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Schatzsucher

long time no see…

Ich habe Euch sträflich vernachlässigt.
Vor allem aber habe ich mich selbst vernachlässigt.

Alles, was ich Euch in den vergangenen Artikeln geschrieben habe, hat sehr an meinen Nerven gezerrt… mit den bekannten Auswirkungen.

Seit ein paar Wochen entspannt sich die Lage: Mein Existenzgründerzuschuss ist durch, ich bin jetzt komplett selbstständig, es sind Ferien, DeHasn war mit dem Mausebären eine Woche im Urlaub – und ich hatte Zeit. Es ist unglaublich, wie wertvoll Zeit ist. Vor allem Zeit, sich zu resetten.

Ich habe gemerkt, wie sehr mir diese Minuten und Stunden gefehlt haben. Dazusitzen, sich zu ordnen, Prioritäten zu setzen, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Bis vor kurzem hatte ich dafür überhaupt keinen Kopf. Ich hetzte und hetzte und machte und machte…. und wäre wohl wieder einmal ins Burnout gerannt. Was hat mich abgehalten?

Abgesehen von meiner tollen Familie und meinen Freunden *kuss!* denke ich, dass es zum größten Teil mit meinem Job zusammenhängt. ENDLICH tue ich wieder etwas, was mir Freude macht, was für mich einen Sinn ergibt. Vor allem macht es mich stolz, nun für mich verantwortlich zu sein, MEINE Geschäfte zu führen (und nicht immer den Karren für jemand anderen aus dem Dreck zu ziehen). Es tut mir so gut, meine Zeit einzuteilen. Das ist eine große Freiheit, die ich sehr genieße: Habe ich morgens um fünf einen  Flow, dann arbeite ich eben morgens um fünf. Habe ich mittags keine Energie mehr, tanke ich bei einem Nickerchen auf. Es ist so viel effektiver, so zu arbeiten. Und so zu leben!
Ich arbeite wohl mehr als zuvor. Aber es stresst mich nicht mehr.

Langsam, ganz langsam lege ich mich wieder frei. Geduld braucht das, aber es bringt auch unendliche Ruhe – meditativ, wie das Sandwaschen am Fluss auf der Suche nach Gold.

Den Klinikaufenthalt habe ich gecancelt. Ich frage mich, wie ein depressiver Mensch diese Bürokratieberge bewältigen soll, bis er überhaupt einmal einen Platz in einer für ihn passenden (!) Klinik erhält. Und dazu noch die zu ihm passende (!) Behandlung. Viel zu viel Stress. Und dann: Was ist, wenn man wieder zuhause ist? In der alten Umgebung? Da nehme ich lieber den direkten Weg: sich zuhause besser fühlen lernen.

Das Essen ist nach wie vor meine Krux, aber jetzt habe ich Zeit, mich auch darum zu kümmern. Vor allem ist es ein Umlernen von Gewohnheiten. Und das dauert – zwei Schritte vor, einer zurück. Immerhin! Ein Schritt nach vorne!
Es ist wie beim Tanzen. Da dreht man den Walzer sein Leben lang rechts rum und soll auf einmal links rum zirkeln. Heidewitzka! Das klappt nur mit viel Training. Und Balance. Und einem, der einen sicher im Arm hält <3

Ab er es wird. Und deswegen habe ich jetzt auch die Hintergrundfarbe der Bloghütte auf Weiß geändert. Auf einer Seite zumindest. Ich finde, das ist ein guter Anfang :-)

Passt auf Euch auf!


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Is there anybody…

… out there – help me sing my song?

Ihr Lieben,

weil ich vermisst werde (danke, dass Ihr an mich denkt❤️), kurz ein kleines Zeichen: Das Leben fährt gerade Achterbahn mit mir. Ich bin wieder mal gekündigt worden – eine Stelle, die ich angenommen hatte, um jemanden aus der Patsche zu helfen. Der Mausebär ist in die Schule gekommen und steht jetzt jeden Tag mittags um eins auf der Matte. DeHasn war wieder unterwegs in der Welt und ich allein zu Haus (oder auf dem Arbeitsamt oder beim Arzt oder in der Physiotherapie oder beim Salzteigbacken…)

Ich hab mir den Außenspiegel abgefahren und kämpfe gerade mit der Versicherung, die erst sagte, sie übernehme de12189792_970877066291487_8947825813354643387_nn Schaden und jetzt nichts mehr davon wissen will. Und wenn ich schon dabei bin, schreibe ich dem Pressesprecher der GEZ böse Briefe, weil die sich meine Daten vom Einwohnermeldeamt gemopst haben, aber nicht raffen, dass ich seit drei Jahren nicht mehr alleine wohne und nun verheiratet bin *AAAAARGH*
Der ganz normale Wahnsinn eben, Ihr kennt das.

Ich überstehe Elternabende und Familienfeiern und Bewerbungsgespräche und übe mich in Großmut und Vergebung.  Zwischendurch ploppt die Vergangenheit auf und reißt mich in Fressstrudel, wobei diese nicht mehr so tief sind wie früher. Bei all dem versuche ich, nicht abzurutschen. Ich bin vorgestern 40 geworden und hadere damit, dass die Hälfte meines Lebens vorbei ist, und diese Hälfte ziemlich bescheiden war.

