Schlagwort-Archiv: Essstörung

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Es geht vorbei

Den unten stehenden  Kommentar habe ich gestern zu meinen Text “Du hast die Wahl” bekommen. Ich möchte ihn gerne mit Euch teilen, weil er so wunderbar mutmachend ist. Danke dafür!
Danke auch für all Eure Zuschriften! Ihr müsst Euch keine Sorgen um mich machen. Ich habe meine Wahl längst getroffen, und die heißt Leben, mit allem, was für mich eben dazu gehört. Ich wollte Euch nur einen Eindruck davon geben, wie es im Kopf von Menschen aussieht, die das Leben nicht mehr ertragen. Damit Ihr es besser versteht.

Viele sagen: Na, dann ignorier doch die Stimmen im Kopf! Oder: Such nach Deinem inneren Wesen und schicke es vor! Tja. Wenn ich das nicht schon all die Jahre versucht hätte. Ich versuche es eben weiter. Vielleicht gelingt es mir irgendwann.

Noch ein Wort zu dem “sich als andere Person fühlen und die vorschicken”: Für mich ist das keine Option mehr. Ich habe so lange in meinem Leben eine und mehrere Rollen gespielt, dass ich gar nicht mehr weiß, wer ich eigentlich bin. Das macht nicht nur mir zu schaffen, sondern auch meinem Mann und allen, die mir nahestehen. Gerade möchte ich einfach nur alle selbst kreierten und von außen auferlegten Rollen abstreifen und rausfinden, was dann noch über bleibt. Ich habe so viele Verhaltentrainings hinter mir, dass ich auf Knopfdruck funktioniere. Nur leben ist das nicht.
Mal sehen, wie ich da weiterkomme. Ich halte auch auf dem Laufenden.

Und jetzt geh ich raus und schau nach, ob die Blumen wirklich so bunt sind ;-)

Ich drück Euch, Patricia

Ich kenne diese Verfassung. Ich kenne die Sehnsucht, es möge vorbei sein. Bald. Am Besten sofort. Für mich ist es vorbei. Diese abgrundtiefe, scheinbar unendliche Müdigkeit und Leere, die ständige Selbstverachtung und das Gefühl nur eine Last zu sein. 

Warum es vorbei ist weiß ich nicht genau.  Es fing an mit einer Ärztin, die mir erklärte, dass ich zu blöd bin das Richtige für mein Kind zu tun. Die mir sogar die Polizei ins Haus schickte, um mein Kind vor mir zu schützen. (An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass die Polizisten kopfschüttelnd und uns alles Gute wünschend wieder gegangen sind, ohne einen Grund für diese Aktion gefunden zu haben). Aber da bin ich wie aus einer Trance aufgewacht. Genauso fühlte es sich an. Wie aufwachen.

Mein schlummerndes Ego hat sich aufgebäumt und hat einen Urschrei von sich gegeben. Seitdem ist es für mich vorbei. Ich habe noch kurze Phasen, wo sich alles wieder “blöd” anfühlt, aber das vergeht immer sehr schnell. Auch der Verzicht auf Zucker hat viel bewirkt (das meine ich sehr ernst). Ich lebe wieder. Ich fühle mich wie ein Mensch. Ich habe zwar viel abgenommen, aber ich bin immer noch fett. Ist mir egal. Ich bin nicht bereit, dieser Stimme, die mich dafür verhöhnt, nochmal eine Bühne zu geben. Denn ich bin wieder wach. Ich bestimme, wer in meinem Kopf rumtönt. 

Ich erzähle das nicht, um mich als “besser als ihr” darzustellen. Das ist das Letzte, was ich möchte. Ich möchte Mut machen. Ich dachte jahrzehntelang nur daran, wie und wann ich es(mich)  beenden kann, ohne andere zu sehr damit zu behelligen. Heute weiß ich, das war nicht ich. Das war so was wie ein Albtraum. Aber jetzt bin ich wach. Und dieses Erwachen wünsche ich allen Betroffenen von ganzem Herzen. Dann seht ihr, wie bunt die Blumen sind und wie blau der Himmel leuchtet.  

Gebt nicht auf! Gebt niemals auf!


 

www.jochen-boy.de

Schatzsucher

long time no see…

Ich habe Euch sträflich vernachlässigt.
Vor allem aber habe ich mich selbst vernachlässigt.

Alles, was ich Euch in den vergangenen Artikeln geschrieben habe, hat sehr an meinen Nerven gezerrt… mit den bekannten Auswirkungen.

Seit ein paar Wochen entspannt sich die Lage: Mein Existenzgründerzuschuss ist durch, ich bin jetzt komplett selbstständig, es sind Ferien, DeHasn war mit dem Mausebären eine Woche im Urlaub – und ich hatte Zeit. Es ist unglaublich, wie wertvoll Zeit ist. Vor allem Zeit, sich zu resetten.

Ich habe gemerkt, wie sehr mir diese Minuten und Stunden gefehlt haben. Dazusitzen, sich zu ordnen, Prioritäten zu setzen, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Bis vor kurzem hatte ich dafür überhaupt keinen Kopf. Ich hetzte und hetzte und machte und machte…. und wäre wohl wieder einmal ins Burnout gerannt. Was hat mich abgehalten?

Abgesehen von meiner tollen Familie und meinen Freunden *kuss!* denke ich, dass es zum größten Teil mit meinem Job zusammenhängt. ENDLICH tue ich wieder etwas, was mir Freude macht, was für mich einen Sinn ergibt. Vor allem macht es mich stolz, nun für mich verantwortlich zu sein, MEINE Geschäfte zu führen (und nicht immer den Karren für jemand anderen aus dem Dreck zu ziehen). Es tut mir so gut, meine Zeit einzuteilen. Das ist eine große Freiheit, die ich sehr genieße: Habe ich morgens um fünf einen  Flow, dann arbeite ich eben morgens um fünf. Habe ich mittags keine Energie mehr, tanke ich bei einem Nickerchen auf. Es ist so viel effektiver, so zu arbeiten. Und so zu leben!
Ich arbeite wohl mehr als zuvor. Aber es stresst mich nicht mehr.

Langsam, ganz langsam lege ich mich wieder frei. Geduld braucht das, aber es bringt auch unendliche Ruhe – meditativ, wie das Sandwaschen am Fluss auf der Suche nach Gold.

Den Klinikaufenthalt habe ich gecancelt. Ich frage mich, wie ein depressiver Mensch diese Bürokratieberge bewältigen soll, bis er überhaupt einmal einen Platz in einer für ihn passenden (!) Klinik erhält. Und dazu noch die zu ihm passende (!) Behandlung. Viel zu viel Stress. Und dann: Was ist, wenn man wieder zuhause ist? In der alten Umgebung? Da nehme ich lieber den direkten Weg: sich zuhause besser fühlen lernen.

Das Essen ist nach wie vor meine Krux, aber jetzt habe ich Zeit, mich auch darum zu kümmern. Vor allem ist es ein Umlernen von Gewohnheiten. Und das dauert – zwei Schritte vor, einer zurück. Immerhin! Ein Schritt nach vorne!
Es ist wie beim Tanzen. Da dreht man den Walzer sein Leben lang rechts rum und soll auf einmal links rum zirkeln. Heidewitzka! Das klappt nur mit viel Training. Und Balance. Und einem, der einen sicher im Arm hält <3

Ab er es wird. Und deswegen habe ich jetzt auch die Hintergrundfarbe der Bloghütte auf Weiß geändert. Auf einer Seite zumindest. Ich finde, das ist ein guter Anfang :-)

Passt auf Euch auf!


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Wände aus Fleisch

This is such a painful way to live. When you can’t tell the truth, you cut the bonds that tie you to other people, bonds of shared emotions like pain and joy and fear and happiness. You start building walls around you instead of bridges between you and others. You start spending more and more time
eating, in your car, your bedroom, the bathroom, anywhere you cannot be seen. Then you convince yourself that something is really wrong with you, look at what you are doing, you couldn’t possibly tell anyone, no one would understand.
So you turn to food.
Again.
For solace, for comfort.
For a warm embrace.
And the walls around you become WALLS OF FLESH.*


Eigentlich geht es mir ganz gut. Deswegen schreibe ich hier auch kaum noch. Die Depression habe ich ganz gut im Griff.

Eigentlich.

Wenn da nicht etwas anderes wäre, was immer stärker wird und immer mehr Raum einnimmt. In meinem Körper. In meinem Leben. Das verdammte Binge Eating – Fressen bis zur Ohnmacht. DeHasn vermutet, dass sich das Problem nur verlagert und sich mein Seelenschmerz nun einen anderen Weg nach draußen sucht (oder nach drinnen, je nachdem).

Ich rede mit meinem Prof darüber. Sage: Dieses Jahr will ich mein Essen in den Griff kriegen. Wir stellen Ernährungspläne auf. Ver- und Gebote. Regeln. Wie schon so oft in meinem Leben. Ich pappe mir seine Blätter zuhause an den Kühlschrank und weiß in dem Moment schon, dass es mich mal kann, das Blatt. Mitsamt seinen doofen Regeln. Und der Prof mit dazu.

Sorry. Aber all diese Diäten (und ich habe sie alle durch!) bringen doch nichts! Weil sie nur an der Oberfläche kratzen. Weil sie mir nicht verraten, warum ich süchtig nach Essen bin. Warum ich mich jedes Mal beim Versuch, endlich vernünftig zu sein, selbst boykottiere, sobald ich nur irgendwo irgendwelche Ernährungsberatungsregeln höre. Wie ein Kind, dem man verbietet, an den Schokoschrank zu gehen. Dreimal dürft Ihr raten, wer den damals bei uns zuhause leergefressen hat.

