab Geduld mit allem, aber am meisten mit Dir selbst.


Quelle der Bilder leider unbekannt. Falls jemand den Autor kennt, freue ich mich über eine Nachricht.

 

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Kreuzschmerzen

Ich bin in der Kirche aufgewachsen. Bevor ich mir die Schläge und Schreie zu Hause gab, verbrachte ich lieber die Zeit mit meinem Großvater. Er war Küster unserer Gemeinde und seine Kirche mein Revier. Ich kannte sie alle, die großen und kleinen Heiligen, weil Opa ihnen in seinem Atelier mit beißend riechender Ölfarbe neue Lächeln in die gestrengen Gesichter zauberte. Wenn ich heute an Weihnachten vor seiner Krippe stehe und den heiligen Josef sehe, weiß ich, mein Großvater lächelt mich an.

My lover’s got humour
She’s the giggle at a funeral
Knows everybody’s disapproval
I should’ve worshipped her sooner

Die Glocken waren meine Freunde. Auch sie kannte ich beim Namen, und das Größte war, wenn ich sie zur Heiligen Messe rufen lassen durfte. Dieser Knopf für diese und jener Schalter für jene, und es brauste in den Ohren, dass der Kirchturm wackelte.

If the heavens ever did speak
She’s the last true mouth-piece
Every Sunday’s getting more bleak
A fresh poison each week

Damals war ich fünf. Und ich zweifelte nicht. Nicht, dass es den lieben Gott gab und die Jungfrau Maria und den Heiligen Sankt Martin, der mit seinem wunderbaren Schimmel jeden November durch die Straßen ritt, seinen Mantel und anschließend Weckmänner verteilte.

We were born sick
You heard them say it

Jeden Mai denke ich an diese Zeit, wenn eine bestimmte Baumsorte beginnt, nach Gummibärchen zu duften – jene Bäume, unter denen wir an Fronleichnam feierlich den Leib Christi durch die wunderschön geschmückten Straßen trugen. Erinnerungen, verblasst.

My Church offers no absolutes
She tells me, “Worship in the bedroom.”
The only heaven I’ll be sent to
Is when I’m alone with you—

Ich zweifelte nicht, als ich zur ersten heiligen Kommunion ging, bei der das weiße Kleid allen wichtiger war als das, was da passierte – wie hätten wir es auch verstehen sollen, als Neunjährige? Ich zweifelte niemals, auch nicht, als ich Lobeshymnen im Kirchenchor sang und auch nicht, als ich ganze Jugendgottesdienste vorbereitete.

I was born sick, but I love it
Command me to be well
Amen. Amen.

Du sollst nicht lügen! Während des Firmunterrichts mussten wir wie schon oft zuvor beichten. Das wurde ganz groß geschrieben und war immens wichtig, bläute meine Mutter mir ein. Ich saß da und mir fiel partout nichts ein, was ich hätte falsch gemacht haben können. „Vielleicht“, sagte ich zu dem Priester, „ist meine Sünde, dass meine Mutter micht nicht mag?“
Er verstand den Wink nicht. Er druckste herum und sagte, wenn ich Probleme hätte, sollte ich doch mal mit der Gemeindereferentin sprechen. Gewalt in der Familie, das war nichts für seinen katholischen Beichtstuhl.

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
Offer me that deathless death
Good God, let me give you my life

Anyway. Drei Ave-Maria, und die Sache war vergessen. Ich machte tapfer weiter, verteidigte Gott und meine Kirche. Im Gedächtnis blieb mir eine Szene: Unsere Clique fuhr wie jeden Tag mit dem Zug zur Schule. Jemand machte einen Witz über den Papst. Ich war erbost: „Glaubst Du nicht an Gott, wenn Du Dich so über den Papst lustig machst?!“ schrie ich ihn an. Die verwunderten Blicke waren mir egal.

 If I’m a pagan of the good times
My lover’s the sunlight
To keep the Goddess on my side
She demands a sacrifice

Mein Glaube war angeknackst. Ich ließ es nicht zu. Ich war katholisch erzogen, und ich wollte nichts anderes. Und ganz insgeheim hatte ich Angst, was passieren würde, wenn ich Gott verließe. Würde ich nur noch Pech im Leben haben und später schwitzend in der Hölle schmoren? „Gott wird Dich noch strafen!!“, schrie meine Mutter immer wie von Sinnen, wenn sie mal wieder – warum auch immer – auf mich eindrosch.

Drain the whole sea
Get something shiny
Something meaty for the main course

Ich studierte Geschichte, und ich studierte die Bibel und alles, was NICHT in der Bibel stand. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich als Frau wohl die perfekte Priesterin gewesen wäre, hätten irgendwelche antifeministischen Bischöfe nicht auf so einem depperten Konzil die falschen Schriften zum Wort Gottes erklärt.