Auf der anderen Seite fühle ich mich so aufgehoben wie nie. Unsere kleine Familie und meine Freunde geben mir viel Kraft und stehen kompromisslos hinter mir. Meine Näherei entwickelt sich weiter… 12046925_752852831487680_4146317145651418258_nund wird bald etwas sein, was mich hauptberuflich beschäftigt. Ein großer psychosomatischer Klinikverband hat meinen Blog entdeckt und mir eine Kooperation angeboten (ich denke noch drüber nach).  Ich bin gerade völlig im Umbruch, und hoffe nur, dass die Depression nicht wieder zuschlägt.

Ich möchte noch so viel schaffen! Ich will meine Selbstständigkeit – in jedweder Hinsicht.

Jetzt sind gerade wieder Ferien, in denen der Mausebär bespaßt  werden will und ich trotz Kündigung brav ins Büro marschiere, um niemanden hängen zu lassen. Sobald ich eine ruhige Minute habe, melde ich mich ausführlich.

Bei Euch hoffentlich alles gut?

Alles Liebe, Patricia


Header: Pixar, Inside out
Foto oben: Meine Geburtstagskarte vom Hasn und meiner Familie. I love you!
Foto unten: Mein Werk.

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Geschafft

Ich – wir – haben es geschafft! Das Bild oben zeigt uns um Mitternacht bei unserer Feier, Frisuren und Outfits völlig aufgelöst – und wir beide überglücklich.

Zu diesem Zeitpunkt liegen 16 Stunden voller Aufregung im Fokus dutzender Menschen hinter mir. Und ich bin mächtig stolz, dass es trotz allem so ein wunderbarer Tag war und ich all meine Sorgen vergessen konnte. Mein Aussehen, was die Leute von mir denken… alles war mit einem Mal so egal. Und alle, wirklich alle Gäste waren zauberhaft und sagten uns immer wieder, wie schön wir selbst und unser Fest sei.

Der allerschönste Moment für mich war, als DeHasen mir den Ring an den Finger steckte. Ich musste so weinen in diesem Augenblick. Denn ich war so DSC04781erleichtert…mit einem Mal war ich eine Ehefrau, wir eine richtige Familie – sogar auf dem Papier – das Leben als alleinerziehende, sorgenbeladene, depressive Mutter ist endgültig vorbei.

Natürlich, ich weiß: Die Depression wird mich weiter begleiten, ein Leben lang. Aber es ist so unendlich leichter, wenn da jemand ist, der das mitträgt, wenn da etwas ist, das mich mitträgt: absolutes Vertrauen, eine Familie und eine große innige Liebe.

Nun sind wir zwei Tage verheiratet, sitzen im sonnigen Garten unserer Bloghütte, haben Besuch aus aller Welt – und noch immer ist es wunderbar. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe.

“Ach, Schatz”, sagt DeHasen gerade und verdrückt eine Träne, “wir haben so ein schönes Leben”.

Ja, das haben wir.

Passt auf Euch auf!


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Du bist da, um…

… Tja. Warum bin ich eigentlich da? Bei all dem Mist, der mir im Leben begegnet, all den Kämpfen, all den Hoffnungslosigkeiten – warum bin ich dann noch da? Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.16

Der Mausebär und ich haben einen Lieblingsfilm. Den haben wir schon so oft geschaut, dass wir ihn mitsprechen können.

Und dennoch: Jedesmal, wenn wir ihn wieder sehen, bezaubert und fasziniert er uns gleichermaßen. Denn er hat Antworten auf Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.27Fragen, die wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Nehmt Euch Zeit und schaut ihn in Ruhe an. Ihr findet ihn hier.

Und noch etwas möchte ich Euch sagen: Ich schreibe in der letzten Zeit nicht. Wie Ihr wisst, steht uns in zwei Wochen ein großes Fest in die Bloghütte. Mir gehen tausend Gedanken im Kopf herum, und ich formuliere tausend Geschichten. Allein die Zeit fehlt mir, alles aufzuschreiben. Und Zeit braucht es, Geschichten auf Papier – oder in die Tastatur – fließen zu lassen.

Aber glaubt mir, ich bin jeden Tag bei Euch. Nicht nur, weil mir ständig Dinge begegnen, die ich Euch Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.47.21am liebsten mitteilen würde. Sondern auch, weil Euch Dinge begegnen, die Euch beschäftigen, worüber ich mir wiederum Gedanken mache.

Ich bin mit Euch connected, die ganze Zeit, überall.

Passt auf Euch auf.


Film: Die große Frage. Copyright WDR 2014

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Höhlenfrieden

Ihr habt sicher gemerkt, dass ich in den vergangenen Wochen ein wenig sprachlos geworden bin. Ja, auch ein Depressionsprofi verrennt sich immer mal wieder Richtung Finsterwald und hält sich nicht an seine eigenen Vorsätze *seufz*

Ich will Euch hier auch gar nicht groß zutexten, mich einfach kurz melden und damit bis nach Weihnachten abmelden. Die letzten Wochen waren vollgepackt bis zur letzten Sekunde, keine Zeit zum Durchschnaufen, keine Gelegenheit zum Erden. Wenn dann auch noch Dinge passieren, die nun mal passieren – Waschmaschine streikt, Vater im Krankenhaus, Kind hat zig Weihnachtsveranstaltungen – macht jemand, der eh nur auf Notakku läuft, eben schlapp. Dann ist es höchste Zeit, sich in seine Winterhöhle zurückzuziehen, weil jede Mail, jeder Anruf, ja selbst jedes Wort, das man irgendwo im Netz liest, zu viel ist und einen körperlich sticht, so sehr, dass man würgen muss und denkt, die nächste Magen-Darm-Grippe ist im Anmarsch.