Heimlich natürlich. Denn die Scham und das schlechte Gewissen sind meine steten Begleiter. Wie es mir gerade geht, hat Geneen Roth in ihrem Buch sehr treffend zusammengefasst – siehe Zitat oben. Überhaupt, Geneen,  amerikanische Autorin, hat dasselbe durch wie ich. Aber sie ist die erste, die erklärt, wie Binge Eating entsteht, was die tiefen Ursachen dafür sind … und dass man es nur in den Griff bekommt, wenn man sich nichts mehr verbietet. Tja. Nichts mehr verbieten. Ich hamstere dann mal unseren Supermarkt.

Nein. Die Kunst ist, sich selbst zuzuhören. Wann habe ich wirklich Hunger. Auf was habe ich wirklich Hunger. Und wann bin ich satt. Also, ganz ehrlich beim ersten Sättigungsgefühl und nicht erst, wenn man voller Völle vom Stuhl kippt. Es ist ein neuer Ansatz, der mich anfängt, verstehen zu lassen. Aber ich bin weit davon entfernt, ihn in die Praxis umzusetzen, ihn leben zu können. Deswegen wird mein Problem immer größer. Und ich mit dazu.

You begin living a lie, eating one way in public and a totally different way, when you are alone. “If they really knew the truth about me, if they knew how much I could eat, if they knew how devouring I am, they would be appaled. ” From
there, it is a short distance to “If they really knew me, they wouldn’t love me. Who I am is not worthy and must be hidden”. Dishonesty becomes a matter of emotional survival:
You must lie, you must hide yourself to be loved.
Yet gaining weight is sureley
not a way of becoming less visible,
and the more you hide your eating, the less you hide yourself.*

Wände aus Fleisch. Immer mehr. Vor was sollen sie mich schützen? Jetzt, da doch alles gut ist, ich quasi erfolgreich therapiert bin? Ach, es ist zum Kotzen. Nein, halt, über die Bulimie sind wir ja mittlerweile hinweg. “Gut”, sagt mein Prof. “Brav so.” Liebkind bricht nicht mehr, Liebkind schluckt runter.

Ihr merkt, ich drehe mich im Kreis. Irgendjemand muss doch eine Lösung haben! In meiner Not verschlinge (ha, Wortspiel!) ich Sachbücher, stoße dort auf den Begriff Zuckersucht. Ja, richtig. Zucker als Droge. Wie Heroin. Wie Alkohol. Genauso komme ich mir vor. Wie ein Suchti, der schon beim Aufwachen daran denkt, wann er sich schnellstmöglich den nächsten Zuckerschuss setzen kann. Der alles durchwühlt und seinem Kind die Schoki klaut, weil er sonst in einem cold turkey endet.

Vielleicht liegt da die Verbindung?  Heißhungerattacken auf raffinierte Kohlenhydrate (was nicht bedeuten muss, dass diese auch süß schmecken) entstehen nach neuesten Forschungsergebnissen durch einen Mangel des Botenstoffes Serotonin im Gehirn, sagt eines meiner schlauen Bücher. Der Konsum von Zucker und Weißmehl hilft in akuten Situationen den Serotoninhaushalt zu stabilisieren und zwar auch dann, wenn die Lebensmittel anschließend wieder erbrochen werden. Obwohl Zucker und Weißmehl zwar schnell und kurzfristig helfen können, verschlimmern sie langfristig das Problem des niedrigen Serotoninspiegels und wirken zudem suchtauslösend. 

Tja. Und was ist bei einem Depressiven niedrig? Richtig. Der Serotoninspiegel. Seufz. Wäre ich Alkoholiker, könnte ich einen Entzug machen und würde nie wieder einen Schluck trinken. Aber ich bin Zuckerjunkie und muss leider essen. Aber was? Und wer bringt mir endlich bei, wie?

Wie mein Karma so will, flattert im vergangenen Jahr eine Mail in mein Postfach: Eine psychosomatische Rehaklinik bietet mir einen Platz für diese Sommerferien an. Den Mausebären könne ich mitnehmen, und auch DeHasn dürfe  mich da besuchen. Ich drücke mich vor einer festen Planung, jetzt, da der Termin immer näher rückt. Mal muss ich in dieser Zeit ganz dringend neue  Sachen für meine Kollektion nähen (logo, im Hochsommer bei 40°C, wenn jeder an der Maschine sitzt *kopfbatsch*). Dann wieder reserviere ich einfach so ein Häuschen auf Rügen. Der Mausebär will ja in den Ferien unbedingt ans Meer, und die Reha kann ich ja dann locker für den Urlaub zwei Wochen kürzen.

Ich fühle mich jetzt schon auf Entzug.

DeHasn verzweifelt schier an mir (er sagt es nicht, aber ich weiß es), und setzt mir jedes Mal, wenn mein destruktiver Aktivismus durchbricht, mit einer Engelsgeduld auseinander, wie wichtig und wertvoll dieser Reha-Aufenthalt für mich sein wird. Weil ich da in einem geschützten Umfeld bin. Weil es da viele Leute gibt, die sich wirklich mit Depressionen auskennen. Weil ich dort vielleicht eine Lösung für mein Problem finde.

Weil ich da endlich meine Wände einreißen kann.

Okay. Montag rufe ich an. Ich gehe.
Aber nicht allein.
Ich brauche Eure Unterstützung.

Kommt Ihr mit?


Geneen Roth, Breaking free from compulsive eating. NY 1984, p. 46. 

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Angst essen Seele auf. Oder: Frohes Neues!

Hallo, Ihr Lieben!

Na, seid Ihr gut gelandet im neuen Jahr?

Was sind Eure Vorsätze? Hoffentlich habt Ihr keine und lebt glücklich und zufrieden wie bisher in den Tag hinein. Das wünsche ich Euch!

Weihnachten und Silvester waren bei mir wie immer holprig, aber ich habe es geschafft. Wir hatten dieses Jahr keinen großen Stress, objektiv gesehen. Haben Weihnachten mit der Familie und Silvester mit unseren lieben Nachbarn und Freunden gefeiert. Es war H.-J. Spindler  : pixelio.dewunderschön. Aber mitten in der Neujahrsfeier, so zwischen Gorgonzolabirne und Salamipilzen (Preisfrage: Was gab’s zum Essen?), wurde mir anders. Alles war zu viel, zu laut und am allerliebsten hätte ich mich zuhause auf meiner Couch unter der Decke verkrochen.

Warum? Weil Menschen mich Kraft kosten, sehr viel Kraft. Ihr seht das von außen nicht, ich bin im Laufe der Jahre zum sozialen Profi geworden. Aber dass ich andere treffe, mit ihnen smalltalke, Witze mache, gar esse, ist für mich immer noch ein Spießrutenlauf. Ständig läuft ein Film hinter meiner Stirn und spult ohne Unterbrechung ab: “Was denken die, wie du aussiehst? Du bist so dick geworden, sie verachten dich dafür! Was sollst du nur sagen, wie dich verhalten?” Leider ist es kein Stummfilm.

Vielleicht könnt Ihr Euch das vorstellen. Es ist, als ob Ihr einen Tinnitus hättet, den Ihr mit viel Energie und Geduld ausblenden müsst. Ihr habt also ständig diese Gedanken im Ohr und Kopf und versucht, vordergründig ganz normal zu sein. Mal gelingt es, mal nicht. Es kommt immer darauf an, wie es Euch gerade geht, ob Ihr Wilhelmine Wulff  : pixelio.deohnehin am Energielimit seid oder fremden Leuten gegenüber sitzt (ganz, ganz schlimm!) oder ob Ihr ausgeglichen und ruhig bei vertrauten Menschen seid.

Fokussieren, achtsam sein, im Augenblick ruhen – das hilft manchmal. Das innere Stoppschild rausholen, dem Gedankenrausch die Stirn bieten, der doofen Stimme alle zwei Sekunden den Mund zuhalten. Atmen. Ein. Aus. Und während Ihr rund um die Uhr diese yogaeske Übung praktiziert, immer schön locker bleiben und weiterplaudern. Nicht, damit es keiner merkt – mittlerweile kennen mich meine Freunde und Bekannte ziemlich gut. Sondern weil auch ich Spaß haben will! Weil ich keinen Bock mehr darauf habe, nicht normal wie jeder andere Gesellschaft genießen und feiern zu können!

Soziale Phobie heißt das, was mit meiner Depression einher geht und mir die Freude raubt. Es ist eine harte Nuss, die ich niemals knacken werde. Ich kann mit bestimmten Tricks die Schale wetzen. Aber den Kern erreiche ich nicht. Das ist eben so. Oft spreche im Reckmann  : pixelio.de  5ich mit meinem Prof darüber – denn wer unter Menschen leben will, hat immer damit zu tun.

Das Perfide an einer sozialen Phobie ist, dass sie sich schwer abstellen lässt. Wer Angst vor Spinnen oder Aufzügen hat, macht ein Keinepanikprogramm durch und ist geheilt. Oder er meidet sie ganz einfach. Geht leider bei mir nicht. Jedes Mal, wenn ich raus gehe, ist es, als ob ich aus der schützenden Höhle auf eine Lichtung trete. Das volle Sonnenlicht blendet mich, die Feinde leider nicht, sie stürzen los, bereit zum Töten. Wenn ich das nicht möchte, muss ich mich also wappnen: Panzer rum und durch.

