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Du bist da, um…

… Tja. Warum bin ich eigentlich da? Bei all dem Mist, der mir im Leben begegnet, all den Kämpfen, all den Hoffnungslosigkeiten – warum bin ich dann noch da? Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.16

Der Mausebär und ich haben einen Lieblingsfilm. Den haben wir schon so oft geschaut, dass wir ihn mitsprechen können.

Und dennoch: Jedesmal, wenn wir ihn wieder sehen, bezaubert und fasziniert er uns gleichermaßen. Denn er hat Antworten auf Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.51.27Fragen, die wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Nehmt Euch Zeit und schaut ihn in Ruhe an. Ihr findet ihn hier.

Und noch etwas möchte ich Euch sagen: Ich schreibe in der letzten Zeit nicht. Wie Ihr wisst, steht uns in zwei Wochen ein großes Fest in die Bloghütte. Mir gehen tausend Gedanken im Kopf herum, und ich formuliere tausend Geschichten. Allein die Zeit fehlt mir, alles aufzuschreiben. Und Zeit braucht es, Geschichten auf Papier – oder in die Tastatur – fließen zu lassen.

Aber glaubt mir, ich bin jeden Tag bei Euch. Nicht nur, weil mir ständig Dinge begegnen, die ich Euch Bildschirmfoto 2015-04-25 um 08.47.21am liebsten mitteilen würde. Sondern auch, weil Euch Dinge begegnen, die Euch beschäftigen, worüber ich mir wiederum Gedanken mache.

Ich bin mit Euch connected, die ganze Zeit, überall.

Passt auf Euch auf.


Film: Die große Frage. Copyright WDR 2014

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Höhlenfrieden

Ihr habt sicher gemerkt, dass ich in den vergangenen Wochen ein wenig sprachlos geworden bin. Ja, auch ein Depressionsprofi verrennt sich immer mal wieder Richtung Finsterwald und hält sich nicht an seine eigenen Vorsätze *seufz*

Ich will Euch hier auch gar nicht groß zutexten, mich einfach kurz melden und damit bis nach Weihnachten abmelden. Die letzten Wochen waren vollgepackt bis zur letzten Sekunde, keine Zeit zum Durchschnaufen, keine Gelegenheit zum Erden. Wenn dann auch noch Dinge passieren, die nun mal passieren – Waschmaschine streikt, Vater im Krankenhaus, Kind hat zig Weihnachtsveranstaltungen – macht jemand, der eh nur auf Notakku läuft, eben schlapp. Dann ist es höchste Zeit, sich in seine Winterhöhle zurückzuziehen, weil jede Mail, jeder Anruf, ja selbst jedes Wort, das man irgendwo im Netz liest, zu viel ist und einen körperlich sticht, so sehr, dass man würgen muss und denkt, die nächste Magen-Darm-Grippe ist im Anmarsch.

Euch möchte ich mitgeben, weil Ihr ja vielleicht auch über Weihnachten besonders gefragt seid (die liebe Familie und so): Macht Euer Ding. Was zuviel ist, ist zuviel, und wenn Euch nicht danach ist, Friedefreudeeierkuchen im trautem Heim zu feiern, klinkt Euch aus. Ihr braucht keinen superduper Christbaum, nicht den 50. selbstgenähten Loopschal für Eure Kollegen, kein Festtagsmenü mit 12 Stunden Küchenhaft, nicht das 20. Selfie von Euch auf Facebook, und der liebe Gott wird es Euch auch nachsehen, wenn Ihr diesmal nicht in der Christmette vorbeischaut (sonst geht Ihr ja auch nie in die Kirche, oder?;-))
Eure Lieben werden das schon verschmerzen.
Und wenn Ihr alleine seid und deswegen traurig, schafft Euch Eure eigene Höhle. Das ist völlig in Ordnung. Ihr seid keinem etwas schuldig und müsst keinerlei Rechenschaft ablegen. Schaut nach Euch, denn:

Schöne Seele braucht reine Höhle.

Ich drück Euch und wünsch Euch einen friedlichen Winterschlaf!


Headerbild: pixelio/wandersmann

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Ooops, I did it again!

Hallooo? Was hast’n Du da bei Deinem Facebook-Account gemacht? Den Arbeitgeber aktualisiert? Du fängst wieder einen Job an? Bei einer Agentur?! Willst Du uns VERÄPPELN?!?

Ähm. Nein. Die ham da nur PCs.