That’s a fine looking high horse
What you got in the stable?
We’ve a lot of starving faithful
That looks tasty
That looks plenty
This is hungry work

Aber es half nichts. Gott entglitt mir immer mehr, und ich ihm. Was damals im Beichtstuhl zerbrochen wurde, war nicht mehr zu kitten. Wo war er, der liebe Gott mit all seinen Heiligen in meinen tiefsten Depressionen, wenn es mir richtig dreckig ging? Erhörte er meine Gebete, nahm er mich an der Hand und führte mich zu sanften Auen und dem Ruheplatz am Wasser? Leitete sein Stecken und Stab mich mit Zuversicht aus dem Tal der Todesschatten? Nein!

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins so you can sharpen your knife
Offer me my deathless death
Good God, let me give you my life

Vierzig verdammte Jahre musste ich alt werden, um der Hölle zu entrinnen. Und der letzte, der mir dabei geholfen hat, war Gott oder seine Kirche. Blasphemie, mag sein. Aber der einzige, der mich durch all die Jahre gerettet hat, war ich selbst.
Als der Mausebär kam, ließ ich ihn taufen, katholisch natürlich. Ich wollte ihn nicht ungeschützt und ohne Segen in diese Welt schicken. Am Anfang besuchten wir eifrig Kindergottesdienste. Ich wollte, dass er einen Glauben kennenlernt, bevor er sich dafür oder dagegen entscheidet. Aber es war ihm nicht wichtig. Er kennt alle Geschichten über Gott und Jesus und die Heiligen. Aber sie kümmern ihn nicht. Er braucht keinen Herren, der ihm Nächstenliebe gebietet und nach der rechten auch noch die linke Wange schlägt. Der sich einfach so ans Kreuz schlagen lässt ohne Widerworte und dann behauptet, er hätte uns alle damit gerettet. In meinem Fall leider umsonst. Lasset die Kinder zu mir kommen? Im Leben nicht!

No Masters or Kings when the Ritual begins
There is no sweeter innocence than our gentle sin

Wir waren vor kurzem in Paris flittern, DeHasen und ich. Eigentlich wollten wir nur Notre Dame besichtigen (die Glocken!). Nebenbei bemerkte unsere Führerin, dass wir dort heute die Dornenkrone sehen würden. Die Dornenkrone? Die echte? Ich wollte unbedingt dahin. Ich wollte sie sehen. Warum nur, wo ich doch meinem Glauben abgeschworen hatte? Ich konnte es nicht erwarten. Sie lag in Notre Dame, in der hintersten Ecke, verborgen hinter dickem roten Glas. Ich glaube nicht, dass sie jemand erkannte, und ich weiß auch nicht, ob es tatsächlich die echte war.Krone

Ich setze mich davor, starrte sie an. Und weinte. Ich konnte nicht mehr aufhören damit, ich war nicht da, in dieser Kirche, ich stand vor Jesus und wir hielten Zwiesprache. „Wieso hast Du das getan?“, warf ich ihm vor, „wieso hast Du so gelitten? Verdammt, ich weiß, was es heißt zu leiden, also wozu? Um ein paar Nasen zu zeigen, wie toll Du bist?“ Ich bekam keine Antwort, natürlich nicht. Aber etwas anderes. Da war einer, dem es wohl ergangen war wie mir. Der genau wusste, wie es sich anfühlt, im tiefsten Dunkel keinen Ausweg mehr zu sehen. All das Leid, all die Schmerzen, all die Menschen, die Dir Unrecht tun, Dich verhöhnen, Dich verprügeln, immer und immer wieder und keiner da, der Dich schützt. Der Dir nicht nur ein billiges Schweißtuch reicht, sondern den andern auf die Fresse haut und schreit: Spielt Eure schmutzigen Spielchen mit jemand anderem!!!

In the madness and soil of that sad earthly scene
Only then I am Human
Only then I am Clean

Als ich fertig geweint hatte, stand ich auf und ging. So ist das, Jesus. Niemand sucht sich aus, in welche Welt er geboren wird. Und sein eigenes Kreuz, das muss schon jeder selbst tragen.

Amen. Amen.


Titelbild: Air birds cross flieds fly, n.n.
Englischer Songtext von Hozier, Take me to church

Foto der Dornenkrone: DeHasn

 

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Titanium

Mitten in meinem Nähwahn (guckst Du hier), am letzten Urlaubstag, klingelt das Telefon. Meine Chefin ist dran – kurz besprechen, was wir die Woche so im Büro machen. Sie hat eine unglaublich tolle Idee (achtung, Ironie): Weil ich es jedes Mal schaffe, jeder beliebigen Zeitung jeden beliebigen Artikel anzudrehen* und dafür so nett mit den verantwortlichen Chefredakteuren plaudere, soll ich diesen Part meiner Arbeit jetzt ausweiten.

