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Schatzsucher

long time no see…

Ich habe Euch sträflich vernachlässigt.
Vor allem aber habe ich mich selbst vernachlässigt.

Alles, was ich Euch in den vergangenen Artikeln geschrieben habe, hat sehr an meinen Nerven gezerrt… mit den bekannten Auswirkungen.

Seit ein paar Wochen entspannt sich die Lage: Mein Existenzgründerzuschuss ist durch, ich bin jetzt komplett selbstständig, es sind Ferien, DeHasn war mit dem Mausebären eine Woche im Urlaub – und ich hatte Zeit. Es ist unglaublich, wie wertvoll Zeit ist. Vor allem Zeit, sich zu resetten.

Ich habe gemerkt, wie sehr mir diese Minuten und Stunden gefehlt haben. Dazusitzen, sich zu ordnen, Prioritäten zu setzen, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Bis vor kurzem hatte ich dafür überhaupt keinen Kopf. Ich hetzte und hetzte und machte und machte…. und wäre wohl wieder einmal ins Burnout gerannt. Was hat mich abgehalten?

Abgesehen von meiner tollen Familie und meinen Freunden *kuss!* denke ich, dass es zum größten Teil mit meinem Job zusammenhängt. ENDLICH tue ich wieder etwas, was mir Freude macht, was für mich einen Sinn ergibt. Vor allem macht es mich stolz, nun für mich verantwortlich zu sein, MEINE Geschäfte zu führen (und nicht immer den Karren für jemand anderen aus dem Dreck zu ziehen). Es tut mir so gut, meine Zeit einzuteilen. Das ist eine große Freiheit, die ich sehr genieße: Habe ich morgens um fünf einen  Flow, dann arbeite ich eben morgens um fünf. Habe ich mittags keine Energie mehr, tanke ich bei einem Nickerchen auf. Es ist so viel effektiver, so zu arbeiten. Und so zu leben!
Ich arbeite wohl mehr als zuvor. Aber es stresst mich nicht mehr.

Langsam, ganz langsam lege ich mich wieder frei. Geduld braucht das, aber es bringt auch unendliche Ruhe – meditativ, wie das Sandwaschen am Fluss auf der Suche nach Gold.

Den Klinikaufenthalt habe ich gecancelt. Ich frage mich, wie ein depressiver Mensch diese Bürokratieberge bewältigen soll, bis er überhaupt einmal einen Platz in einer für ihn passenden (!) Klinik erhält. Und dazu noch die zu ihm passende (!) Behandlung. Viel zu viel Stress. Und dann: Was ist, wenn man wieder zuhause ist? In der alten Umgebung? Da nehme ich lieber den direkten Weg: sich zuhause besser fühlen lernen.

Das Essen ist nach wie vor meine Krux, aber jetzt habe ich Zeit, mich auch darum zu kümmern. Vor allem ist es ein Umlernen von Gewohnheiten. Und das dauert – zwei Schritte vor, einer zurück. Immerhin! Ein Schritt nach vorne!
Es ist wie beim Tanzen. Da dreht man den Walzer sein Leben lang rechts rum und soll auf einmal links rum zirkeln. Heidewitzka! Das klappt nur mit viel Training. Und Balance. Und einem, der einen sicher im Arm hält <3

Ab er es wird. Und deswegen habe ich jetzt auch die Hintergrundfarbe der Bloghütte auf Weiß geändert. Auf einer Seite zumindest. Ich finde, das ist ein guter Anfang :-)

Passt auf Euch auf!


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Die Angst, Du selbst zu sein

Ich bin wieder hier. Nicht in meinem Revier.
Sondern an genau dem Punkt. Also doch in meinem Revier.
Ich wusste, wusste, wusste, dass es schief gehen würde. Aber ich wollte, wollte, wollte es allen beweisen. Vor allem mir. Dass ich kein Schwächling bin. Dass ich über mich hinauswachsen werde. Dass ich Dinge tun kann, die ich abgrundtief verabscheue, mich dazu zwingen, weil es mir zeigt, wie stark ich bin.

Jo. Habe ich auch alles geschafft. Mit viel Kraft. Mit viel Energie. Mit viel Überredungskunst. Mit vielen Bauchschmerzen. Mit dem Gefühl, mich selbst zu verleugnen.