Euch möchte ich mitgeben, weil Ihr ja vielleicht auch über Weihnachten besonders gefragt seid (die liebe Familie und so): Macht Euer Ding. Was zuviel ist, ist zuviel, und wenn Euch nicht danach ist, Friedefreudeeierkuchen im trautem Heim zu feiern, klinkt Euch aus. Ihr braucht keinen superduper Christbaum, nicht den 50. selbstgenähten Loopschal für Eure Kollegen, kein Festtagsmenü mit 12 Stunden Küchenhaft, nicht das 20. Selfie von Euch auf Facebook, und der liebe Gott wird es Euch auch nachsehen, wenn Ihr diesmal nicht in der Christmette vorbeischaut (sonst geht Ihr ja auch nie in die Kirche, oder?;-))
Eure Lieben werden das schon verschmerzen.
Und wenn Ihr alleine seid und deswegen traurig, schafft Euch Eure eigene Höhle. Das ist völlig in Ordnung. Ihr seid keinem etwas schuldig und müsst keinerlei Rechenschaft ablegen. Schaut nach Euch, denn:

Schöne Seele braucht reine Höhle.

Ich drück Euch und wünsch Euch einen friedlichen Winterschlaf!


Headerbild: pixelio/wandersmann

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Betrogen und belogen

Ich HASSE moderne Kinderlieder. Ganz besonders, wenn sie von Rolf Zuckowski sind. Dieser singende erhobene Zeigefinger geht mir mächtig auf den Zeiger. Aber wenn es den Mausebären glücklich und vor allem still macht, ertrage ich ihn. Wie letzte Woche auf der Heimfahrt vom Stall.

Doch dann erwischt er mich. Ihr wisst schon. Wenn der Text Euch auf einmal einfängt, Eure Ohren hängenbleiben, Ihr ins Lied*  eintaucht und denkt: Singt der von mir?

Du sagst, du kannst nicht singen?
Gelogen! Gelogen!
Du hast vor allen Dingen Dich selber betrogen.

Während der Mausebär hinter mir auf den billigen Plätzen weiterträllert, kommen mir die Tränen. Ich bin gerührt. Betroffen. Getroffen. Warum?

Es gab eine Zeit, da konnte ich singen. Ich habe gesungen, bis sich die Balken bogen. Jede freie Minute. Zuhause zur Gitarre. Draußen im Chor. In der Band. Im Kammerensemble. Zu IMG_1113Ausstellungseröffnungen und Hochzeiten. Am allerschönsten war „Dream of Gerontius“ von Elgar mit hundert anderen Sängern und Orchester in einer mittelalterlichen Kirche. Als der letzte Ton verklungen war, läuteten die Glocken. Und schwiegen dann wieder. Ich auch.

Es kamen Leute, die sangen besser. Vielleicht sangen sie auch nicht besser. Aber meine Eltern fanden das wohl. Es gab den Morgen nach einem Konzert, an dem ich lobheischend und stolzgeschwellt in die Küche kam und allen alles erzählen wollte. Von meinem Triumph. Wir hatten „Hard to say I’m sorry“ zweistimmig interpretiert. Unplugged. Nur zur Gitarre. Wir waren die Stars des Abends! Allein, es kam nicht dazu. Mit dem Satz „Hattest Du gestern nichts anderes anzuziehen als die alten schwarzen Hosen?!“ war der Zauber verflogen und ich verstummt. Wieder mal.

So erging es all meinen Talenten. Ich konnte malen wie ein Meister. Ich konnte tanzen wie ein Derwisch. Ich koIMG_1110nnte reiten wie der Blitz. Aber es interessierte niemanden. Und wenn, dann nur, wenn ich vermutlich etwas falsch dabei machte. Ich wurde unsicher, ich strauchelte, ich zitterte, ich stellte mich und meine Talente in Frage und gab immer häufiger auf. Und immer früher. Saß ich zuvor stundenlang versunken an einem Bild, kritzelte ich jetzt schnell was dahin, nur um bestätigt zu sein, dass es Scheiße war. Alle anderen Mädchen wurden Ballettelfen und brillierten auf Reitturnieren.

Ich zog mich in mein Kämmerlein zurück und vergaß. Immer mal wieder dachte ich: Ach, Du konntest doch mal so gut… Und probierte es. Aber es kam nichts Gutes dabei heraus.

Bis, ja bis ich im September meine Auszeit antrat und Zeit hatte. So viel Zeit. Beim Stöbern im Internet fand ich durch Zufall Stoff. Also, den zum Nähen. Ich war fasziniert. Diese Farben! Diese Muster! Ich recherchierte und recherchierte, und bald landete der erste Ballen in unserer Bloghütte. Dieser Anblick! Dieses GeIMG_1112fühl! Schon lange nicht mehr hatte ich etwas in der Hand gehabt, was so weich, so fließend, so voller Qualität war.