Spässle gemacht (der hat länger gedauert, gell? ;-)).

Ja. Richtig. Am Montag starte ich meinen neuen Job. Bei einer Agentur. Als Pressetante. Warum das trotzdem kein Widerspruch in sich ist, erzähle ich Euch hier.

Mitte Oktober. Mein Telefon klingelt. Das ist an sich nichts ungewöhnliches so zwischendurch. Aber diesmal zeigt das Display eine Frankfurter Vorwahl. Oh, no. Business calling. Kurz darauf Entwarnung: ist nur meine alte, liebe Kollegin, mit der ich lange zusammengearbeitet hatte. Beim Bauriesen, der sich von einem Ex-Ministerpräsidenten an die Wand fahren ließ, welcher dann als Ex-Vorstandsvorsitzende das sinkende Schiff verließ. Haha. Aber das ist eine andere Geschichte und soll…

„Na“, fragt meine alte Kollegin. „Wie gehIMG_1104t’s Dir denn so?“ – „Perfekt!“, strahle ich. „So viel Zeit, so viele Ideen, so viel Kreativität auf einmal! Endlich trage ich die Stiefel, die mir passen! Ich schreibe, ich nähe, ich reite, ich unterrichte, ich….“
„Du“, unterbricht sie meinen Flow. „Die Frau X. sucht dringend jemanden für ihre Agentur. Hast Du nicht Lust?“

Wunder. Widerstand. Würgereiz.

„Ähm. Ne, Du, eigentlich ist alles gut so grade wie es ist.“
„Ach, meld’ Dich doch mal da, ist doch ’ne ganz Nette!“

Ja, ich weiß. Witzigerweise kenne ich Frau X. seit rund 15 Jahren. Erst liefen wir uns ständig im ZDF übern Weg und dann bei besagtem Bauriesen. Also gut. Ich will nicht unhöflich sein und schicke Frau X. eine Mail. Die hat sich gewaschen. Sie verlinkt in der ersten Zeile sofort auf meinen Blog und bringt deutlichst zum Ausdruck worauf ich so gar keinen Bock habe. Wollen wir doch mal sehen!

Die Antwort kommt stanteIMG_1105 pede und lässt mich die Augen reiben: „Cool“, schreibt Frau X., „wann kommen Sie vorbei?“

Okay. Die krieg’ ich noch! Wir verabreden uns auf einen Kaffee. Auch noch dort, wo mich mein letzter Flashback hinführte: in Mainz. Am Morgen schlüpfe ich in meine zerrissenen Jeans, meine Biker-Boots, verhänge mich mit einem Palästinensertuch und komme mir vor wie Günter Wallraff undercover. Wenn DAS niemanden abschreckt!

Auf der Fahrt in die altbekannte City die erste Überraschung: Es tut ja gar nicht mehr weh? Ich stelle mein Auto auf den Kupferbergterrassen ab und trete aus dem Parkhaus. Die Stadt liegt mir zu Füßen. Jeder einzelne Weg, den ich vor Jahren beschritten habe. Mich übermannt Zärtlichkeit (na, heute schon Euren Gefühlen nachgespürt?). Moi goldisch Meenz.

Da ist die Agentur. Da ist der KlinIMG_1106gelknopf.
Die Tür öffnet sich. Heraus schaut eine junge Frau. Sie trägt: zerrissene Jeans, Biker-Boots und ein Karohemd.

Ich trete ein und werde umfangen von Wärme und Herzlichkeit. Ein Lachen liegt in der Luft – und Kaffeeduft. Frau X. bittet mich auf die Couch, ganz ohne Psychospielchen, und wir reden. Und reden. Und reden. Was sie so macht, was ich so mache, was ich garantiert nie wieder machen werde. Über spannende Projekte und meine Aufgabe – zu schreiben, über die Geschichte hinter der Geschichte (Gruß an Großmeister Guido*). Wegen Personalnotstands braucht sie dringend jemanden, der das übernimmt.