Aber fangen wir ganz vorne an…
Ihr erinnert Euch. An meinen Ausbruch im Frühling 2014. Weg aus diesem PR-Management-Gedöns. Wie frei habe ich mich damals gefühlt! Wie richtig! Auf dem Weg in MEIN Leben! Tja. Und dann kam der Anruf. Von meiner lieben Ex-Kollegin. Ob ich nicht, ich könne das doch so gut und überhaupt, ich müsse ja nur Texte schreiben.
Ganz ehrlich gesagt weiß ich nicht, was mich damals geritten hat, zuzusagen. Doch, ich erinnere mich. Wir saßen gemütlich auf der Couch in der Lounge, ich extra in meinen ollen Klamotten (Revoluzzer), und die Regeln waren klar: nur nach meinen Bedingungen. Ich gab  dem Team sogar meine Bloghütte zu lesen, damit sie verstünden, auf was sie sich einließen.IMG_3366

Jo. Nennen wir es Anpassungsschwierigkeiten. Mit viel Unterstützung von meinem Prof habe ich mir ein Standing aufgebaut, mir einen respektvollen  Umgang erkämpft, mir erfolgreich bestätigt, wie wohl ich mich mit all dem fühle.

Dann kamen die Anrufe. Optimisten nennen es Kundengewinnung, Realisten Kaltakquise. Es gibt Menschen, die lieben es, bei fremden Leuten anzuklingeln und Dinge zu präsentieren mit dem Ziel, sie zu vertickern. Ich hasse es.

Nein, Ihr merkt das natürlich nicht. Gelernt ist gelernt. Bei Meetings, auf Elternabenden, im Smalltalk … ich bin eine ganz normale, freundliche, humorvolle Frau. Wenn keiner ein Thema findet, ich weiß immer, wie das Gespräch vorankommt. Ich spüre die feinsten Stimmungsnuancen und kann Euch so lenken, dass sich zum Schluss alle wieder lieb haben. Toll, sagen alle. Die ist cool.

Aber in mir drin schreit es. Jedes Mal. Wenn ich weiß, ich treffe gleich auf jemanden, gehen alle Alarmglocken an. Ich wappne mich IMG_2789zur Flucht. Und kann doch nicht weg. Ich muss es durchstehen. Mit einer riesigen Angst in mir.

Geht es mir gut, komme ich damit zurecht. Bei vielen, die ich mag, kann ich es sogar ganz verdrängen. Aber ich muss aufpassen, dass ich mich nicht überfordere – zwei, drei Treffen mit Fremden kurz hintereinander sind machbar, danach wird es kritisch. Dann  brauche ich eine Pause. Geht es mir schlecht, wird das Fremde zum Ungeheuer. Jeden Morgen muss ich mich wappnen, um mit eiserner Rüstung den Tag zu überstehen.

Jo. Und jetzt stellt Euch vor, Euer Job besteht auf einmal nur noch darin, fremde Leute anzuquatschen, um Ihnen Dinge, die sie wahrscheinlich nicht brauchen, anzudrehen. Stellt Euch den Alarm vor, der jedes Mal ausgelöst wird, lange, bevor ihr zum Hörer greift. Die Panik, wenn sich jemand meldet. Und die Kraft, die es kostet, all das zu unterdrücken – weil es ja der Job ist. Und irgendeiner muss den Job ja machen. Und Du kannst das doch so gut, sagt der Chef.

Moment. Aber war für genau diesen Job nicht ganz was anderes vereinbart? So am Anfang? Stand da nicht was von “nur Texte schreiben”?

IMG_3087Jo. Aber man wächst doch mit seinen Aufgaben, sagen alle. Und wenn man es nie versucht, weiß man nie, ob es nicht doch klappt, sagen alle. Und man wird stärker, indem man sich seinen Ängsten stellt, sagen alle. Und Du bist doch erfolgreich, Du kannst den Leuten doch was verkaufen, sagen alle.

Also machte ich weiter. Und weiter. Und weiter.

Stunden haben mein Prof und ich damit verbracht, diese Arbeit auseinanderzunehmen. Immer, wenn ich gut gelaunt kam und sagte: JETZT ist alles gut, reichte ein Blick von ihm, und das Kartenhaus fiel   zusammen. Aber ich wollte es schaffen! Ich wollte das Geld verdienen und in meinem Job glücklich sein, verdammt noch mal!