Ich fieberte meinem Geburtstag entgegen. Die Familie hatte zusammengelegt, und am Morgen des 22. Oktobers hatten DeHasen und mein Mausebär sie liebevoll auf dem Gabentisch drapiert: meine neue Nähmaschine!

Ich blätterte einmal quer durch die Gebrauchsanweisung und legte los.

Halt.

Ich legte eben nicht einfach mal so los. Ich nahm mir Zeit. Zeit, die Gebrauchsanweisung von vorne bis hinten durchzulesen. Zeit, die einzelnen Striche eines Schnittmusters abzupausen und jede einzelne Linie behutsam mit dem Bleistift nachzufahren. Zeit, den Fadenlauf des Stoffes zu ertasten, um den Zuschnitt genau danach auszurichten. Zeit, alle nötigen Stücke sorgfältig und genau auszuschneiden. Zeit, zusammenzunähen, was zusammengehörte. Und Zeit, alles wieder aufzutrennen, weil es falsch war.

Ich staunte: Das machte mich weder wütend, noch aggressiv, noch gab ich auf! Mit einer Engelsgeduld und meinem verpflasterten Daumen (hatte dummerweise drübergenähtIMG_1117) in der viel zu kleinen Schere löste ich den Faden vom Stoff, wohlbedacht, dem wertvollen Stück nicht zu schaden. Ich spürte, wie mich das entspannte. Diese Arbeit mit den Händen, diese langsame Behutsamkeit, diese Liebe zum Detail. Ich fand meine Ruhe wieder. Meine Geduld. Meine Freude. Und meinen Glauben, dass alles, was ich da fabrizierte, gut werden würde.

Und es wurde gut. Ich nähte ein um das andere Kleidungsstück. Und jedes einzelne ist zauberhaft. Noch immer kann ich es nicht fassen, wenn ich den Fuß meiner Nähmaschine hebe und den Stoff herausnehme. Dass der so gerade vernäht ist, dass jedes Teil zum andern passt. Dass daraus Dinge entstehen, die einfach nur … schön sind.

Nach jeder einzelnen Naht renne ich zu DeHasen, hüpfte vor ihm auf und ab wie ein Kind vorm Weihnachtsmann und schreie: „Schau! Da! Die Naht! Ganz gerade! Hier! Sieh! Mein erstes Bündchen! Guck! Da! Der perfekte Ärmel!“

Seit ich das entdeckt habe, sprudle ich über. Ich kann mich kaum halten vor neuen Ideen, neuen Stoffen. Ich bin süchtig danach. Es istIMG_1121 mein Antidepressivum: Sew your Song! ** Unsere Bloghütte quillt über – vor Nähzeug, vor neuen Stücken, vor Freude, vor Energie. Leute kommen und sagen: „Boah, ist das toll, was Du machst! Kannst Du mir auch so was nähen?“

Das macht mich stolz. Auf mich und auf etwas, was langelangelange ganz tief in mir verbuddelt war. Ein bisschen wie das Schreiben. Und definitiv ein Talent – mein Talent!

Du sagst, Du kannst nicht singen?
Gelogen! Gelogen!
Schon bald sind Deine Zweifel
verflogen, verflogen.
In Zukunft sing und denk nicht dran,
ob jemand schöner singen kann.
Denn keiner singt genau wie DU.
Drum hören wir DIR gerne zu!


* Hier könnt Ihr das Lied ab Minute 6:25 anhören. Aber auch das erste Lied in diesem Video passt an dieser Stelle perfekt. Aufgenommen wurde übrigens in Mainz ;-)

** Praxistipp: Ihr seid genervt, weil Euch nie was gelingt? Ihr werdet aggressiv, wenn Ihr etwas tut, was schnellstmöglich fertig sein soll und danach total doof aussieht? Schnappt Euch ein Blatt Butterbrotpapier und irgendein Bild. Legt das Butterbrotpapier auf die Zeichnung. Paust sie durch. Mit dem Bleistift. Gaaanz langsam. Gaaanz behutsam. Dann nehmt eine Schere und schneidet entlang der gepausten Linien das Bild aus. Gaaanz langsam. Gaaanz behutsam. Atmen nicht vergessen! Lasst Euch Zeit. Und wenn Ihr fertig seid, hebt Euer Werk hoch und begutachtet es gebührend. Ihr könnt stolz auf Euch sein!

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Ooops, I did it again!

Hallooo? Was hast’n Du da bei Deinem Facebook-Account gemacht? Den Arbeitgeber aktualisiert? Du fängst wieder einen Job an? Bei einer Agentur?! Willst Du uns VERÄPPELN?!?

Ähm. Nein. Die ham da nur PCs.

Spässle gemacht (der hat länger gedauert, gell? ;-)).

Ja. Richtig. Am Montag starte ich meinen neuen Job. Bei einer Agentur. Als Pressetante. Warum das trotzdem kein Widerspruch in sich ist, erzähle ich Euch hier.