Dabei ist es egal, ob da draußen tatsächlich Feinde lauern oder mich Freunde erwarten. Meinem Hirn ist das gleich. Seufz.

Die Ursache liegt wie so vieles in meiner Kindheit. Wenn ich mal ganz viel Kraft habe, schreibe ich Euch darüber. Nur eine Bitte an dieser Stelle: Sagt Euren Kinder nie-, nie-, niemals, dass sie hässlich und Drecksmenschen sind! Bitte. Danke.

Ist die soziale Phobie nicht ganz ausgeprägt, kommt man gut mit Training dagegen an. Das lernt man in der Verhaltenstherapie oder bei CBASP. Je länger sich die Phobie im Hirn einnistet, um so mehr schädigt sie es aucim Reckmann  : pixelio.de  4h. Über die exakten Vorgänge schreibe ich Euch später noch einen Beitrag. Theoretisch kann ich alle Verteidigungsstrategien aus dem Effeff. Aber wenn meine Gedanken panisch den Kopf verlieren, ist es aus mit wohlüberlegtem Handeln. Ich renne in mein Unglück und versuche, den ganzen Stress zu kompensieren – mit andauerndem Binge Eating. Mir hilft in solchen Situationen nur noch mein Antidepressivum, Citalopram. Es kappt die Emotionsspitzen, es verhindert, dass ich panisch durchdrehe, es hilft mir, zu leben – und ja, auch Weihnachten und Silvester zu überstehen, Menschen zu treffen und das manchmal sogar zu genießen. Den Heißhunger heilt es leider nicht. Aber, mein Gott. Man muss eben Prioritäten setzen…

Wie gesagt. Außenstehende bekommen von diesem inneren Kampf nichts mit, wenn sie mich nicht sehr gut kennen. Und ich lebe ja auch trotzdem weiter – habe meine Familie, einen Haushalt, einen Job und bald mein eigenes Unternehmen, wie viele andere depressive Menschen auch.

Solche Tage wie Weihnachten und Neujahr (der soziale Supergau schlechthin) zeigen mir allerdings, dass meine Kraft nicht unendlich ist. Dass ich wieder kürzer treten muss. Und dass es auch überhaupt gar nicht schlimm ist, an Feiertagen einfach mal allein oder zu zweit auf der Couch rumzulungern (lustigerweise habe ich das von vielen Freunden gehört, die auf einer Party ins neue Jahr geschlittert sind. Yado  : pixelio.deWir werden älter, scheint’s).

Jahrzehnte fand ich das völlig unmöglich, habe mich auch abseits des Jahreswechsels unter Menschen gezwungen. Hat es was gebracht? Nein. Außer enormer Anstrengung. Schuld daran war auch der ein oder andere Psychologe, der meinte, so meine Sozialphobie kurieren zu müssen. Ich kann mich an eine Situation erinnern, als ich 20 war: Eine Freundin wollte mit mir Kaffee trinken gehen. Horror! Meine damalige Therapeutin stellte mit mir einen exakten Verhaltensplan für dieses Treffen auf. Und tatsächlich habe ich es überstanden, indem ich jede Sekunde die eingetrichterten Befehle abrief. Ganz toll. Total ungezwungen. Aber: Auch ich glaubte fest daran, dass das der richtige Weg sei. Wie bei den Spinnen. Je näher man ihnen kommt, je öfter man sie trifft, umso furchtloser wird man. Pfft.

Mittlerweile denke ich anders: Warum soll ich so was tun? Ich brödle vor mich hin, und ab und an treffe ich liebe Menschen und feiere sogar mit ihnen. Ganz freiwillig. Und manchmal macht es sogar Spaß. Und wenn mir alles zu viel wird, zu laut und der Tinnitus nicht mehr verstummt, weiß ich: Stoppschild hoch, ab in die Höhle. Doof nur: Dass ich das weiß, heißt nicht, dass ich es auch tue.  Es braucht Tim Reckmann  : pixelio.dewahrscheinlich noch einige Zeit, bis ich mir wieder vertraue – das wird mein großes Thema 2016 sein.

Abgesehen von diesen Einbrüchen, die längst nicht mehr so schlimm sind wie früher, geht es mir neutral bis gut. Zum einen liegt es an all dem, was ich von meinem Prof gelernt habe. Zum anderen an meinem Medikament, von dem ich täglich 20 mg nehme. Ich schlafe normalerweise zügig ein und gut durch bis zum nächsten Morgen. Ich stehe nicht auf mit einer Zentnerlast auf den Schultern, fürchte mich nicht vor dem Tag und würde nicht am liebsten wieder unter die Decke kriechen. Es fällt mir nicht alles so unendlich schwer, ich muss mich nicht von Minute zu Minute schleppen.

Ich kann mich ab und an auf mein Gegenüber konzentrieren und verliere mich nicht im gedanklichen Nirwana. Mein Akku ist noch nicht ganz voll, aber es reicht wieder für acht bis zehn Stunden. Bisweilen kann ich mich entspannen, so einfach zwischendurch, ohne großes Wellnessprogramm. Ich habe wieder Energie, für andere da zu sein. Nicht viel, aber ich hoffe, es hilft ihnen. Draußen nehWolfgang Dirscherl  : pixelio.deme ich meine Umwelt vereinzelt wahr. Bin ich auf der Autobahn unterwegs, fällt mir ab und an auf, dass am Himmel Wolken oder am Wegrand Bäume stehen.

Und manchmal, ganz manchmal, muss ich unwillkürlich lächeln und bin ein kleines bisschen glücklich.


Fotos: pixelio – CFalk (1), H.-J. Spindler (2), Wilhelmine Wulff (3), Tim Reckmann (3+4), Yado (5), Tim Reckmann (6), Wolfgang Dirscherl (7)

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Wat mut, dat mut: Willkommen in der Scheibenwelt

36 Grad, es wird noch heißer…

Ja, ich weiß. Tolle Ausrede. Genauso wie: Ich muss dringend a) die Kotzekatze vom Baum pflücken, b) nervige Fliegen totklatschen, c) Gummibärchen in der Süßigkeitenschublade nach Farben sortieren, d) to be continued (oh, eine Aufzählung, lieben Gruß an M. ;-) ).

Leider schert das meinen Rücken überhaupt nicht. Ja, meine Welt ist eine Scheibe. Genauer gesagt, eine Bandscheibe. Und wer’s exakt Bild2_06_6313075b45wissen will: eine ziemlich lädierte, seit Jahren überstrapazierte und deswegen tot-quietsch-beleidigte-ich-geb-dir-eins-ins-kreuz-damit-du-dich-kaum-noch-bewegen-kannst-wenn-du-keinen-sport-machts-MIT-DIR-SPIEL-ICH-NICHT-MEHR-DU-BIST-NICHT-MEHR-MEINE-FREUNDIN-DREI-AUSRUFEZEICHEN-Bandscheibe.

Nein, sie lässt sich weder mit charmanter Überredungskunst (“Hömma, Du bist gerade 39, lass Dich mal nicht so hängen, Du Gallertdingens, Du!”) noch wüsten Beschimpfungen (“Sakra-krutzi-deifi, jetzt reiß’ Dich aber mal zusammen!…Autsch, doch nicht so!!”) beruhigen. Sie will wie ein drei Tage bei Regenwetter im Haus eingesperrtes Kleinkind loshüpfen. Und zwar JETZT.

Hachja. Is’ ja nicht so, dass wir schon eine Depression mit uns rumschleppen würden. Naaaahaaaaaain. Jetzt muss einem auch noch der eigene Rücken ins Kreuz fallen!

“Okay”, sage ich zur Scheibe, nachdem ich sie zwei Jahre lang ignoriert habe und sie mich dafür jeden zweiten Monat außer Gefecht gesetzt hat. “Waffenstillstand. Ich schlepp Dich, äh, mich ins Fitti, und Du gibst dann Ruhe. HOST MI ?!?”

Ja, so kam heute der Tag der Tage….während alle anderen zum Badesee pilgerten, tuckerte ich einsam und allein ins Fitnesscenter. Kein Schwein war da, klar bei dem Wetter (hier wäre dann die Stelle, wo Ihr alle ganz laut “OOIMG_1024OOOOCH” sagen müsst), außer dem Trainer. Und der unterzog mich, meinen zwei Jahre alten Trainingsplan (Ihr kennt das: einmal im Studio angemeldet, regelmäßig gezahlt, nie hingegangen) und meine Scheibe erstmal einer Generalüberholung.

Ich gestehe es nicht gerne, aber das tat – gut. Also nicht nur, meinen geplagten Rücken mal wieder richtig zu strecken und meine *räusper* hoffentlich bald wieder vorhandenen Bauchmuskeln zu stärken. Nein, auch der Kopf prustete und pustete mal so richtig durch. Ich hatte völlig vergessen, wie ich beim Training ins Nichts abtauchen kann – ähnlich wie beim Nähen. Blick ins Nirwana und nur fühlen, wie alle Spannung aus dem Körper weicht. Ausatmen. Zur Ruhe kommen. “Schöööön”, sagt die Scheibe da. “Wollen wir vielleicht wieder Freunde sein?”