Ich würde noch heute da sitzen und mit dem Hörer in der Hand vor mich hinzittern, wenn mich das Nähen nicht gerettet hätte. Huh, klingt das pathetisch. Ist aber so. Mitten in dieser Jobkrise kommen Leute auf mich zu und interessieren sich für das, was ich zuhause erschaffe. Ich muss sie nicht hinter ihrem Telefon vor locken. Sie kommen von ganz alleine! Warum? Gute Frage. Ich denke, es ist die Freude an dem, was ich tue, die auch andere begeistert. Waren wir genau da vor einem Jahr nicht schon einmal?

Jo. Ein letzter Arschtritt noch, dann ist’s gut, muss sich mein Karma gedacht haben. Ich bekam die Kündigung zum Ende des Jahres. Nur einen winzigen Moment ließ ich mich von der Depression in die Opferecke ziehen (“Du hast wieder versagt-Du kannst nichts-Du wirst nie im realen Leben bestehen-bliblablub”). Aber dann wurde ich sauer. SO RICHTIG SAUER!!!

Für DIESEN JOB habe ich vor einem Jahr meine Pläne fallen lassen!!! Für DIESEN JOB habe ich mein Können, meine Energie, meine Erfahrung gegeben!!! Für DIESEN JOB habe ich meine Bedingungen und mich selbst verraten!!! Ich habe mir den ARSCH UND DIE SEELE AUFGERISSEN!!!

AAAAAAARGH!

Dann halt nicht. Dann investiere ich meinen Grips und meine Kraft eben in mich selbst! Und schenke all das, was ich die vergangenen Jahrzehnte gelernt und getan hab nur noch Menschen, die ich mag: Euch. Und mir.
Die ganze Geschichte erzähle ich Euch ein anderes Mal, aber gerade bin ich dabei, mich mit meinem eigenen Modelabel selbstständig zu machen. Und, oh Wunder, seit ich das beschlossen habe, öffnet sich eine Tür nach der anderen.

Jo. Klingt alles so einfach, oder? Isses aber nicht. Denn ich will diesen Job gewissenhaft bis zum Ende ausführen. Bis zum letzten Tag. Damit ich mir NICHTS nachsagen lassen kann. Gelernt ist gelernt.
Geht nur leider nicht. Als ich die fünfte Nacht hintereinander wieder morgens um drei wach lag, war Sense. Gottseidank kenne ich mich mittlerweile und merke genau, wann das nächste Tief anrollt.
Also habe ich in mich reingehört. Nein, sagte mein Ich. Ich will da nicht mehr hin. Ich unterstütze Dich nicht länger bei diesem Wahnsinn. Du hast wieder mal meine ganzen Reserven aufgebraucht. Und wenn Du doch gehst, KOTZE ICH DIR VOR DIE FÜSSE!!

Mein Arzt schrieb mich sofort krank. Ich habe das gar nicht 11225081_376314909205802_5655480503466403323_nverstanden. Ich komme mir vor wie ein Lügner, jemand, der sich extra Urlaub ergaunert, der sich vor der Arbeit drückt. Ich sehe, dass es mir schlecht geht, aber ich begreife es nicht. Ich habe das Gefühl, meinen Chef im Stich zu lassen. Er muss ähnlich denken. Entsprechend sarkastisch war die Reaktion aus dem Büro: die letzten Wochen noch blau machen, von wegen krank, jaja.

Wenn ich an einem Schuld habe, dann an dieser Reaktion. Denn ich habe mich die ganze Zeit hinter einer Fassade versteckt. Die Tüte mit dem immerwährenden Lächeln über den Kopf gestülpt. Ich wollte es so. Ich wollte, dass jeder dachte, es ginge mir gut, ich schaffe das!

Jo. Was lernen wir daraus? Dass auch ich als alter Depressions-Hase noch immer Fehler mache und daraus lerne, lernen muss. Aber auch etwas ganz Wunderbares: Wenn Ihr Euch traut, die Tüte vom Kopf zu ziehen,  hat Euer wahres Ich endlich die Luft, die es zum Leben braucht.

Gebt ihm die Chance. Habt keine Angst davor!


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Ooops, I did it again!

Hallooo? Was hast’n Du da bei Deinem Facebook-Account gemacht? Den Arbeitgeber aktualisiert? Du fängst wieder einen Job an? Bei einer Agentur?! Willst Du uns VERÄPPELN?!?

Ähm. Nein. Die ham da nur PCs.

Spässle gemacht (der hat länger gedauert, gell? ;-)).