Mitte Oktober. Mein Telefon klingelt. Das ist an sich nichts ungewöhnliches so zwischendurch. Aber diesmal zeigt das Display eine Frankfurter Vorwahl. Oh, no. Business calling. Kurz darauf Entwarnung: ist nur meine alte, liebe Kollegin, mit der ich lange zusammengearbeitet hatte. Beim Bauriesen, der sich von einem Ex-Ministerpräsidenten an die Wand fahren ließ, welcher dann als Ex-Vorstandsvorsitzende das sinkende Schiff verließ. Haha. Aber das ist eine andere Geschichte und soll…

„Na“, fragt meine alte Kollegin. „Wie gehIMG_1104t’s Dir denn so?“ – „Perfekt!“, strahle ich. „So viel Zeit, so viele Ideen, so viel Kreativität auf einmal! Endlich trage ich die Stiefel, die mir passen! Ich schreibe, ich nähe, ich reite, ich unterrichte, ich….“
„Du“, unterbricht sie meinen Flow. „Die Frau X. sucht dringend jemanden für ihre Agentur. Hast Du nicht Lust?“

Wunder. Widerstand. Würgereiz.

„Ähm. Ne, Du, eigentlich ist alles gut so grade wie es ist.“
„Ach, meld’ Dich doch mal da, ist doch ’ne ganz Nette!“

Ja, ich weiß. Witzigerweise kenne ich Frau X. seit rund 15 Jahren. Erst liefen wir uns ständig im ZDF übern Weg und dann bei besagtem Bauriesen. Also gut. Ich will nicht unhöflich sein und schicke Frau X. eine Mail. Die hat sich gewaschen. Sie verlinkt in der ersten Zeile sofort auf meinen Blog und bringt deutlichst zum Ausdruck worauf ich so gar keinen Bock habe. Wollen wir doch mal sehen!

Die Antwort kommt stanteIMG_1105 pede und lässt mich die Augen reiben: „Cool“, schreibt Frau X., „wann kommen Sie vorbei?“

Okay. Die krieg’ ich noch! Wir verabreden uns auf einen Kaffee. Auch noch dort, wo mich mein letzter Flashback hinführte: in Mainz. Am Morgen schlüpfe ich in meine zerrissenen Jeans, meine Biker-Boots, verhänge mich mit einem Palästinensertuch und komme mir vor wie Günter Wallraff undercover. Wenn DAS niemanden abschreckt!

Auf der Fahrt in die altbekannte City die erste Überraschung: Es tut ja gar nicht mehr weh? Ich stelle mein Auto auf den Kupferbergterrassen ab und trete aus dem Parkhaus. Die Stadt liegt mir zu Füßen. Jeder einzelne Weg, den ich vor Jahren beschritten habe. Mich übermannt Zärtlichkeit (na, heute schon Euren Gefühlen nachgespürt?). Moi goldisch Meenz.

Da ist die Agentur. Da ist der KlinIMG_1106gelknopf.
Die Tür öffnet sich. Heraus schaut eine junge Frau. Sie trägt: zerrissene Jeans, Biker-Boots und ein Karohemd.

Ich trete ein und werde umfangen von Wärme und Herzlichkeit. Ein Lachen liegt in der Luft – und Kaffeeduft. Frau X. bittet mich auf die Couch, ganz ohne Psychospielchen, und wir reden. Und reden. Und reden. Was sie so macht, was ich so mache, was ich garantiert nie wieder machen werde. Über spannende Projekte und meine Aufgabe – zu schreiben, über die Geschichte hinter der Geschichte (Gruß an Großmeister Guido*). Wegen Personalnotstands braucht sie dringend jemanden, der das übernimmt.

„Warum“, frage ich, „nehmen Sie keinen von den vielen freien Journalisten, die da draußen rumlaufen?“
„Weil“, antwortet sie, „keiner so gut schreiben kann.“

Ich schlucke. Und sage dann: „IMG_1107Na gut. Aber nur 15 Stunden die Woche. Flexible Einteilung. Homeoffice. Keine Events. Keine Hosenanzüge. Keine Meetings. Und Schreiben frei Schnauze.“
Sie schluckt. Und sagt dann: „Einverstanden.“

Der Kreis schließt sich. Nach Jahren habe ich wieder meinen Beruf gefunden. Meine Berufung. Und bleibe mir dabei selbst treu. Keine Kompromisse. Keine Baustellen. Und genug Zeit, trotz eines Jobs weiterhin all das zu pflegen, was ich gerade entdeckt habe und nie wieder aufgeben möchte: Meine Familie. Meine Trainerausbildung. Meine Nähleidenschaft („Boah, Mama, sind die Kleider UNCOOL!“). Meinen Blog. Und mein Leben.

Bonjour, ma vie!

An dieser Stelle liebe Grüße an meinen Prof, der in der letzten Sitzung augenbrauenzuckend den roten Faden in meinem gegenwärtigen Leben anmahnte. Voilà, Monsieur. Hier ist er.

Danke, DeHasen, dass Du mir das alles ermöglichst. Dass Du mir die Freiheit gibst, mich selbst zu finden, die so viel Energien in mir freisetzt. Danke für Deine Weisheit, Deine Fürsorge und für Deine Liebe.

*Guido Knopp, eheamilger Chef der Redaktion Zeitgeschichte im  ZDF, der in seiner Sendung “History” immer die Geschichte hinter der Geschichte suchte.