SPORT UND DEPRESSION

Nein. Ich tue das nicht wegen des bösen Onkels. Denn ich weiß schon seit Jahren, dass ich mich in meinem Körper nicht wohl fühle. Zu den Kreuzschmerzen kommen die Seelenstiche. Jedes Mal, wenn es Sommer wird. Jedes Mal, wenn ich schwimmen gehen muss. Jedes Mal, wenn ich meine Kleidung wechsle und dabei dummerweise mit einem Auge am Spiegel hängen bleibe. Ich mache also auch Sport, damit es mir wieder leichter ums Herz wird.

Dass Sport bei Depressionen helfen soll, ist ein alter Hut. Die Krux daran ist, dass Depressive es einfach nicht schaffen, sich aufzuraffen. Wen nur das bloße (Über)leben – und ich rede jetzt nicht mal vom Job oder Alltag einer alleinerziehenden Mutter! – Energie kostet, wer soll sich da noch ins Fitnesscenter schleppen? Ich schaffe das auch nur, weil es mir gerade gut geht. Diese Kraft nutze ich dafür, endlich etwas für mich zu tun. Denn dass ich kaum ohne Schmerzen stehen, liegen oder sitzen kann, dass ich mich selbst nicht leiden mag, raubt mir jeden Tag zusätzlich Lebenswillen. Ich habe die Wahl, und ich werde sie nutzen, weil ich gerade kann. Wenn Ihr es nicht könnt: Alles ist gut! Macht Euch keinen Stress! Es besteht kein Zwang, als Depressiver Sport zu treiben.

Aber die ganzen Endorphine! Humbug. Noch gibt es keinen Beweis, dass Sport den bei uns gestörten Serotonin-Stoffwechsel wieder ins Lot bringt. Was Bewegung allerdings tut, ist Stress abbauen. Denn wie wir wissen, hat eine langanhaltende Stressbelastung zur Folge, dass der Adrenalinspiegel im Körper steigt. Das führt zu einer Hochregulation des Cortisons und später zu einer Erschöpfung des Systems – auch des Serotonin-Stoffwechsels. Die Folgen sind: Migräne, Schmerzen, Burn-out, Depression.

Was ich damit sagen will: Stress, egal ob körperlicher oder seelischer und vor allem lang anhaltender, muss abgebaut werden – indem wir unseren kompletten Stoffwechsel durch Bewegung wieder ausgleichen. Das funktioniert aber nur, wenn der Sport selbst nicht wieder in Stress ausartet! Also denkt dran: immer schön locker bleiben!





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Kreuzschmerzen

Ich bin in der Kirche aufgewachsen. Bevor ich mir die Schläge und Schreie zu Hause gab, verbrachte ich lieber die Zeit mit meinem Großvater. Er war Küster unserer Gemeinde und seine Kirche mein Revier. Ich kannte sie alle, die großen und kleinen Heiligen, weil Opa ihnen in seinem Atelier mit beißend riechender Ölfarbe neue Lächeln in die gestrengen Gesichter zauberte. Wenn ich heute an Weihnachten vor seiner Krippe stehe und den heiligen Josef sehe, weiß ich, mein Großvater lächelt mich an.

My lover’s got humour
She’s the giggle at a funeral
Knows everybody’s disapproval
I should’ve worshipped her sooner

Die Glocken waren meine Freunde. Auch sie kannte ich beim Namen, und das Größte war, wenn ich sie zur Heiligen Messe rufen lassen durfte. Dieser Knopf für diese und jener Schalter für jene, und es brauste in den Ohren, dass der Kirchturm wackelte.

If the heavens ever did speak
She’s the last true mouth-piece
Every Sunday’s getting more bleak
A fresh poison each week

Damals war ich fünf. Und ich zweifelte nicht. Nicht, dass es den lieben Gott gab und die Jungfrau Maria und den Heiligen Sankt Martin, der mit seinem wunderbaren Schimmel jeden November durch die Straßen ritt, seinen Mantel und anschließend Weckmänner verteilte.

We were born sick
You heard them say it

Jeden Mai denke ich an diese Zeit, wenn eine bestimmte Baumsorte beginnt, nach Gummibärchen zu duften – jene Bäume, unter denen wir an Fronleichnam feierlich den Leib Christi durch die wunderschön geschmückten Straßen trugen. Erinnerungen, verblasst.

My Church offers no absolutes
She tells me, “Worship in the bedroom.”
The only heaven I’ll be sent to
Is when I’m alone with you—

Ich zweifelte nicht, als ich zur ersten heiligen Kommunion ging, bei der das weiße Kleid allen wichtiger war als das, was da passierte – wie hätten wir es auch verstehen sollen, als Neunjährige? Ich zweifelte niemals, auch nicht, als ich Lobeshymnen im Kirchenchor sang und auch nicht, als ich ganze Jugendgottesdienste vorbereitete.

I was born sick, but I love it
Command me to be well
Amen. Amen.

Du sollst nicht lügen! Während des Firmunterrichts mussten wir wie schon oft zuvor beichten. Das wurde ganz groß geschrieben und war immens wichtig, bläute meine Mutter mir ein. Ich saß da und mir fiel partout nichts ein, was ich hätte falsch gemacht haben können. „Vielleicht“, sagte ich zu dem Priester, „ist meine Sünde, dass meine Mutter micht nicht mag?“
Er verstand den Wink nicht. Er druckste herum und sagte, wenn ich Probleme hätte, sollte ich doch mal mit der Gemeindereferentin sprechen. Gewalt in der Familie, das war nichts für seinen katholischen Beichtstuhl.

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins and you can sharpen your knife
Offer me that deathless death
Good God, let me give you my life

Anyway. Drei Ave-Maria, und die Sache war vergessen. Ich machte tapfer weiter, verteidigte Gott und meine Kirche. Im Gedächtnis blieb mir eine Szene: Unsere Clique fuhr wie jeden Tag mit dem Zug zur Schule. Jemand machte einen Witz über den Papst. Ich war erbost: „Glaubst Du nicht an Gott, wenn Du Dich so über den Papst lustig machst?!“ schrie ich ihn an. Die verwunderten Blicke waren mir egal.

 If I’m a pagan of the good times
My lover’s the sunlight
To keep the Goddess on my side
She demands a sacrifice

Mein Glaube war angeknackst. Ich ließ es nicht zu. Ich war katholisch erzogen, und ich wollte nichts anderes. Und ganz insgeheim hatte ich Angst, was passieren würde, wenn ich Gott verließe. Würde ich nur noch Pech im Leben haben und später schwitzend in der Hölle schmoren? „Gott wird Dich noch strafen!!“, schrie meine Mutter immer wie von Sinnen, wenn sie mal wieder – warum auch immer – auf mich eindrosch.

Drain the whole sea
Get something shiny
Something meaty for the main course

Ich studierte Geschichte, und ich studierte die Bibel und alles, was NICHT in der Bibel stand. Ich kam zu dem Entschluss, dass ich als Frau wohl die perfekte Priesterin gewesen wäre, hätten irgendwelche antifeministischen Bischöfe nicht auf so einem depperten Konzil die falschen Schriften zum Wort Gottes erklärt.

That’s a fine looking high horse
What you got in the stable?
We’ve a lot of starving faithful
That looks tasty
That looks plenty
This is hungry work

Aber es half nichts. Gott entglitt mir immer mehr, und ich ihm. Was damals im Beichtstuhl zerbrochen wurde, war nicht mehr zu kitten. Wo war er, der liebe Gott mit all seinen Heiligen in meinen tiefsten Depressionen, wenn es mir richtig dreckig ging? Erhörte er meine Gebete, nahm er mich an der Hand und führte mich zu sanften Auen und dem Ruheplatz am Wasser? Leitete sein Stecken und Stab mich mit Zuversicht aus dem Tal der Todesschatten? Nein!

Take me to church
I’ll worship like a dog at the shrine of your lies
I’ll tell you my sins so you can sharpen your knife
Offer me my deathless death
Good God, let me give you my life

Vierzig verdammte Jahre musste ich alt werden, um der Hölle zu entrinnen. Und der letzte, der mir dabei geholfen hat, war Gott oder seine Kirche. Blasphemie, mag sein. Aber der einzige, der mich durch all die Jahre gerettet hat, war ich selbst.
Als der Mausebär kam, ließ ich ihn taufen, katholisch natürlich. Ich wollte ihn nicht ungeschützt und ohne Segen in diese Welt schicken. Am Anfang besuchten wir eifrig Kindergottesdienste. Ich wollte, dass er einen Glauben kennenlernt, bevor er sich dafür oder dagegen entscheidet. Aber es war ihm nicht wichtig. Er kennt alle Geschichten über Gott und Jesus und die Heiligen. Aber sie kümmern ihn nicht. Er braucht keinen Herren, der ihm Nächstenliebe gebietet und nach der rechten auch noch die linke Wange schlägt. Der sich einfach so ans Kreuz schlagen lässt ohne Widerworte und dann behauptet, er hätte uns alle damit gerettet. In meinem Fall leider umsonst. Lasset die Kinder zu mir kommen? Im Leben nicht!