Ja. Richtig. Am Montag starte ich meinen neuen Job. Bei einer Agentur. Als Pressetante. Warum das trotzdem kein Widerspruch in sich ist, erzähle ich Euch hier.

Mitte Oktober. Mein Telefon klingelt. Das ist an sich nichts ungewöhnliches so zwischendurch. Aber diesmal zeigt das Display eine Frankfurter Vorwahl. Oh, no. Business calling. Kurz darauf Entwarnung: ist nur meine alte, liebe Kollegin, mit der ich lange zusammengearbeitet hatte. Beim Bauriesen, der sich von einem Ex-Ministerpräsidenten an die Wand fahren ließ, welcher dann als Ex-Vorstandsvorsitzende das sinkende Schiff verließ. Haha. Aber das ist eine andere Geschichte und soll…

„Na“, fragt meine alte Kollegin. „Wie gehIMG_1104t’s Dir denn so?“ – „Perfekt!“, strahle ich. „So viel Zeit, so viele Ideen, so viel Kreativität auf einmal! Endlich trage ich die Stiefel, die mir passen! Ich schreibe, ich nähe, ich reite, ich unterrichte, ich….“
„Du“, unterbricht sie meinen Flow. „Die Frau X. sucht dringend jemanden für ihre Agentur. Hast Du nicht Lust?“

Wunder. Widerstand. Würgereiz.

„Ähm. Ne, Du, eigentlich ist alles gut so grade wie es ist.“
„Ach, meld’ Dich doch mal da, ist doch ’ne ganz Nette!“

Ja, ich weiß. Witzigerweise kenne ich Frau X. seit rund 15 Jahren. Erst liefen wir uns ständig im ZDF übern Weg und dann bei besagtem Bauriesen. Also gut. Ich will nicht unhöflich sein und schicke Frau X. eine Mail. Die hat sich gewaschen. Sie verlinkt in der ersten Zeile sofort auf meinen Blog und bringt deutlichst zum Ausdruck worauf ich so gar keinen Bock habe. Wollen wir doch mal sehen!

Die Antwort kommt stanteIMG_1105 pede und lässt mich die Augen reiben: „Cool“, schreibt Frau X., „wann kommen Sie vorbei?“

Okay. Die krieg’ ich noch! Wir verabreden uns auf einen Kaffee. Auch noch dort, wo mich mein letzter Flashback hinführte: in Mainz. Am Morgen schlüpfe ich in meine zerrissenen Jeans, meine Biker-Boots, verhänge mich mit einem Palästinensertuch und komme mir vor wie Günter Wallraff undercover. Wenn DAS niemanden abschreckt!

Auf der Fahrt in die altbekannte City die erste Überraschung: Es tut ja gar nicht mehr weh? Ich stelle mein Auto auf den Kupferbergterrassen ab und trete aus dem Parkhaus. Die Stadt liegt mir zu Füßen. Jeder einzelne Weg, den ich vor Jahren beschritten habe. Mich übermannt Zärtlichkeit (na, heute schon Euren Gefühlen nachgespürt?). Moi goldisch Meenz.

Da ist die Agentur. Da ist der KlinIMG_1106gelknopf.
Die Tür öffnet sich. Heraus schaut eine junge Frau. Sie trägt: zerrissene Jeans, Biker-Boots und ein Karohemd.

Ich trete ein und werde umfangen von Wärme und Herzlichkeit. Ein Lachen liegt in der Luft – und Kaffeeduft. Frau X. bittet mich auf die Couch, ganz ohne Psychospielchen, und wir reden. Und reden. Und reden. Was sie so macht, was ich so mache, was ich garantiert nie wieder machen werde. Über spannende Projekte und meine Aufgabe – zu schreiben, über die Geschichte hinter der Geschichte (Gruß an Großmeister Guido*). Wegen Personalnotstands braucht sie dringend jemanden, der das übernimmt.

„Warum“, frage ich, „nehmen Sie keinen von den vielen freien Journalisten, die da draußen rumlaufen?“
„Weil“, antwortet sie, „keiner so gut schreiben kann.“

Ich schlucke. Und sage dann: „IMG_1107Na gut. Aber nur 15 Stunden die Woche. Flexible Einteilung. Homeoffice. Keine Events. Keine Hosenanzüge. Keine Meetings. Und Schreiben frei Schnauze.“
Sie schluckt. Und sagt dann: „Einverstanden.“

Der Kreis schließt sich. Nach Jahren habe ich wieder meinen Beruf gefunden. Meine Berufung. Und bleibe mir dabei selbst treu. Keine Kompromisse. Keine Baustellen. Und genug Zeit, trotz eines Jobs weiterhin all das zu pflegen, was ich gerade entdeckt habe und nie wieder aufgeben möchte: Meine Familie. Meine Trainerausbildung. Meine Nähleidenschaft („Boah, Mama, sind die Kleider UNCOOL!“). Meinen Blog. Und mein Leben.