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Nur so’n Gefühl

Alles supi. Oder alles scheiße. Was anderes kenne ich nicht. Jedes Mal, wenn mein Prof mich sieht, fragt er zuerst, wie es mir geht. Und meine Antwort lautet top. Oder hopp. Ich kann es einfach nicht – sagen, wie ich mich fühle. Als Wortjongleur kenne ich natürlich hunderte Begriffe. Doch was meinen sie? Und wen?

Gerade läuft ein neues Forschungsprojekt am ZI. Erstes Ergebnis: Depressive können ihren Gemütszustand nicht in Worte fassen. Ach. Wenn ich an meine tiefsten Tiefs denke, war da nix, vor allem keine Gefühle. Null. Nothing. Niente. Wie das schwarze Nichts aus Michaels Ende unendlicher Geschichte. Und selbst, wenn es mir gut geht, sagen mir all die tollen Termini kaum etwas. Ich muss lange überlegen, bis ich mir ungefähr vorstellen kann, was sie bedeuten.

Aber mal ehrlich. Wer von Euch kann, egal ob depressiv oder nicht, genau sagen, wie es ihm gerade geht? Na, eben.

„Sobald sich Gefühle in festen Begriffen ausdrücken lassen, hat ihre Stunde geschlagen.“*

Deswegen für Euch und für mich die Übung der Woche. Unten seht Ihr eine Liste mit Gefühlen, positive, negative, nicht immer eindeutige. Schaut mindestens einmal am Tag drauf und spürt nach, was gerade in Euch ist. Nur so ein Gefühl. Auch, wenn es Euch unheimlich ist. Auch, wenn es Euch ärgert. Auch, wenn Ihr es am liebsten verschweigen würdet. Und vor allem tut es, wenn Euch mal wieder jemand fragt, wie es Euch so geht. Ich fühle mit Euch!

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* Paul Valéry (1871-1945, franz. Lyriker und Philosoph)

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Wir Waschweiber…

…würden weiße Wäsche waschen – und zwar sehr gerne nur eben diese, denn dann wären wir nach zwei Maschinen durch!

Wir sind wieder zuhause. Und während De Hasen in seinem Büro 8669436 Mails abarbeitet, der Mausebär wieder die Kita aufmischt und ich an meinem neuen Projekt und den alten Bandscheiben feile, schleudere ich mit Wäschekörben um mich. Aus diesem Grund gibt es noch keinen neuen, wirklich tiefgründigen Beitrag hier in der
Bloghütte – außer der Erkenntnis, dass rosa Stoffballerinas NICHT in die helle Kochwäsche gehören *räusper*

NiniIch bin froh, wieder zuhause zu sein und mich um meinen – sprichwörtlich – eigenen Dreck kümmern zu können! In der Zwischenzeit habe ich viele Nachrichten und Briefe von Euch erhalten. Ich freue mich über jedes einzelne Wort, weil es mir zeigt, dass mein Blog einen Sinn macht. Bei vielem, was Ihr schreibt, muss ich schlucken, ich fühle mit Euch…

…mit dem Mädchen, das sich ritzt, weil es die Welt nicht mehr erträgt.
…mit der jungen Frau, die nur noch schwarz sieht und deren Freund sich deswegen große Sorgen macht.
…mit der Mittvierzigerin, die wie ich gegen eine soziale Phobie kämpft und trotzdem jeden Tag tapfer ins Büro geht.
…mit der älteren Dame, deren Mann sich in die Alkoholsucht geflüchtet hatte, weil er nicht der war, der er sein sollte.

Euch allen danke ich für Euer Vertrauen! Ich habe Euch versprochen, ich schreibe Euch dazu und mache Euer Thema – natürlich anonym – zu meinem Thema, um Euch und anderen zu helfen. Ich bin weiß Gott kein Therapeut, aber durch meine Krankheits-Karriere kenne ich die eine oder andere Person oder Information, die Euch vielleicht wieder ein Stück weiterbringt auf Eurem Weg ins Leben zurück.

Gleich morgen geht es los…wenn ich den rosa Farbstich wieder aus der weißen Wäsche gewienert habe.

Header: Jean Siméon Chardin, Die Wäscherin (um 1735, Rechte gemeinfrei)

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Urlaub-Titel

Ferien im Finsterwald

Wir sind im Paradies.  Während der Rest von Deutschland im Regentief versinkt, strahlt über uns ein Sonnenhoch. Das Frühstück war opulent, wie alle anderen Mahlzeiten hier – es fehlt an nichts. Der Mausebär ist heute Morgen herzig heiter in die Spielgruppe gehüpft, wir werden ihn den ganzen Tag nicht zu Gesicht Urlaub-Schildbekommen. De Hasen hat mich ausschlafen lassen, ein komplett freier Tag liegt vor mir. Unser Balkon bietet eine Traumaussicht – Pferdekoppel, Meer, Vogelzwitschern, Himmel. Wir sind im Paradies. Aber für mich ist es die Hölle.

3.50 Uhr morgens. Wach. Nicht der fehlende Schlaf ist schlimm. Sondern die Panik, die sich anschleicht. Gestern war es 4.15 Uhr. Ich weiß: Wenn sich die Drei nähert, ist die Depression da. Angst. Ohrensausen. Herzklopfen. Du schaffst den nächsten Tag nicht, wie willst Du das durchstehen, wenn Du nicht ausgeschlafen bist? Absurd. Du bist im Urlaub!