„Warum“, frage ich, „nehmen Sie keinen von den vielen freien Journalisten, die da draußen rumlaufen?“
„Weil“, antwortet sie, „keiner so gut schreiben kann.“

Ich schlucke. Und sage dann: „IMG_1107Na gut. Aber nur 15 Stunden die Woche. Flexible Einteilung. Homeoffice. Keine Events. Keine Hosenanzüge. Keine Meetings. Und Schreiben frei Schnauze.“
Sie schluckt. Und sagt dann: „Einverstanden.“

Der Kreis schließt sich. Nach Jahren habe ich wieder meinen Beruf gefunden. Meine Berufung. Und bleibe mir dabei selbst treu. Keine Kompromisse. Keine Baustellen. Und genug Zeit, trotz eines Jobs weiterhin all das zu pflegen, was ich gerade entdeckt habe und nie wieder aufgeben möchte: Meine Familie. Meine Trainerausbildung. Meine Nähleidenschaft („Boah, Mama, sind die Kleider UNCOOL!“). Meinen Blog. Und mein Leben.

Bonjour, ma vie!

An dieser Stelle liebe Grüße an meinen Prof, der in der letzten Sitzung augenbrauenzuckend den roten Faden in meinem gegenwärtigen Leben anmahnte. Voilà, Monsieur. Hier ist er.

Danke, DeHasen, dass Du mir das alles ermöglichst. Dass Du mir die Freiheit gibst, mich selbst zu finden, die so viel Energien in mir freisetzt. Danke für Deine Weisheit, Deine Fürsorge und für Deine Liebe.

*Guido Knopp, eheamilger Chef der Redaktion Zeitgeschichte im  ZDF, der in seiner Sendung “History” immer die Geschichte hinter der Geschichte suchte.

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Wir Waschweiber…

…würden weiße Wäsche waschen – und zwar sehr gerne nur eben diese, denn dann wären wir nach zwei Maschinen durch!

Wir sind wieder zuhause. Und während De Hasen in seinem Büro 8669436 Mails abarbeitet, der Mausebär wieder die Kita aufmischt und ich an meinem neuen Projekt und den alten Bandscheiben feile, schleudere ich mit Wäschekörben um mich. Aus diesem Grund gibt es noch keinen neuen, wirklich tiefgründigen Beitrag hier in der
Bloghütte – außer der Erkenntnis, dass rosa Stoffballerinas NICHT in die helle Kochwäsche gehören *räusper*

NiniIch bin froh, wieder zuhause zu sein und mich um meinen – sprichwörtlich – eigenen Dreck kümmern zu können! In der Zwischenzeit habe ich viele Nachrichten und Briefe von Euch erhalten. Ich freue mich über jedes einzelne Wort, weil es mir zeigt, dass mein Blog einen Sinn macht. Bei vielem, was Ihr schreibt, muss ich schlucken, ich fühle mit Euch…

…mit dem Mädchen, das sich ritzt, weil es die Welt nicht mehr erträgt.
…mit der jungen Frau, die nur noch schwarz sieht und deren Freund sich deswegen große Sorgen macht.
…mit der Mittvierzigerin, die wie ich gegen eine soziale Phobie kämpft und trotzdem jeden Tag tapfer ins Büro geht.
…mit der älteren Dame, deren Mann sich in die Alkoholsucht geflüchtet hatte, weil er nicht der war, der er sein sollte.

Euch allen danke ich für Euer Vertrauen! Ich habe Euch versprochen, ich schreibe Euch dazu und mache Euer Thema – natürlich anonym – zu meinem Thema, um Euch und anderen zu helfen. Ich bin weiß Gott kein Therapeut, aber durch meine Krankheits-Karriere kenne ich die eine oder andere Person oder Information, die Euch vielleicht wieder ein Stück weiterbringt auf Eurem Weg ins Leben zurück.

Gleich morgen geht es los…wenn ich den rosa Farbstich wieder aus der weißen Wäsche gewienert habe.

Header: Jean Siméon Chardin, Die Wäscherin (um 1735, Rechte gemeinfrei)

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Urlaub-Titel

Ferien im Finsterwald

Wir sind im Paradies.  Während der Rest von Deutschland im Regentief versinkt, strahlt über uns ein Sonnenhoch. Das Frühstück war opulent, wie alle anderen Mahlzeiten hier – es fehlt an nichts. Der Mausebär ist heute Morgen herzig heiter in die Spielgruppe gehüpft, wir werden ihn den ganzen Tag nicht zu Gesicht Urlaub-Schildbekommen. De Hasen hat mich ausschlafen lassen, ein komplett freier Tag liegt vor mir. Unser Balkon bietet eine Traumaussicht – Pferdekoppel, Meer, Vogelzwitschern, Himmel. Wir sind im Paradies. Aber für mich ist es die Hölle.