No Masters or Kings when the Ritual begins
There is no sweeter innocence than our gentle sin

Wir waren vor kurzem in Paris flittern, DeHasen und ich. Eigentlich wollten wir nur Notre Dame besichtigen (die Glocken!). Nebenbei bemerkte unsere Führerin, dass wir dort heute die Dornenkrone sehen würden. Die Dornenkrone? Die echte? Ich wollte unbedingt dahin. Ich wollte sie sehen. Warum nur, wo ich doch meinem Glauben abgeschworen hatte? Ich konnte es nicht erwarten. Sie lag in Notre Dame, in der hintersten Ecke, verborgen hinter dickem roten Glas. Ich glaube nicht, dass sie jemand erkannte, und ich weiß auch nicht, ob es tatsächlich die echte war.Krone

Ich setze mich davor, starrte sie an. Und weinte. Ich konnte nicht mehr aufhören damit, ich war nicht da, in dieser Kirche, ich stand vor Jesus und wir hielten Zwiesprache. „Wieso hast Du das getan?“, warf ich ihm vor, „wieso hast Du so gelitten? Verdammt, ich weiß, was es heißt zu leiden, also wozu? Um ein paar Nasen zu zeigen, wie toll Du bist?“ Ich bekam keine Antwort, natürlich nicht. Aber etwas anderes. Da war einer, dem es wohl ergangen war wie mir. Der genau wusste, wie es sich anfühlt, im tiefsten Dunkel keinen Ausweg mehr zu sehen. All das Leid, all die Schmerzen, all die Menschen, die Dir Unrecht tun, Dich verhöhnen, Dich verprügeln, immer und immer wieder und keiner da, der Dich schützt. Der Dir nicht nur ein billiges Schweißtuch reicht, sondern den andern auf die Fresse haut und schreit: Spielt Eure schmutzigen Spielchen mit jemand anderem!!!

In the madness and soil of that sad earthly scene
Only then I am Human
Only then I am Clean

Als ich fertig geweint hatte, stand ich auf und ging. So ist das, Jesus. Niemand sucht sich aus, in welche Welt er geboren wird. Und sein eigenes Kreuz, das muss schon jeder selbst tragen.

Amen. Amen.


Titelbild: Air birds cross flieds fly, n.n.
Englischer Songtext von Hozier, Take me to church

Foto der Dornenkrone: DeHasn

 

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“Du bist zu dick!”

Nichtsahnend öffne ich am Abend den Brief. Wir hatten einen schönen Tag, der Mausebär und ich. Voller Sonne und guter Laune.
Mit Erinnerungen an die schöne Hochzeit und Vorfreude auf unsere Flitterwochen in Paris.

Das ist mit einem Schlag vorbei. Der Brief kommt vom DeHasens Onkel, der auch auf unserer Hochzeit war, mit dem ich getanzt und viel Spaß gehabt hatte. Ich habe ihn insgesamt zweimal gesehen in meinem Leben. Er kennt mich nicht, und ich kenne ihn nicht. Drei Seiten Papier, eng beschrieben, er erzählt sein Leben und holt auf Seite zwei zum Schlag aus. Da steht in 22 Punkt Arial (mindestens), fett und zentriert:

“Aber Patricia,
Du bist zu dick!”

Es folgen seitenweise Ratschläge, Salat, Waage kaufen, Sport machen. Bliblablub. Kein Wort des Dankes, keine Erwähnung unserer Hochzeit. Er würde ja die Bloghütte lesen und wissen, dass ich Fressattacken hätte und wegen meiner Depression grade nicht arbeiten könne.

Lieber Onkel von DeHasen.
Würdest Du die Bloghütte richtig lesen, wärst Du besser informiert.
Vor allem wüsstest Du , WIE SEHR MICH DEINE WORTE TRIGGERN!!!

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.
Außer: DON’T PASS ME BY ANYMORE!

Ich geh dann mal ‘ne Runde heulen
und in
mühevoller
Kleinarbeit
die
Scherben
meines
gerade
aufgebauten
Selbtsbewusstsein
einsammeln.

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Hier spricht die Braut

Die Depression schreibt die längsten Geschichten. Und so sitze ich schon um exakt 4.19 Uhr in der Früh am Küchentisch – die Katze reibt sich verwirrt die nachtmüden Augen – und schreibe. Stunden habe ich mich im Bett hin- und hergequält, meinen Geist bezwungen, meinem Körper Entspannung empfohlen – und doch versagt. Hello darkness, my old friend. So was von versagt aber auch, ich, die ich alle technischen Mittel gegen drohende Depressionen bis zur Perfektion ausgefeilt habe. Ich, die sich mit knapp 40 immer noch triggern und in den Wahnsinn treiben lässt, als wäre sie nicht Herrin ihrer Sinne.

Verdammt, verdammt, verdammt. Verdammt seien diese Situationen, die all das in mir auslösen, die mein Gehirn auf Autopilot schalten, Patricia an Black Box, wo bist Du?!

Das vergangene Wochenende war eine einzige Fressattacke. Meine Haut bedankt sich mit Ausschlägen, die Augen umschuppt wie ein garstiger Tiefseefisch. Seit gestern Nacht ist mir übel, ich werde krank vor Sorge, ob es eine neue depressive Phase wird. Wäre es doch nur ein Magen-Darm-Infekt! Etwas, woran ich nicht schuld bin!

Aber ich bin schuld, denn ich bin die Braut. Ich liefere mich aus, einem rauschenden Fest, 52 Menschen, für die ich der strahlende Mittelpunkt der Feier sein soll. Wir haben ein schönes Fest geplant, DeHasen und ich. Beide zusammen. Aber statt mich darauf freuen zu können, ist mir, als ginge ich zum Schafott. Der alleinige Gedanke daran versetzt mich in Panik, macht mich krank. Seit einem halben Jahr kenne ich das Datum. Seither nehme ich ab, um eine schöne Braut zu sein. Was regelmäßig in der nächsten Fressattacke endet. Seither achte ich auf mein Gesicht. Was regelmäßig in der nächsten Quetscherei vor dem Spiegel endet. Wie soll ich das an diesem Tag nur verbergen? Wie soll ich mich nur an diesem Tag verbergen? Und wieso kann ich DeHasen nicht einfach den Gefallen tun, meine Klappe halten und mich bedingungslos auf unsere Hochzeit freuen, auf das Ja zueinander, auf die Menschen, die da sind, um uns zu feiern?

Weil ich sie kenne. Sie werfen spitze Stacheln aus, so geschickt, dass sie später behaupten können, ich hätte es mir nur eingebildet:

„Wie, Du hast zwei Kleider zur Auswahl? Wie dekadent!“
„Willst Du das Kleid wirklich anziehen?“
„So, Ihr nehmt also nicht die Band?“
„Die Haare vom Mausebären lässt Du am besten offen, sonst sieht das später total schlimm aus.“
„Du nähst ja ganz schön, aber das Kleid musst Du ihr das nächste Mal nicht mehr anziehen.“
„Also ICH würde die Haare ja hochstecken.“
To be continued.

Ja, ich kenne sie, und sie werden meinen Tag dazu benutzen, mich wieder einmal zu vergleichen. Mit anderen. Mit früher. Sie werden feststellen, dass diese Hochzeit nicht die ist, die sie feiern würden. Sie werden feststellen, dass ich in den vergangenen Jahren zehn Kilo zugenommen habe. Sie werden feststellen, dass meine Haut akne-
narbig und mein Kleid nicht das ist, was ihren Vorstellungen entspricht.

Vielleicht sagen sie auch gar nichts und rümpfen nur die Nase und heben die Augenbraue. Oh, wie gut ich das kenne. Wie gut ich weiß, was es heißt, nämlich: Du bist nicht gut genug und wirst es niemals sein.

Vielleicht denken sie auch gar nicht darüber nach, was sie sagen, wie sehr mich ihre Worte VERLETZEN, weil jedes einzelne ein Trigger ist, das mich in die Vergangenheit schleudert, aus der ich mich ohnehin immer nur mit sehr viel Anstrengung zurück in den Moment holen kann. Wie soll mir das an meinem Hochzeitstag gelingen???

Dazu die vielen Menschen, die ich nicht kenne, die ich nicht abschätzen kann, die aber DeHasens Freunde sind und dazu gehören. Ich werde sie bei meiner Hochzeit wahrscheinlich das erste und einzige Mal sehen. Es kann mir egal sein, was sie von mir denken. Aber das ist es nicht.

Soviel muss noch organisiert werden, von uns, die wir eh schon am Energielimit sind. Von mir, die ich es gerade so schaffe, Tag für Tag zu bewältigen, ohne einzubrechen. Probefrisur? Make-Up? Nägel? All das sind Dinge, für die ich keine Kraft habe.

Ich habe solche Angst.

Mein Gott, was stellt sie sich an? Warum feiert sie dann so groß? Warum lädt sie solche Leute überhaupt ein? Nun, weil ich meine Eltern schlecht ausladen kann.  Und weil ich die Hoffnung habe, dass Menschen, die ich von früher kenne, mich heute so akzeptieren wie ich bin. Und weil DeHasen sich das wünscht. Und ich will ihm diesen Wunsch erfüllen. Einmal im Leben. Das wird doch wohl zu schaffen sein!!! Klar, wird es zu schaffen sein. Aber der Preis dafür ist hoch.

Ich konnte gestern nicht arbeiten gehen, weil ich ständig brechen musste. Ich werde heute nicht arbeiten gehen können, weil ich ständig brechen muss und nicht geschlafen habe. Im März möchte ich einen Tag, nur einen einzigen!!, beruflich in Ausland zu einem Termin, auf den ich mich schon lange freue. Dafür muss ich morgens um sechs aus dem Haus und komme abends um zehn heim. Ich werde es nicht schaffen. Die Angst zieht ihre Kreise, sie öffnet meinem Unterbewusstsein Tür und Tor. Laut propagiert sie durch alle Körperzellen: Du wirst es nicht schaffen! Das ist viel zu lang! Du wirst zusammenbrechen!