Ja. Ich bin im Urlaub. Und Urlaub ist für Depressive ein Finsterwald. Die Gesunden bleiben außen vor und wiegen verwundert die Köpfe. Sie sehen nicht und verstehen nicht. Wollt Ihr es versuchen? Dann folgt mir auf die Pfade ins Dickicht…

Auf der Flucht

Wir laufen einen Marathon. Er führt übern Stress. Für Euch ist es der gewöhnliche Ich-muss-noch-876-Dinge-einpacken-und-haben-wir-auch-nichts-vergessen-Weg. Aber mein Hirnstoffwechsel hinkt. Und mit ihm die Stress-Regulation. Mein Körper schüttet Cortisol aus. Ich bin bereit zur Flucht. Oder zum Kampf. Ich kann mich nicht entscheiden und verharre, gefangen in Spannung. Während alles seinen Platz im Wagen findet, zieht sich das Cortisol langsam wieder zurück. Normalerweise. Leider nicht in mir. Bei Depressiven schwärmt Cortisol aus, beißt sich fest, bleibt kleben. Es bizzelt in den Gliedern und stellt uns unter Dauerstrom. Ständig auf dem Sprung, Panik im Nacken. Das Cortisol legt unser Immunsystem lahm und entzündet sich an der Haut: Akne mit fast 40 und chronische Sinusitis. Langwierig und kräftezehrend ist es, sich vom Cortisol wieder reinzuwaschen. Mitunter dauert es Wochen, Monate, Jahre.

Rückschläge lauern dabei an jeder Ecke, getarnt als schlechtes Gewissen. Weil man das Schöne nicht genießen kann. Weil man das Teure nicht schätzen kann. Weil man dem Partner nicht anstrahlen kann. Weil man nicht wie jeder gottverdammt andere normale Mensch auch einfach seiUrlaub-Mannshandne Familie umarmen und sich am Paradies freuen kann!

Versumpft

Gleich neben der Stressstrecke wartet der Sumpf des Versagens. Einen Tag – ausgerechnet! – bevor wir in Urlaub fahren, kontaktiert mich ein Headhunter. Hat auf Xing mein Profil entdeckt. Den Link zu meinem Blog hat er großzügig überlesen. Er bietet mir einen Bombenjob bei BASF an. Vollzeit. Für ganz Europa. Pressesprecherin. Einige sagen: Wow! Jackpot! Ich frage mich, ob irgendjemand überhaupt zuhört, wenn ich was sage, liest, was ich schreibe. Unverständnis. Dass ich ablehne. Meine Entscheidung schwankt. Wie kannst Du nur? Du kannst doch nicht! Ja, ich kann nicht. Weil kein normaler Mensch, der ein Kind erzieht und Familie hat, dieses Pensum schaffen würde, sagt mein Prof. Ich glaube ihm nicht. Ich bin ein Versager. Wie immer schon. Sackgasse.

Schlammschlacht

Die Feindesfurcht bleibt. Alles wird zur Bedrohung am Urlaubsort: die neue Umgebung, das fremde Bett, die unbekannten Menschen im Speisesaal, die anderen Mütter in der Kinderbetreuung. Allein ein Geräusch kann Panik auslösen. Ein Lachen von der Wiese, weil ich fürchte, wegen zu großen Lärms nachts nicht schlafen zu können. Fortsetzung folgt. Alle Eindrücke strömen ungefiltert und dreifach so laut auf mich ein, und ich kann mich nirgendwo verkriechen. Trigger heißt das, wenn unser Körper instinktiv auf einen Reiz reagiert, der die Abwärtsspirale antreibt. Bei Depressiven kann alles zum Trigger werden. Der Blick in den Spiegel, die Stimme am Nebentisch, der Anblick eines Schwimmbads. Wecken unschöne Begebenheiten der Vergangenheit und reizen uns bis aufs Blut. Bis die trübe Brühe über uns zusammenschwappt. Wir sind ihr ausgeliefert, macht- und hilflos.

Auf dem Grund kauert die soziale Phobie im Schlamm und freut sich. Sie weiß, wir sind wertlos. Weil wir von Kindheit an nichts anderes erfahren haben. Weil wir im Alter vielfach bestätigt wurden. Unsere Partner sind hilflos. „Ich liebe Dich, weil Du es selbst nici fell in love with youht kannst“, sagt De Hasen oft. Ich versuche, es zu
glauben.

Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg, wenn ich auf andere Menschen treffe. Sie treffen muss. Jede Sekunde tastet mein Hirn ab, was der Gegenüber von mir denkt, wie hässlich, albern oder skurril er mich wohl findet. Meine Gedanken schreiben eine Hintergrundmollmusik, deren Text einen Sprung hat: „Du bist zu fett. Du hast Pickel. Deine Nase ist krumm. Deine Klamotten schäbig. Deine Haltung schief. Deine Sprache lächerlich. Vergiss es. An die andern reichst Du eh nie ran.“ Der Aufenthalt unter meinesgleichen wird zum Horrorfilm, Smalltalk eine Farce. Egal, ob im Job oder unter Freunden, sogar in der Familie: Wir bestehen nur, weil wir uns mit übernatürlicher Kraft in eine Rolle pressen, von der wir denken, dass andere sie erwarten. Damit wir normal erscheinen.