3.50 Uhr morgens. Wach. Nicht der fehlende Schlaf ist schlimm. Sondern die Panik, die sich anschleicht. Gestern war es 4.15 Uhr. Ich weiß: Wenn sich die Drei nähert, ist die Depression da. Angst. Ohrensausen. Herzklopfen. Du schaffst den nächsten Tag nicht, wie willst Du das durchstehen, wenn Du nicht ausgeschlafen bist? Absurd. Du bist im Urlaub!

Ja. Ich bin im Urlaub. Und Urlaub ist für Depressive ein Finsterwald. Die Gesunden bleiben außen vor und wiegen verwundert die Köpfe. Sie sehen nicht und verstehen nicht. Wollt Ihr es versuchen? Dann folgt mir auf die Pfade ins Dickicht…

Auf der Flucht

Wir laufen einen Marathon. Er führt übern Stress. Für Euch ist es der gewöhnliche Ich-muss-noch-876-Dinge-einpacken-und-haben-wir-auch-nichts-vergessen-Weg. Aber mein Hirnstoffwechsel hinkt. Und mit ihm die Stress-Regulation. Mein Körper schüttet Cortisol aus. Ich bin bereit zur Flucht. Oder zum Kampf. Ich kann mich nicht entscheiden und verharre, gefangen in Spannung. Während alles seinen Platz im Wagen findet, zieht sich das Cortisol langsam wieder zurück. Normalerweise. Leider nicht in mir. Bei Depressiven schwärmt Cortisol aus, beißt sich fest, bleibt kleben. Es bizzelt in den Gliedern und stellt uns unter Dauerstrom. Ständig auf dem Sprung, Panik im Nacken. Das Cortisol legt unser Immunsystem lahm und entzündet sich an der Haut: Akne mit fast 40 und chronische Sinusitis. Langwierig und kräftezehrend ist es, sich vom Cortisol wieder reinzuwaschen. Mitunter dauert es Wochen, Monate, Jahre.

Rückschläge lauern dabei an jeder Ecke, getarnt als schlechtes Gewissen. Weil man das Schöne nicht genießen kann. Weil man das Teure nicht schätzen kann. Weil man dem Partner nicht anstrahlen kann. Weil man nicht wie jeder gottverdammt andere normale Mensch auch einfach seiUrlaub-Mannshandne Familie umarmen und sich am Paradies freuen kann!

Versumpft

Gleich neben der Stressstrecke wartet der Sumpf des Versagens. Einen Tag – ausgerechnet! – bevor wir in Urlaub fahren, kontaktiert mich ein Headhunter. Hat auf Xing mein Profil entdeckt. Den Link zu meinem Blog hat er großzügig überlesen. Er bietet mir einen Bombenjob bei BASF an. Vollzeit. Für ganz Europa. Pressesprecherin. Einige sagen: Wow! Jackpot! Ich frage mich, ob irgendjemand überhaupt zuhört, wenn ich was sage, liest, was ich schreibe. Unverständnis. Dass ich ablehne. Meine Entscheidung schwankt. Wie kannst Du nur? Du kannst doch nicht! Ja, ich kann nicht. Weil kein normaler Mensch, der ein Kind erzieht und Familie hat, dieses Pensum schaffen würde, sagt mein Prof. Ich glaube ihm nicht. Ich bin ein Versager. Wie immer schon. Sackgasse.

Schlammschlacht

Die Feindesfurcht bleibt. Alles wird zur Bedrohung am Urlaubsort: die neue Umgebung, das fremde Bett, die unbekannten Menschen im Speisesaal, die anderen Mütter in der Kinderbetreuung. Allein ein Geräusch kann Panik auslösen. Ein Lachen von der Wiese, weil ich fürchte, wegen zu großen Lärms nachts nicht schlafen zu können. Fortsetzung folgt. Alle Eindrücke strömen ungefiltert und dreifach so laut auf mich ein, und ich kann mich nirgendwo verkriechen. Trigger heißt das, wenn unser Körper instinktiv auf einen Reiz reagiert, der die Abwärtsspirale antreibt. Bei Depressiven kann alles zum Trigger werden. Der Blick in den Spiegel, die Stimme am Nebentisch, der Anblick eines Schwimmbads. Wecken unschöne Begebenheiten der Vergangenheit und reizen uns bis aufs Blut. Bis die trübe Brühe über uns zusammenschwappt. Wir sind ihr ausgeliefert, macht- und hilflos.