Realistisch betrachtet ist das korrekt. Ich bin ich, und ich weiß, dass ich mir solche Tage nicht zumuten soll. Es hat schließlich einen Grund, warum ich nicht mehr Vollzeit arbeite. Aber vielleicht, ganz vielleicht hätte ich es doch geschafft, wenn da nicht die Hochzeit in meinem Rücken wäre. Oder hätte ich die Hochzeit geschafft, wenn die Reise nicht wäre? Es ist alles eins und wie es ist, ist es zu viel und ich zerbreche daran.

Die Reise kann ich absagen. Die Hochzeit nicht. Ich will DeHasen ja auch heiraten und seine Frau werden! Aber so? Es macht mich verrückt, dass mein Kopf mir so einen Strich durch die Rechnung macht, dass ein paar blöde Sprüche reichen, mich in diesen Zustand zu versetzen. DAS will ich nicht!!

Aber so ist das nun mal – und wird es mein Leben lang sein. Ich lebe monatelang glücklich vor mich hin, plane etwas, freue mich – und wenn Du meinst, da geht noch mehr, kommt von irgendwo ein Trigger her.

Bitte, liebe Hochzeitsgäste, bitte. Verkneift Euch an diesem Tag einfach Eure Sprüche. Ich weiß nicht, ob ich ein Kleid tragen und eine strahlende Braut sein werde. Aber selbst wenn nicht: bitte! Ich schaff’ das sonst nicht.


Foto: Desmondlouw.co.za

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Mein Partner ist depressiv

Die Diagnose ist das eine. Damit leben, das andere. Denn eine Depression macht nicht nur dem oder der Betroffenen das Leben zur Hölle, sondern auch auch Freunden und Angehörigen. Gerade (Ehe-)Partner trifft es schwer, wenn sie den geliebten Menschen nicht wiedererkennen, als hätte über Nacht ein Alien von einem anderen Stern sein Gehirn ausgesaugt und nur noch die Hülle zurückgelassen. Nichts dringt mehr zu ihm vor, alle Versuche, ihn aufzumuntern oder ihm zu helfen, scheitern. Viele Angehörige tragen so schwer an dieser Last, an dieser Verantwortung, dass sie nicht selten selbst in ein Burn-Out oder eine Depression geraten.

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast“, sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen. Eine schwere Bürde. Müsst Ihr sie ein Leben lang tragen? Nein. Aber wenn Ihr möchtet, helfe ich Euch dabei. Hier findet Ihr Tipps, wie Ihr Depressionen bei Eurem Partner, einem Freund oder Familienmitglied erkennen und ihn oder sie dabei unterstützen könnt, wieder gesund zu werden. Eine Bitte: Wenn Ihr Fragen habt, fragt, egal was! Ich will versuchen, aus meiner Erfahrung heraus auf alles eine Antwort zu finden.*

Woran erkenne ich, dass mein Partner depressiv ist?

  • Jegliche Gefühlsregung schwindet aus seinem Gesicht, seine Mimik wird zur starren Maske.
  • Er schläft abends nicht ein oder tigert schon frühmorgens durchs Haus, weil er nicht schlafen kann. Drei Uhr ist ein typsicher Zeitpunkt, an dem Depressive aufwachen und nicht mehr zur Ruhe kommen können.
  • Er ist ständig am Grübeln und sorgt sich um alles. Er hat Angst vor der Zukunft und weiß nicht, wie es weitergehen soll.
  • Er hat scheinbar zu nichts mehr Lust, vernachlässigt Hobbys, Freundschaften und…
  • … vor allen Dingen sich selbst. In einer depressiven Phase ist es für mich beinahe schon schmerzhaft, schöne Kleider zu tragen oder mich zu schminken. Allein die tägliche Hygiene kostet immens Kraft. Ich kann es einfach nicht tun – als ob ich körperlich gelähmt wäre.
  • Er kann nicht mehr lachen, gar nicht, weder über Witze noch lustige Filme.
  • Er verfällt auch im Job in eine Starre, umgeht Termine, zögert Abgaben hinaus, sucht nach Entschuldigungen dafür, lässt sich krankschreiben, um seiner Pflicht nicht nachkommen zu müssen.
  • Einige Betroffene weinen oft aus für andere nicht ersichtlichen Gründen. Andere zeigen gar keine Gefühle mehr.
  • Dazu gehören auch Liebe, Nähe, Empathie, sogar dem eigenen Partner gegenüber.
  • Er isoliert sich, zieht sich zurück, meidet Menschen.
  • Er kann sich einfach nicht entspannen, selbst im schönsten Urlaub nicht.
  • Alles ist negativ, auch im Positiven sieht er nur das Schlechte.
  • Manche Depressive werden schnell aggressiv, andere gehen drohenden Konflikten sofort aus dem Weg und rennen sprichwörtlich davon.
  • Suchtverhalten kann ein Anzeichen sein – sei es der übermäßige Konsum von Alkohol oder auch von Zucker.
  • Typisch ist der sprunghafte Wechsel von der Depression in die Manie: Plötzlich haben Betroffene den einen großen Plan parat, der ALLES ändern wird (Auswandern, neuer Job, Kürbisse züchten). In einer solchen Phase werden auch abrupt Beziehungen oder Freundschaften beendet oder gegen neue eingetauscht, ohne dass der andere erkennen kann, warum.
  • „Ich will nicht mehr leben“, „Ich kann nicht mehr“. Wer von Depressionen gequält wird, sieht manchmal den Freitod als einzige Lösung. Hört Ihr so etwas von Eurem Partner, versucht, mit ihm zu reden und kontaktiert den Arzt Eures Vertrauens. Depressive nutzen solche Worte nicht, um andere zu erpressen. Manche sind wirklich so fertig, dass sie dem Leiden nur noch ein Ende setzen möchten

Was Eurem Partner nicht hilft

  • Sprüche wie: „Ach komm, draußen ist doch so tolles Wetter!“ oder „Komm endlich in die Puschen!“ oder „Stell Dich nicht so an!“ oder „Du musst einfach mal positiv denken!“ Wenn das so einfach wäre, würden Depressive es tun. Aber sie können es nicht, und ihnen geht es nur noch schlechter, wenn sie durch solche Kommentare ständig auf ihre Defizite hingewiesen werden.
  • In diese Kategorie fällt auch der blöde Spruch „Sei ein Mann!“. Depression ist eine Krankheit, keine (Charakter-)Schwäche. Wenn er nicht kann, hat das sehr wohl Gründe. Bei ihr übrigens auch.
  • „Du markierst ja nur!“ oder „Du willst ja nur im Mittelpunkt stehen!”, ist genauso verletzend wie unzutreffend. Nichts lieber als in der Versenkung verschwinden würden Depressive.
  • „In Afrika verhungern Kinder!“ Natürlich gibt es Menschen auf der Welt, denen es objektiv gesehen sehr viel schlechter geht. Aber das ändert nichts an der Depression und macht den Betroffenen nur noch mehr Kummer, weil es Schuldgefühle verstärkt.
  • Ja, eine Faschingsparty ist lustig. Aber nicht für jemanden, dem es seelisch gerade sehr schlecht geht, der Angst vor Menschen hat und am liebsten unsichtbar sein würde. Zwingt ihn nicht dazu, etwas zu tun, was er nicht möchte und akzeptiert, dass er gerade einfach nicht in der Lage dazu ist, auch „nur schnell auf nen Kaffee zum Nachbarn rüber“ zu gehen.