Während ich noch damit beschäfigt bin, nicht in Panik zu verfallen, sagt sie: “Ich bewunder Dich echt. Das ist wirklich eine Gabe. Wie schaffst Du das nur, dass Du sofort einen Draht zu den Leuten hast und die Dich mögen? Kannst Du mir mal ein paar Tipps geben?”

Ähm.

Ich erzähle ihr meine Geschichte. Wie ich wieder und wieder kämpfe, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Wie viel Überwindung mich das kostet. Dass ich es aber immer und immer wieder versuche, weil ich weiß, dass ich es kann.
Und dass ich es gut kann.

“Meine Güte”, sagt sie.
“Das zeugt wirklich von Disziplin. Und von Kraft.”

Ja….

I’m bulletproof, nothing to lose
fire away, fire away
ricochet, you take your aim
fire away, fire away
you shoot me down, but I won’t fall

I AM TITANIUM


*Natürlich schreiben wir nur hochkarätige Texte, die wir in hochkarätigen Medien platzieren. Wirklich.
Text aus dem Song “Titanium”, David Guetta feat. Sia – slow accoustic version

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“Du bist zu dick!”

Nichtsahnend öffne ich am Abend den Brief. Wir hatten einen schönen Tag, der Mausebär und ich. Voller Sonne und guter Laune.
Mit Erinnerungen an die schöne Hochzeit und Vorfreude auf unsere Flitterwochen in Paris.

Das ist mit einem Schlag vorbei. Der Brief kommt vom DeHasens Onkel, der auch auf unserer Hochzeit war, mit dem ich getanzt und viel Spaß gehabt hatte. Ich habe ihn insgesamt zweimal gesehen in meinem Leben. Er kennt mich nicht, und ich kenne ihn nicht. Drei Seiten Papier, eng beschrieben, er erzählt sein Leben und holt auf Seite zwei zum Schlag aus. Da steht in 22 Punkt Arial (mindestens), fett und zentriert:

“Aber Patricia,
Du bist zu dick!”

Es folgen seitenweise Ratschläge, Salat, Waage kaufen, Sport machen. Bliblablub. Kein Wort des Dankes, keine Erwähnung unserer Hochzeit. Er würde ja die Bloghütte lesen und wissen, dass ich Fressattacken hätte und wegen meiner Depression grade nicht arbeiten könne.

Lieber Onkel von DeHasen.
Würdest Du die Bloghütte richtig lesen, wärst Du besser informiert.
Vor allem wüsstest Du , WIE SEHR MICH DEINE WORTE TRIGGERN!!!

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.
Außer: DON’T PASS ME BY ANYMORE!

Ich geh dann mal ‘ne Runde heulen
und in
mühevoller
Kleinarbeit
die
Scherben
meines
gerade
aufgebauten
Selbtsbewusstsein
einsammeln.

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Geschafft

Ich – wir – haben es geschafft! Das Bild oben zeigt uns um Mitternacht bei unserer Feier, Frisuren und Outfits völlig aufgelöst – und wir beide überglücklich.

Zu diesem Zeitpunkt liegen 16 Stunden voller Aufregung im Fokus dutzender Menschen hinter mir. Und ich bin mächtig stolz, dass es trotz allem so ein wunderbarer Tag war und ich all meine Sorgen vergessen konnte. Mein Aussehen, was die Leute von mir denken… alles war mit einem Mal so egal. Und alle, wirklich alle Gäste waren zauberhaft und sagten uns immer wieder, wie schön wir selbst und unser Fest sei.

Der allerschönste Moment für mich war, als DeHasen mir den Ring an den Finger steckte. Ich musste so weinen in diesem Augenblick. Denn ich war so DSC04781erleichtert…mit einem Mal war ich eine Ehefrau, wir eine richtige Familie – sogar auf dem Papier – das Leben als alleinerziehende, sorgenbeladene, depressive Mutter ist endgültig vorbei.

Natürlich, ich weiß: Die Depression wird mich weiter begleiten, ein Leben lang. Aber es ist so unendlich leichter, wenn da jemand ist, der das mitträgt, wenn da etwas ist, das mich mitträgt: absolutes Vertrauen, eine Familie und eine große innige Liebe.

Nun sind wir zwei Tage verheiratet, sitzen im sonnigen Garten unserer Bloghütte, haben Besuch aus aller Welt – und noch immer ist es wunderbar. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe.

“Ach, Schatz”, sagt DeHasen gerade und verdrückt eine Träne, “wir haben so ein schönes Leben”.

Ja, das haben wir.

Passt auf Euch auf!