Auf dem Grund kauert die soziale Phobie im Schlamm und freut sich. Sie weiß, wir sind wertlos. Weil wir von Kindheit an nichts anderes erfahren haben. Weil wir im Alter vielfach bestätigt wurden. Unsere Partner sind hilflos. „Ich liebe Dich, weil Du es selbst nici fell in love with youht kannst“, sagt De Hasen oft. Ich versuche, es zu
glauben.

Es zieht mir den Boden unter den Füßen weg, wenn ich auf andere Menschen treffe. Sie treffen muss. Jede Sekunde tastet mein Hirn ab, was der Gegenüber von mir denkt, wie hässlich, albern oder skurril er mich wohl findet. Meine Gedanken schreiben eine Hintergrundmollmusik, deren Text einen Sprung hat: „Du bist zu fett. Du hast Pickel. Deine Nase ist krumm. Deine Klamotten schäbig. Deine Haltung schief. Deine Sprache lächerlich. Vergiss es. An die andern reichst Du eh nie ran.“ Der Aufenthalt unter meinesgleichen wird zum Horrorfilm, Smalltalk eine Farce. Egal, ob im Job oder unter Freunden, sogar in der Familie: Wir bestehen nur, weil wir uns mit übernatürlicher Kraft in eine Rolle pressen, von der wir denken, dass andere sie erwarten. Damit wir normal erscheinen.

Stellt Euch das vor. Und Ihr wisst, wie viel unglaubliche Energie mich mein Beruf als Pressesprecherin gekostet hat. Die zwei neuen Arbeitsstellen binnen zweier Jahre, die Vorstellungsgespräche, diese pseudo-psychologischen Spielchen und Prüfungen. Die Öffentlichkeit, die Veranstaltungen, die Meetings. Mehr, als ein Mensch tragen kann.

Im Dunkel-Dickicht

Undurchdringlich ist der Dschungel. Dort hält sich das Dopamin versteckt. Es weiß, es soll die Menschen erhellen. Ein Wegweiser auf verschlungenem Pfad zwischen Relevanz und Irrelevanz. Wo kein Dopamin, da keine Hoffnungsstreif. Was bleibt dem Depressiven, dem es an Dopamin mangelt, als sich auf Irrlichter zu verlassen, die ihm mit Liebe den Weg in den Abgrund weisen. Simple Sinneseindrücke zur grotesken  Grausamkeit ausstrahlen. Vor allem nachts.

Kennt Ihr den Film Zeit des Erwachsens“ mit Robin Williams und Robert de Niro? Schaut ihn Euch an. Und Ihr wisst, wie es Menschen im Dopamin-Dschungel geht.Urlaub-Quallen

Stau der Glückseligkeit

Der Fluss im Hirn ist unterbrochen. Die Depression hat Serotonin-Dämme errichtet. Es staut sich und kommt nicht weiter und signalisiert dem Körper, dass er zu viel davon hat. Das Glückshormon ebbt ab, versiegt. Das ist fatal. Denn der Neurotransmitter macht nicht nur „glücklich“, er beeinflusst unser komplettes Leben. Steuert unsere Wahrnehmung, unseren Schlaf, regelt unsere Temperatur, Schmerzempfinden und Schmerzverarbeitung. Macht uns Appetit und Lust auf Sex. Bringt Herz-Kreislaufsystem, Verdauung und Blutgerinnung in Schwung.

Wenn Ihr depressiv seid, versiegt dieser Strom der Glückseligkeit. Euch zermürben  Gelenk- und Rückenschmerzen vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Es gibt keinen Tag, an dem Ihr frisch und ausgeschlafen und voller Lust aufspringt. Am Morgen schon seid Ihr am Ende. Ihr schleppt Euch hundemüde durch die Stunden, findet keinen Schlaf. Im Sommer erfriert, im Winter verglüht Ihr. Erleidet Fressanfälle und Magerwahn, Herzrasen, Kreislaufkollapse, Durchfälle und blaue Flecken am ganzen Körper. Ihr vegetiert dahin, bis Ihr nur noch ein Schatten Eurer selbst seid. Völlig entnervt, völlig entkräftet. Und doch – niemand darf es merken! Und es bemerkt auch niemand. Ihr seid Meister der Gesichter, das Rollenspiel Eure höchste Kunst. Jede verdammte Minute.