Was Eurem Partner hilft

  • Es ist oft schwierig, mit einem depressiven Menschen Kontakt aufzunehmen. Viele blocken ab oder behaupten, ihnen fehle gar nichts. Depression ist heute immer noch ein negativ besetzter Stempel, den keiner auf der Stirn haben möchte. Zu der Angst, was denn wohl die Leute dazu sagen würden, kommt die Angst „verrückt“ zu sein und in „der Klapse“ zu enden.
    Der erste Schritt, dem entgegenzuwirken ist, Euch selbst zu informieren: Was ist eine Depression überhaupt, welche Formen gibt es, welche Behandlungsmethoden? Und ganz wichtig: Wo in der Nähe findet Ihr Hilfe? Hier könnt Ihr einiges nachlesen, ansonsten scheut Euch nicht, selbst zum Arzt Eures Vertrauens zu gehen und ihm von Euch und Eurem Partner zu erzählen.
    Ich bitte Euch dabei eindringlich, nicht zu selbsternannten Heilern oder pseudopsychologischen Lehrern oder so genannten Coaches zu gehen! In jeder Stadt gibt es in den Krankenhäusern psychiatrische Ambulanzen mit Notfallsprechstunden. Dort findet Ihr fundiert ausgebildetes Fachpersonal, das Euch weiterhelfen wird und bekommt zügig und vor allem kostenlos einen Termin.
  • An dieser Stelle ein Wort an alle Alleinerziehenden: Bevor ich DeHasen kennenlernte, war auch ich jahrelang mit dem Mausebären alleinerziehend. Das war meiner Depression natürlich egal, sie kam regelmäßig wieder. Denn gerade als Alleinerziehende habt Ihr ein Stress-Abo. Wenn es Euch trifft und Ihr keinen Menschen habt, der Euch unterstützt – geschweige denn einen Partner – und es Euch sehr schlecht geht, lasst Euch krankschreiben. Es nützt niemandem, wenn Ihr Euch bis zur Erschöpfung durchs Leben schleppt, am wenigsten Euren Kindern und Euch selbst!
    In meiner akuten Phase war ich ein halbes Jahr zuhause, und in dieser Zeit habe ich es gerade mal geschafft, den Mausebärn morgens in die Kita zu bringen und nachmittags wieder abzuholen sowie einen Grundstandard an Ernährung und Hygiene aufrecht zu halten. Mit einem Job zusätzlich hätte ich das nie geschafft!
    Auch, wenn Ihr in eine Klinik müsst (keine Angst, für Euer Kind wird gesorgt werden), nutzt diese Zeit, um wieder Kraft zu tanken und zur Therapie zu gehen. Nur so habt Ihr eine Chance, weiterleben zu können. Eure Firma und Euer Umfeld sterben nicht, wenn Ihr ein halbes Jahr pausiert. Ihr allerdings sehr wohl, wenn Ihr es nicht tut!
  • Habt Ihr Euch informiert, ladet Euer (neues) Wissen nicht ungefiltert bei Eurem kranken Partner ab. Sich einzugestehen, depressiv zu sein, ist schwer genug. Wenn andere einen vehement darauf hinweisen und gute Ratschläge geben, fühlt man sich nackt und bloßgestellt und zieht sich noch mehr zurück. Versucht, das Thema behutsam anzugehen. Zum Beispiel, indem Ihr bei Euch zuhause unaufdringlich Lektüre zum Thema bereitlegt, die der Betroffene dann zur Hand nehmen kann, wenn er möchte.
  • Oder fragt Euren Partner vorsichtig, was denn mit ihm los sei. Lasst ihn reden, hört einfach nur zu, gebt keine Ratschläge. Das hilft schon ungemein.
  • Ist Euer Partner offen für Hilfe, begleitet ihn zum Arzt, damit er sich nicht allein und als Versager fühlt. Mir hilft die Erfahrung sehr, dass DeHasen auch in meiner tiefsten Depression bei mir ist und ich nicht einsam und verlassen an breiter Front kämpfen muss. Aber auch das musste ich erst einmal lernen.
  • Eine Depression kostet immense Kraft, Kraft, die für Haushalt oder Familie nicht mehr zur Verfügung steht. Gerade mit Kindern ist ein depressives Leben sehr anstrengend. Entlastet Euren Partner ab und an, schafft ihm Freiräume, damit er sich erholen kann. Aber Obacht: Nehmt ihm nicht alles ab, lebt nicht sein Leben für ihn! Depressive brauchen Aufgaben und einen Alltag, an dem entlang sie sich auf dem Weg zur Besserung aus dem schwarzen Loch wieder heraushangeln können.
    An dieser Stelle ein sehr wichtiger Ratschlag an alle Angehörigen: Unterstützung, Hilfe, Fürsorge, Liebe hilft Depressiven ungemein, wieder ans Licht zu finden. Aber  verliert Euch dabei selbst nicht! Gebt Euch selbst nicht auf – vor allem lauft nicht Gefahr, in die Therapeutenrolle zu rutschen oder den Partner alleine kurieren zu wollen. Das schafft Ihr nicht! Am Ende droht Euch selbst ein Burn-Out oder die Co-Abhängigkeit. Ich bin sogar der Meinung, dass es an der Zeit ist, einen Partner zu verlassen, wenn er Jahr um Jahr an seiner Depression festhält und jegliche Hilfe ablehnt. Und das sage ich als selbst Betroffene! Passt also bitte auf Euch und Euer Leben auf
    .
  • Weil Depressive erstarrt sind, fällt ihnen Bewegung unglaublich schwer. Dabei tut es so gut, Körper und Geist in Schwung zu bringen. DeHasen und ich tanzen. Früher auf Turnieren, heute nur noch so zum Spaß. Einmal die Woche ist Tanzkreis. Wenn ich depressiv bin, erfinde ich immer wieder neue Ausreden, nicht hinzumüssen. Obwohl es mein liebstes Hobby ist! Aber einmal fühle ich mich zu fett, das andere Mal von den Menschen dort überfordert, beim dritten Mal war die Woche zu anstrengend.
    Doch das Verrückte ist: Sobald ich den Trainingssaal betrete, die Luft schnuppere, die Musik höre und wir die ersten Schritte auf dem Parkett tun, bin ich ein anderer Mensch – nämlich wieder ich selbst. Es ist mein Anker, der mich im normalen Leben hält. Vielleicht findet Ihr ja gemeinsam ein Hobby, eine Sportart, bei der es Euch beiden ähnlich geht, bei der Ihr die Depression einfach für ein paar Stunden die Woche hinter Euch lassen könnt.
  • Stress ist das Futter der Depression. Je mehr Stress, umso stärker die Krankheit. Dummerweise ist ein Betroffener so in seiner Dunkelheit gefangen, dass er kein Licht am Ende des Stresstunnels sieht. Dann redet mit Eurem Partner und helft ihm, Ideen zu finden, wie er den Stress reduzieren kann. Wenn ich mal wieder nicht aus der Stressspirale finde, spreche ich mit DeHasen. In den allermeisten Fällen hat er einen Geistesblitz, der so einfach wie genial ist, auf den ich aber selbst nie gekommen wäre.
  • Das Glückskonto: Als es mir sehr schlecht ging, schenkte mir DeHasen ein großes Einmachglas und einen Block mit bunten Zetteln. Immer, wenn ich etwas Schönes oder Positives erlebte, sollte ich es aufschreiben und ins Glas werfen. Am Ende des Jahres öffneten wir das Glas und lasen gemeinsam, was ich auf meinem Glückskonto verbucht hatte. Ich war sehr erstaunt, was ich alles geschafft und Tolles erlebt hatte – denn in meiner (depressiven) Erinnerung war wie immer alles schwarz.

Akzeptieren, nicht negieren

  • Viele Depressive genesen vollständig, genauso viele wie ich zum Beispiel bleiben jedoch ein Leben lang depressiv. Dann muss man damit leben lernen. Und das funktioniert nur, indem man die Krankheit akzeptiert. Es hilft ungemein, wenn aus der Geheimniskrämerei ein offener Umgang und Austausch wird und Euer Partner merkt: Ihr steht hinter ihm, auch wenn seine Krankheit bekannt ist, auch wenn sie ein Leben lang bleibt.
  • Blöder Spruch, aber Wissen ist Macht: Wer weiß, wie eine Depression entsteht, welche chemischen Reaktionen dabei im Körper stattfinden, wie man sie behandeln kann, fühlt sich nicht mehr hilflos und kann auch anderen gegenüber selbstbewusster auftreten, die immer mal wieder fragen: „Oh Gott, wie hältst Du das nur aus?!“ Also informiert Euch. Wo, habe ich oben schon geschrieben.
  • Trigger (Reize) sind heimtückisch, weil kaum ein Partner weiß, was seinen Liebsten triggert und wann. Plötzlich geht es dem andern sehr schlecht, obwohl ihr überhaupt keinen Grund erkennen könnt. Redet miteinander und findet heraus, welche Schlüsselreize ihn in die Depression treiben. Das können einzelne Wörter sein, Erlebnisse, die bei ihm traumatisch besetzt sind, Orte oder bestimmte Ereignisse wie Urlaub.
    Achtet gemeinsam darauf, dass Ihr solche Trigger meidet oder damit umzugehen lernt. Nichts ist für Partner von Betroffenen schlimmer, als hilflos mit ansehen zu müssen, wie der Liebste sich im Kreis dreht und wendet und daran verzweifelt.
  • Depressive, die zwischendurch eine manische Phase haben, in der sie Berge versetzen möchten, überschätzen sich dann oft und bürden sich Dinge auf, die später wieder zu Stress führen. Helft Eurem Partner, indem Ihr ihn fragt, ob dieses Hobby oder dieses Projekt jetzt gerade wirklich sein müssen. Erinnert ihn daran, dass ihm zu viel Stress schadet.
  • Verachtet niemanden, der Medikamente nehmen muss und sprecht nicht abfällig über Psychopharmaka. Weil die wenigstens wissen, wann und warum Antidepressiva manchmal die letzte Rettung für Depressive sind, verurteilen sie Arznei als „Wunderpillen“, „bunte Pillen“, „Glückspillen“ oder gar als Drogen, Betroffene als „Junkies“ oder Leute, die sich einfach mal zum Spaß was einwerfen.
    Das ist sehr verletzend für Depressive! Oft ist ein Medikament die letzte Rettung vor dem (Frei)tod. Und gerade für chronisch Depressive, deren Hirnstoffwechsel dauerhaft außer Gleichgewicht ist, die einzige Möglichkeit, überhaupt ein normales Leben zu führen. Sind Medikamente bei Eurem Partner nötig, erklärt es Euch und anderen wie Diabetes: Ein Diabetiker, der kein Insulin erhält, wird auf Dauer ohne das Mittel  ebenfalls grausam krepieren.
  • Und zuguterletzt: Liebt Euren Partner wie bisher! Ich weiß, es ist schwierig. Aber dieses seltsame Wesen, das Euch gerade teilnahmslos gegenübersteht, ist nicht Euer Partner selbst. Es ist die Depression, die ihn besetzt. Und die ihn gerade lähmt, Euch das zu sagen, was er tief innendrin empfindet: Ich liebe Dich und danke Dir dafür, dass Du da bist.