Bonjour, ma vie!

An dieser Stelle liebe Grüße an meinen Prof, der in der letzten Sitzung augenbrauenzuckend den roten Faden in meinem gegenwärtigen Leben anmahnte. Voilà, Monsieur. Hier ist er.

Danke, DeHasen, dass Du mir das alles ermöglichst. Dass Du mir die Freiheit gibst, mich selbst zu finden, die so viel Energien in mir freisetzt. Danke für Deine Weisheit, Deine Fürsorge und für Deine Liebe.

*Guido Knopp, eheamilger Chef der Redaktion Zeitgeschichte im  ZDF, der in seiner Sendung “History” immer die Geschichte hinter der Geschichte suchte.

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Au revoir!

Es gibt nichts, was mich hält, au revoir!
Vergesst, wer ich war, vergesst meinen Nam’n.
Es wird nie mehr sein, wie es war.
Ich bin weg, au revoir!

Es ist schon unheimlich: Ich drehe auf der Heimfahrt das Radio auf. Und da singen Mark Forster oder Sido oder beide gemeinsam (so genau weiß man das nicht) Au revoir. Als ob sie mich seit Stunden beobachtet, meine Gefühle gescannt und mir dann dieses Lied auf den Leib geschrieben hätten. Krass. Und so cruise ich ein letztes Mal laut mitgrölend über die Hanauer Landstraße/ A661/ A3/ A5/ B42/ L3094 nach Hause: Es gibt nichts, was mich hält, au revoir!

Hä? Moment mal! Du hast doch grade vor fünf Monaten da angefangen? Den coolen neuen Job! Als Pressetante! Was’n jetzt?! Ham die Dich gekündigt?!Jep.

Hä? Und von was lebst Du jetzt?- Ähm. Von Luft und Liebe.

Und Deine Karriere? Bist Du Dir wirklich sicher? Mann, einfach
alles hinschmeißen!
Lass mich überlegen….jep.

De Hasen! Was sagt De Hasen dazu?Ganz ehrlich: Es war De
Hasens Idee. Und ich bin ihm verdammt dankbar dafür.

Aber warum?! - Better to write for yourself and have no public, than to write for the public and have no self.

Das versteh’ ich nicht!Lies einfach dies hier. Und das.

Manchmal ist es Zeit, einen Schnitt zu machen. Nicht, weil man depressiv ist oder bandscheibengeschädigt oder faul oder reich. Nein. Weil das Leben, wie es sich die vergangenen Jahre entwickelt hat, nicht mehr passt. Weil es zwickt und kratzt und wundreibt  und einem die Luft abschnürt.

Dann hat man die Wahl: sich weiterquälen. Oder die alte Haut abstreifen. Um dann vor dem Spiegel zu stehen und festzustellen: Ich kann mir wieder in die Augen schauen.

So unheimlich einfach ist das. Und so unheimlich schwer.

Es hat lange gebraucht, bis ich mich dazu durchgerungen habe, meine Kleider abzulegen. Ich danke von Herzen De Hasen und meinem Prof. Nicht, weil sie mich dazu überredet hätten. Sondern weil sie mir Mut machten, herauszufinden, wer ich bin. Und ich danke Anna, dass sie mir die Chance dazu gab.

Wie geht’s denn jetzt weiter? Was machst Du denn jetzt bloß?
- Tja. Lasst Euch überraschen!

Ich spring in Singapur in das kalte Wasser
Ich such das Weite und dann tank ich neue Kraft da
Ich seh Orte, von den’ andere nie hörten
Ich fühl mich wie Humboldt oder Steve Irwin
Ich setz mich im Dschungel auf den Maya-Thron
Auf den Spuren von Messner, Indiana Jones
Der Phönix macht jetzt ‘n Abflug
Au revoir, meine Freunde, macht’s gut
Ich sag dem alten Leben Tschüss, Affe tot, Klappe zu.

Songtext: Au Revoir von Mark Forster

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