Willkommen im Finsterwald! Die Dornen schließen sich hinter Euch wie im Märchen die Hecke. Die Hölle, das sind nicht nur die anderen. Die Hölle, das sind wir selbst.

Wa(h)re Wegweiser

Wer weist Euch jetzt den Weg zurück? Und welchen wollt Ihr wählen? Laut einer Studie schaffen es nur sechs Prozent aller Depressiven zurück ans Licht. Ist das ein Wunder? Ja. Der Rest kämpft ein Leben lang. Oder ergibt sich der Dunkelheit. Ist das ein Wunder? Nein.

Urlaub-WegweiserEs fehlt an Wegweisern. An Lotsen. Und an guten Feen. Wer sich alleine auf den Weg macht, scheitert. Wer die falsche Begleitung wählt, irrt. Wer zaubern kann, sehr viel Glück hat oder den Weg nicht zum ersten Mal antritt, wird es vielleicht schaffen. Doch jedes Mal bleibt ein Teil seines Muts, seines Willens auf der Strecke.
Seit 20 Jahren bin ich auf der Reise. In den dunkelsten Finsterwald und zurück ans Licht. Mittlerweile kenne ich fast alle Wege im Schlaf. Und alle Irrlichter beim Namen. Ich habe mich durchgeschlagen, verletzt, überlebt. Gnade mir, wenn ich vergesse, was ich dabei lernen musste. Wenn ich eine Sekunde meine Gedanken freilasse. Der Wald verschlingt mich mit Haut und Haar. Ohne Wenn und Aber.

Gerade wuchert mein persönlicher Finsterwald auf einer kleinen Insel in der Ostsee. Wie gerne würde ich mir darin eine Höhle graben, mich mit Moos bedecken und für immer verschwinden. Damit die Reise ein Ende hat. Aber sie wird nicht zu Ende gehen. Also packe ich wieder mal meine Machete aus und kämpfe mich zurück. An die Ostsee. Zu meiner Familie. Zu mir selbst.

Ich bin schließlich im Urlaub.

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Urlaub

Spurenleser

Es ist soweit: Die Bloghütte macht Urlaub! Wir packen unsere
sieben Sachen und schlagen für zwei Wochen unsere Zelte am Meer auf. Wellenwandern, Muschelnkuscheln, Sandstreicheln.

Apropos Sand: Kennt Ihr noch dieses Gefühl unter den Füßen? Der weiche, warme Strand, der bei jedem Schritt weicht, sich zwischen die Zehen schmuggelt auf dem Weg in die Wellen? Dann der kühle Schlick, Stehen auf der Stelle – zwei, drei, vier – bevor Ihr eintaucht, kühl und samten? Und wenn Euch die Küste dann mit einem dicken Schmatzer wieder freigibt und Ihr weiterzieht, bleiben sie, die

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigenen und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorüUrlaub2bergezogen war,
b
lickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragt
e ich den Herrn:
“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?”

Da antwortete er: “Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.”

Ich wünsche Euch eine wunderbare Sommerzeit. Und die Gewissheit, dass Ihr nie alleine geht – an welchem Strand auch immer.

PS an alle Einbrecher: Unsere Lieblingsnachbarn sitten rund um die Uhr unsere Hütte, und unsere Kotzekatze mag am liebsten Frischfleisch.
Übrigens auch rund um die Uhr.

Spuren im Sand,  ©1964 Margaret Fishback Powers

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Au revoir!

Es gibt nichts, was mich hält, au revoir!
Vergesst, wer ich war, vergesst meinen Nam’n.
Es wird nie mehr sein, wie es war.
Ich bin weg, au revoir!

Es ist schon unheimlich: Ich drehe auf der Heimfahrt das Radio auf. Und da singen Mark Forster oder Sido oder beide gemeinsam (so genau weiß man das nicht) Au revoir. Als ob sie mich seit Stunden beobachtet, meine Gefühle gescannt und mir dann dieses Lied auf den Leib geschrieben hätten. Krass. Und so cruise ich ein letztes Mal laut mitgrölend über die Hanauer Landstraße/ A661/ A3/ A5/ B42/ L3094 nach Hause: Es gibt nichts, was mich hält, au revoir!

Hä? Moment mal! Du hast doch grade vor fünf Monaten da angefangen? Den coolen neuen Job! Als Pressetante! Was’n jetzt?! Ham die Dich gekündigt?!Jep.