“Ich liebe Dich, weil Du es gerade nicht kannst.”
DeHasen


*Auch an dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass ich weder Therapeut noch Arzt bin. Ich schreibe meine Erfahrungen als Betroffene nieder. Wo Ihr fundierte Hilfe findet, lest Ihr hier.
Zeichnung im Header: Matthew Johstone

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Nachts sind alle Torten grau

Die Küche ist meine Gruft und der Kühlschrank mein Grab.
Wenn es dunkel wird und alles schläft (und ich überprüfe sehr genau, ob alles schläft!) steige ich hinab in mein Verderben.
Ich tauche ein und tauche ab ins zwielichtige Heil, grabe meine Hand hindurch und beiße mich fest an allem, was meinen Weg kreuzt, sauge, sauge, sauge, bis nur noch eine leere Hülle bleibt.

Die Küche ist meine Gruft und der Kühlschrank mein Grab.
Meine letzte Bastion, aufs Blut verteidigt wie mein Leben.
Aber ist das noch ein Leben?

„Na, Frau W.“, fragt mein Prof, nachdem wir freudig festgestellt haben, dass ich inzwischen so ziemlich alle Stolpersteine auf meinem Weg zum Glück beseitigt habe, „was wollen wir denn nun angehen?“. „Weiß nicht“, weiche ich aus. „Wie wär’s mit …?“ und ziehe mir eine belanglose Banalität aus der Nase. Er sieht mich an mit diesem Blick, den ich hasse, denn ich weiß, jetzt kommen die Worte, die ich hasse. „Frau W.“, tadelt er, „Sie können die Zukunft nur beeinflussen, wenn Sie die Gegenwart ändern“. Und während ich immer tiefer in meinem Sessel zusammensinke, schneidet er mir mit seinen Worten ins Fleisch: „Wir müssen uns noch um Ihr Essverhalten kümmern.“

Es ist zum Kotzen. Kann er mich damit nicht einfach in Ruhe lassen? Sich um seinen eigenen Kram kümmern? Nein, kann er nicht. Denn mittlerweile ist es so schlimm, dass ich mir die Seele aus dem Hals reihere. Das Essen und ich, wir konnten noch nie gut miteinander. Mal haben wir uns gehasst und monatelang gemieden, mal waren wir so dicke, dass es sich auf meinen Rippen festgefressen hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals normal gegessen zu haben. Und ich kann mich nicht daran erinnern, dass Essen jemals kein Dämon für mich war, der mich besetzt und bezwungen und seinem Willen unterworfen hat.

Mein Tempel liegt auf dem Heimweg vom Job und ist dem Gott der Völlerei geweiht. Diesmal nicht, bitte nicht, bete ich jedes Mal, wenn ich auf ihn stoße. Doch er zieht mich an, zieht mich hinein in seinen Bauch und spuckt mich erst wieder aus, wenn ich ihm genug Opfer dargebracht habe. Der Lohn ist eine Tüte voller Essen, egal welches, die ich zitternd nach Hause trage, verstecke, bis endlich, endlich alle zu Bett gegangen sind und ich sie dann endlich, endlich packe, aufreiße, in mich hineinstopfe, mehr, immer mehr, schonungslos, besinnungslos, bis es mir zu den Ohren herausquillt und ich wie ein zugedröhnter Junkie auf der Couch hänge, der sich gerade einen Schuss verpasst hat.

Wie ein Baby klein und weich
und immer hungrig, doch ganz gleich,
was ich ihm gebe – es tut mir weh
es schreit bis es speit.
Es hält mich wach Tag und Nacht.

Binge Eating nennt das die Psychologie, was soviel heißt wie: Essen bis zum Exzess. Wenn ich einen Anfall habe, verlasse ich meinen Körper, flüchte aus der Kontrollstation, schwebe nach oben und schaue erstaunt auf die Orgie, die sich da zu meinen Füßen abspielt. Meist beginnt es nach dem Abendessen, wenn ich zur Ruhe komme. Und endet spät in der Nacht, wenn ich mich grün- und blau gefressen habe. „Was essen Sie denn da so?“, fragt mein Prof. Ich will ihm nicht antworten, denn ich schäme mich fürchterlich: „Eine 500-Gramm-Tafel Milka und Keks, zwei Schüsseln Müsli, danach zwei Käsebrote, eine Tüte Chips, wieder Schokolade, den Rest Pizza vom Mittag, zwei Tüten gebrannte Mandeln“, würge ich hervor. „Und wenn gar nichts mehr da ist, fresse ich auch noch die Süßigkeitenschublade des Mausebären leer.“

Es ist die große Scham, die mir auch jetzt beim Schreiben in den Augen brennt. Weil ich genau weiß, wie nun alle schockiert und empört ihr Maul aufreißen und schreien: Oh. Mein. Gott. Kann die sich nicht beherrschen?!

Nein, ich kann es nicht, denn ich bin süchtig, und das ist meine allergrößte Schande, dass ich es nicht einfach schaffe, mich zu kontrollieren, im Griff zu haben, dass ich aber- und abermals scheitere und versage und mich auch noch selbst verrate! Denn nach einer solchen Nacht quillt der Gelbe Sack über. DeHasen sagt nichts am nächsten Morgen, aber er sieht es. Schweigend räumt er meinen Müll weg, weil ich ihn gebeten habe, niemals darüber zu sprechen. Dem Mausebären aber kann ich das nicht verbieten. „Mama, wo sind meine Marzipantaler hin?“, fragt sie. Und ich wende mich ab und kann nichts sagen, denn was soll ich antworten außer: „Deine gefräßige Mutter konnte sich nicht beherrschen und hat selbst ihrem sechsjährigen Kind den letzten Schokoriegel weggefressen.“

Zwischenzeitlich hatte ich einen Ausweg gefunden, im wahrsten Wortsinn. Der erste Versuch war leider einfacher als gedacht und so manifestierte sich, was zur neuen Sucht wurde: Wer nach dem Fressen kotzt, ist aus allem fein raus. Wer danach fastet, Diätpülverchen schluckt oder exzessiv Sport treibt, übrigens auch. Die Bulimie hat viele Gesichter und viele Auslöser. Ich bin es müde, nach den meinen zu suchen. Ich weiß, dass mein geringer Belastungspegel dafür verantwortlich ist, und das reicht mir.

Wer frisst und kotzt, hat noch nicht das Leben gefunden, das ihm schmeckt.

Der Prof ist besorgt. „Jetzt“, sagt er, „ist es aber höchste Eisenbahn, das Problem anzugehen!“ Wir üben, nichts mehr zu schlucken und nichts mehr zu erbrechen. Zweiteres klappt, ersteres nicht. Ich kehre zurück zum Binge Eating. Bis mein Körper ganz wund ist, mein Gesicht verquollen und auch DeHasen zum ersten Mal ganz vorsichtig den Einwand wagt, dass „das alles doch ein bisschen zu viel geworden“ sei.

Es hat lange gebraucht, bis ich das auch gesehen habe. Nicht nur von außen, sondern durch meine eigene Brille. Aber jetzt ist es soweit: Ich setze mich auf Entzug, öffne die Türen zu meiner Burg (und schließe die vom Kühlschrank) und sage dem letzten Dämon in meinem Leben den Kampf an. Im Mai wollen wir heiraten, DeHasen und ich. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich beginne eine Kur mit Almased. Jeder denkt, ich nehme ab, um ins Hochzeitskleid zu passen und hält gute Tipps parat. Ja. Ein paar Kilos weniger sind ein netter Nebeneffekt, in der Tat. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dem Essen die Macht über mich zu nehmen. Es geht darum, ein ganz normales Leben führen zu können, ohne jede Sekunde überlegen zu müssen, wo ich den nächsten Bissen herbekomme. Leider kann ich nicht wie ein Alkoholiker oder Raucher mein Leben lang auf mein Suchtmittel verzichten. Also muss ich mich damit arrangieren. Almased ist eine Trinkkur. Sie hilft mir zu lernen, Stress nicht mehr durch Kauen zu kompensieren. Als ich merke, dass ich auch lebe, wenn meine Zähne nicht ständig am Mahlen sind, ist der erste Schritt geschafft.

Das war letzte Woche.

Es bleibt ein Balanceakt zwischen Gedeih und Verderben. Bulimiker dürfen in einer Therapie normalerweise keine Diätdrinks nutzen, weil sie damit dass Problem von der Kloschüssel in den Mixer verlagern. Mir muss klar sein, dass mein Pülverchen kein Wunder- und schon gar kein Allheilmittel ist. Während ich mich entwöhne, gewöhne ich mir an: Stressbewältigung ohne Essen. Mein Leben von Ballast zu befreien und nicht mehr alles zu schlucken. Stattdessen zu sagen, was ich will. Das ist mühsam. Aber es wird. Mittlerweile esse ich eine feste Mahlzeit am Tag, trinke zweimal Almased, bin gesättigt, und das Verlangen, mir danach vollends die Kante zu geben, schwindet.

Gestern Abend habe ich zum ersten Mal die Tankstelle tatsächlich nur mit einem Kassenzettel für 60 Liter Diesel in der Hand verlassen und meinen Fresstempel auf der Heimfahrt ignoriert.
Es hat mich sehr viel Energie gekostet.
Aber ich habe es geschafft.

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