Stellt Euch das vor. Und Ihr wisst, wie viel unglaubliche Energie mich mein Beruf als Pressesprecherin gekostet hat. Die zwei neuen Arbeitsstellen binnen zweier Jahre, die Vorstellungsgespräche, diese pseudo-psychologischen Spielchen und Prüfungen. Die Öffentlichkeit, die Veranstaltungen, die Meetings. Mehr, als ein Mensch tragen kann.

Im Dunkel-Dickicht

Undurchdringlich ist der Dschungel. Dort hält sich das Dopamin versteckt. Es weiß, es soll die Menschen erhellen. Ein Wegweiser auf verschlungenem Pfad zwischen Relevanz und Irrelevanz. Wo kein Dopamin, da keine Hoffnungsstreif. Was bleibt dem Depressiven, dem es an Dopamin mangelt, als sich auf Irrlichter zu verlassen, die ihm mit Liebe den Weg in den Abgrund weisen. Simple Sinneseindrücke zur grotesken  Grausamkeit ausstrahlen. Vor allem nachts.

Kennt Ihr den Film Zeit des Erwachsens“ mit Robin Williams und Robert de Niro? Schaut ihn Euch an. Und Ihr wisst, wie es Menschen im Dopamin-Dschungel geht.Urlaub-Quallen

Stau der Glückseligkeit

Der Fluss im Hirn ist unterbrochen. Die Depression hat Serotonin-Dämme errichtet. Es staut sich und kommt nicht weiter und signalisiert dem Körper, dass er zu viel davon hat. Das Glückshormon ebbt ab, versiegt. Das ist fatal. Denn der Neurotransmitter macht nicht nur „glücklich“, er beeinflusst unser komplettes Leben. Steuert unsere Wahrnehmung, unseren Schlaf, regelt unsere Temperatur, Schmerzempfinden und Schmerzverarbeitung. Macht uns Appetit und Lust auf Sex. Bringt Herz-Kreislaufsystem, Verdauung und Blutgerinnung in Schwung.

Wenn Ihr depressiv seid, versiegt dieser Strom der Glückseligkeit. Euch zermürben  Gelenk- und Rückenschmerzen vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Es gibt keinen Tag, an dem Ihr frisch und ausgeschlafen und voller Lust aufspringt. Am Morgen schon seid Ihr am Ende. Ihr schleppt Euch hundemüde durch die Stunden, findet keinen Schlaf. Im Sommer erfriert, im Winter verglüht Ihr. Erleidet Fressanfälle und Magerwahn, Herzrasen, Kreislaufkollapse, Durchfälle und blaue Flecken am ganzen Körper. Ihr vegetiert dahin, bis Ihr nur noch ein Schatten Eurer selbst seid. Völlig entnervt, völlig entkräftet. Und doch – niemand darf es merken! Und es bemerkt auch niemand. Ihr seid Meister der Gesichter, das Rollenspiel Eure höchste Kunst. Jede verdammte Minute.

Willkommen im Finsterwald! Die Dornen schließen sich hinter Euch wie im Märchen die Hecke. Die Hölle, das sind nicht nur die anderen. Die Hölle, das sind wir selbst.

Wa(h)re Wegweiser

Wer weist Euch jetzt den Weg zurück? Und welchen wollt Ihr wählen? Laut einer Studie schaffen es nur sechs Prozent aller Depressiven zurück ans Licht. Ist das ein Wunder? Ja. Der Rest kämpft ein Leben lang. Oder ergibt sich der Dunkelheit. Ist das ein Wunder? Nein.

Urlaub-WegweiserEs fehlt an Wegweisern. An Lotsen. Und an guten Feen. Wer sich alleine auf den Weg macht, scheitert. Wer die falsche Begleitung wählt, irrt. Wer zaubern kann, sehr viel Glück hat oder den Weg nicht zum ersten Mal antritt, wird es vielleicht schaffen. Doch jedes Mal bleibt ein Teil seines Muts, seines Willens auf der Strecke.
Seit 20 Jahren bin ich auf der Reise. In den dunkelsten Finsterwald und zurück ans Licht. Mittlerweile kenne ich fast alle Wege im Schlaf. Und alle Irrlichter beim Namen. Ich habe mich durchgeschlagen, verletzt, überlebt. Gnade mir, wenn ich vergesse, was ich dabei lernen musste. Wenn ich eine Sekunde meine Gedanken freilasse. Der Wald verschlingt mich mit Haut und Haar. Ohne Wenn und Aber.

Gerade wuchert mein persönlicher Finsterwald auf einer kleinen Insel in der Ostsee. Wie gerne würde ich mir darin eine Höhle graben, mich mit Moos bedecken und für immer verschwinden. Damit die Reise ein Ende hat. Aber sie wird nicht zu Ende gehen. Also packe ich wieder mal meine Machete aus und kämpfe mich zurück. An die Ostsee. Zu meiner Familie. Zu mir selbst.

Ich bin schließlich im Urlaub.

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