Hä? Und von was lebst Du jetzt?- Ähm. Von Luft und Liebe.

Und Deine Karriere? Bist Du Dir wirklich sicher? Mann, einfach
alles hinschmeißen!
Lass mich überlegen….jep.

De Hasen! Was sagt De Hasen dazu?Ganz ehrlich: Es war De
Hasens Idee. Und ich bin ihm verdammt dankbar dafür.

Aber warum?! - Better to write for yourself and have no public, than to write for the public and have no self.

Das versteh’ ich nicht!Lies einfach dies hier. Und das.

Manchmal ist es Zeit, einen Schnitt zu machen. Nicht, weil man depressiv ist oder bandscheibengeschädigt oder faul oder reich. Nein. Weil das Leben, wie es sich die vergangenen Jahre entwickelt hat, nicht mehr passt. Weil es zwickt und kratzt und wundreibt  und einem die Luft abschnürt.

Dann hat man die Wahl: sich weiterquälen. Oder die alte Haut abstreifen. Um dann vor dem Spiegel zu stehen und festzustellen: Ich kann mir wieder in die Augen schauen.

So unheimlich einfach ist das. Und so unheimlich schwer.

Es hat lange gebraucht, bis ich mich dazu durchgerungen habe, meine Kleider abzulegen. Ich danke von Herzen De Hasen und meinem Prof. Nicht, weil sie mich dazu überredet hätten. Sondern weil sie mir Mut machten, herauszufinden, wer ich bin. Und ich danke Anna, dass sie mir die Chance dazu gab.

Wie geht’s denn jetzt weiter? Was machst Du denn jetzt bloß?
- Tja. Lasst Euch überraschen!

Ich spring in Singapur in das kalte Wasser
Ich such das Weite und dann tank ich neue Kraft da
Ich seh Orte, von den’ andere nie hörten
Ich fühl mich wie Humboldt oder Steve Irwin
Ich setz mich im Dschungel auf den Maya-Thron
Auf den Spuren von Messner, Indiana Jones
Der Phönix macht jetzt ‘n Abflug
Au revoir, meine Freunde, macht’s gut
Ich sag dem alten Leben Tschüss, Affe tot, Klappe zu.

Songtext: Au Revoir von Mark Forster

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Die Bloghütte bei FB

Die Bloghütte hat jetzt einen Zweitwohnsitz bei Facebook.

Warum? Weil so noch mehr Leute ihre Eingangstüre finden. Und
damit der Bereich Depression seinen eigenen Raum dort hat.

Keine Angst, hier gibt es künftig ebenfalls alle Beiträge zu lesen.

Ob nun hier oder dort – Ihr seid immer herzlich willkommen!

 

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Briefkasten

Bloghütte im Abo

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Viel Spaß!

Header-Motiv: © Michail Jungierek via WikimediaCommons

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Noch’n Blog?!

Zugegeben. Als mein Mann von meinem Blog sprach, hatte ich keinen blassen Schimmer, wie so was funktioniert. Klar habe ich die eine oder andere Bekannte, die munter vor sich hinbloggte. So über Schnittmuster für Mädchenkleider. Ihren Abnehmmarathon. Oder über unser liebstes IPad-Spiel, die Sims (liebe Grüße an Petra und danke dafür!).

Ich warf also die vier Buchstaben in die Suchmaschine. Und wurde zugeschüttet mit Blogs – blog.de, blog.eu, blog.com, soweit der Bildschirm reichte. Okay. Ich musste schlucken. Die Online-Welt hatte ja geradezu auf mich gewartet. Und auf noch’n Blog.

Anyway. Ich hatte einen Grund, und ich hatte ein Ziel. So vieles ist passiert, so viel habe ich erlebt und erforscht. Den Kampf im Alleinerziehendmamasein und das Glück einer Patchworkfamilie. Die tiefste Depression morgens um drei und den regebogenfarbensten Augenblick am Sonntagnachmittag. Mein Leben hat mich gebeutelt. Aber immer habe ich Menschen getroffen, denen es genauso ging. Die einsam waren und Hilfe brauchten. Die mir den Rücken stärkten und mich gerettet haben.
Ich war niemals allein, und dafür danke ich ihnen.

Für Euch ist dieser Blog.
Ihr seid in meiner Hütte immer willkommen!

Übrigens…warum dieser Blog so heißt, erfahrt Ihr hier.

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