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Du bist da, um…

… Tja. Warum bin ich eigentlich da? Bei all dem Mist, der mir im Leben begegnet, all den Kämpfen, all den Hoffnungslosigkeiten – warum bin ich dann noch da? Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.16

Der Mausebär und ich haben einen Lieblingsfilm. Den haben wir schon so oft geschaut, dass wir ihn mitsprechen können.

Und dennoch: Jedesmal, wenn wir ihn wieder sehen, bezaubert und fasziniert er uns gleichermaßen. Denn er hat Antworten auf Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.27Fragen, die wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Nehmt Euch Zeit und schaut ihn in Ruhe an. Ihr findet ihn hier.

Und noch etwas möchte ich Euch sagen: Ich schreibe in der letzten Zeit nicht. Wie Ihr wisst, steht uns in zwei Wochen ein großes Fest in die Bloghütte. Mir gehen tausend Gedanken im Kopf herum, und ich formuliere tausend Geschichten. Allein die Zeit fehlt mir, alles aufzuschreiben. Und Zeit braucht es, Geschichten auf Papier – oder in die Tastatur – fließen zu lassen.

Aber glaubt mir, ich bin jeden Tag bei Euch. Nicht nur, weil mir ständig Dinge begegnen, die ich Euch Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.47.21am liebsten mitteilen würde. Sondern auch, weil Euch Dinge begegnen, die Euch beschäftigen, worüber ich mir wiederum Gedanken mache.

Ich bin mit Euch connected, die ganze Zeit, überall.

Passt auf Euch auf.


Film: Die große Frage. Copyright WDR 2014

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Stein-Zeit

Was tun, mitten in der Depression und mit Panikattacken am Hals? Raus! Raus in den Garten, in den großen, wilden Garten. Und dann – einen Stein aufheben. Das Laub darunter behutsam wegfegen, damit die zarten Pflänzlein nicht brechen. DeIMG_2186n Stein wieder hinlegen. Und dann – den zweiten
Stein aufheben. Das Laub darunter behutsam wegfegen, damit die Regenwürmer weiterschlafen können. Den Stein wieder hinlegen. Stein um Atemzug, Atemzug um Stein, bis das Herz weich wird und der Kopf stumm.

Nur ein Stein! Und dann der nächste. Nicht alle auf einmal! Nicht alle Steine und danach noch das Efeubeet und das Rosenbeet und die Rasenfläche und den Vorgarten! Nein. Nur diese eine Reihe, Stein für Stein, so lange, wie es eben braucht.

Während ich mich zwinge und konzentriere, nicht wieder den Überblick und mich selbst zu verlieren, muss ich an Beppo denken. Ihr wisst schon, den Straßenkehrer aus Michael Endes Märchen
“Momo”. Und weil ich mich heute in meinem Garten so verbunden mit ihm, dem Straßenkehrer, gefühlt habe, hier seine Geschichte. Zum Erinnern. Zum Zeitnehmen. Und zum Atemholen:

Wenn er so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenkliIMG_2189ch vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich.

Während er sich so dahinbewegte, vor sich die schmutzige Straße und hinter sich die saubere, kamen ihm oft große Gedanken. Aber es waren Gedanken ohne Worte, Gedanken, die sich so schwer mitteilen ließen wie ein bestimmter Duft, an den man sich nur gerade eben noch erinnert, oder wie eine Farbe, von der man geträumt hat. Nach der Arbeit, wenn er bei Momo saß, erklärte er ihr seine großen Gedanken. Und da sie auf ihre besondere Art zuhörte, löste sich seine Zunge, und er fand die richtigen Worte. “Siehst du, Momo”, sagte er dann zum Beispiel, “es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man”.

Er blickte eine Weile schweigend vor sich hin, dann fuhr er fort: “Und dann fängt man an, sich zu beeilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, daß es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt
IMG_2188es mit der Angst, und zum Schluß ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen.” Er dachte einige Zeit nach. Dann sprach er weiter: “Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muß nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.” Wieder hielt er inne und überlegte, ehe er hinzufügte: “Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.”

Und abermals nach einer langen Pause fuhr er fort: “Auf einmal merkt man, daß man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste.” Er nickte vor sich hin und sagte abschließend: “Das ist wichtig.”

Nachtrag: Während ich das schreibe und völlig im Hier und Jetzt bin, geht die Tür auf, und der Mausebär kommt plärrend hereingestürmt. Er hat einen Spreisel im Finger. Entweder bekommt er eine Blutvergiftung oder stirbt sofort. Mindestens. Ein Schritt nach dem….”Maaaamaaaaa, das tuuuut sooo weeeeheeee!!!”

Die große Kunst ist, in der Stein-Zeit zu bleiben.
Auch, wenn die nächste Bombe tickt.


Zitat aus: Michael Ende, Momo. Thienemann Verlag; 20. Auflage (1973).

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Tür an Tür mit der Depression

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