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Geschafft

Ich – wir – haben es geschafft! Das Bild oben zeigt uns um Mitternacht bei unserer Feier, Frisuren und Outfits völlig aufgelöst – und wir beide überglücklich.

Zu diesem Zeitpunkt liegen 16 Stunden voller Aufregung im Fokus dutzender Menschen hinter mir. Und ich bin mächtig stolz, dass es trotz allem so ein wunderbarer Tag war und ich all meine Sorgen vergessen konnte. Mein Aussehen, was die Leute von mir denken… alles war mit einem Mal so egal. Und alle, wirklich alle Gäste waren zauberhaft und sagten uns immer wieder, wie schön wir selbst und unser Fest sei.

Der allerschönste Moment für mich war, als DeHasen mir den Ring an den Finger steckte. Ich musste so weinen in diesem Augenblick. Denn ich war so DSC04781erleichtert…mit einem Mal war ich eine Ehefrau, wir eine richtige Familie – sogar auf dem Papier – das Leben als alleinerziehende, sorgenbeladene, depressive Mutter ist endgültig vorbei.

Natürlich, ich weiß: Die Depression wird mich weiter begleiten, ein Leben lang. Aber es ist so unendlich leichter, wenn da jemand ist, der das mitträgt, wenn da etwas ist, das mich mitträgt: absolutes Vertrauen, eine Familie und eine große innige Liebe.

Nun sind wir zwei Tage verheiratet, sitzen im sonnigen Garten unserer Bloghütte, haben Besuch aus aller Welt – und noch immer ist es wunderbar. Ich bin sehr glücklich, dass ich mich getraut habe.

“Ach, Schatz”, sagt DeHasen gerade und verdrückt eine Träne, “wir haben so ein schönes Leben”.

Ja, das haben wir.

Passt auf Euch auf!


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Hier spricht die Braut

Die Depression schreibt die längsten Geschichten. Und so sitze ich schon um exakt 4.19 Uhr in der Früh am Küchentisch – die Katze reibt sich verwirrt die nachtmüden Augen – und schreibe. Stunden habe ich mich im Bett hin- und hergequält, meinen Geist bezwungen, meinem Körper Entspannung empfohlen – und doch versagt. Hello darkness, my old friend. So was von versagt aber auch, ich, die ich alle technischen Mittel gegen drohende Depressionen bis zur Perfektion ausgefeilt habe. Ich, die sich mit knapp 40 immer noch triggern und in den Wahnsinn treiben lässt, als wäre sie nicht Herrin ihrer Sinne.

Verdammt, verdammt, verdammt. Verdammt seien diese Situationen, die all das in mir auslösen, die mein Gehirn auf Autopilot schalten, Patricia an Black Box, wo bist Du?!

Das vergangene Wochenende war eine einzige Fressattacke. Meine Haut bedankt sich mit Ausschlägen, die Augen umschuppt wie ein garstiger Tiefseefisch. Seit gestern Nacht ist mir übel, ich werde krank vor Sorge, ob es eine neue depressive Phase wird. Wäre es doch nur ein Magen-Darm-Infekt! Etwas, woran ich nicht schuld bin!

Aber ich bin schuld, denn ich bin die Braut. Ich liefere mich aus, einem rauschenden Fest, 52 Menschen, für die ich der strahlende Mittelpunkt der Feier sein soll. Wir haben ein schönes Fest geplant, DeHasen und ich. Beide zusammen. Aber statt mich darauf freuen zu können, ist mir, als ginge ich zum Schafott. Der alleinige Gedanke daran versetzt mich in Panik, macht mich krank. Seit einem halben Jahr kenne ich das Datum. Seither nehme ich ab, um eine schöne Braut zu sein. Was regelmäßig in der nächsten Fressattacke endet. Seither achte ich auf mein Gesicht. Was regelmäßig in der nächsten Quetscherei vor dem Spiegel endet. Wie soll ich das an diesem Tag nur verbergen? Wie soll ich mich nur an diesem Tag verbergen? Und wieso kann ich DeHasen nicht einfach den Gefallen tun, meine Klappe halten und mich bedingungslos auf unsere Hochzeit freuen, auf das Ja zueinander, auf die Menschen, die da sind, um uns zu feiern?

Weil ich sie kenne. Sie werfen spitze Stacheln aus, so geschickt, dass sie später behaupten können, ich hätte es mir nur eingebildet:

„Wie, Du hast zwei Kleider zur Auswahl? Wie dekadent!“
„Willst Du das Kleid wirklich anziehen?“
„So, Ihr nehmt also nicht die Band?“
„Die Haare vom Mausebären lässt Du am besten offen, sonst sieht das später total schlimm aus.“
„Du nähst ja ganz schön, aber das Kleid musst Du ihr das nächste Mal nicht mehr anziehen.“
„Also ICH würde die Haare ja hochstecken.“
To be continued.

Ja, ich kenne sie, und sie werden meinen Tag dazu benutzen, mich wieder einmal zu vergleichen. Mit anderen. Mit früher. Sie werden feststellen, dass diese Hochzeit nicht die ist, die sie feiern würden. Sie werden feststellen, dass ich in den vergangenen Jahren zehn Kilo zugenommen habe. Sie werden feststellen, dass meine Haut akne-
narbig und mein Kleid nicht das ist, was ihren Vorstellungen entspricht.

Vielleicht sagen sie auch gar nichts und rümpfen nur die Nase und heben die Augenbraue. Oh, wie gut ich das kenne. Wie gut ich weiß, was es heißt, nämlich: Du bist nicht gut genug und wirst es niemals sein.

Vielleicht denken sie auch gar nicht darüber nach, was sie sagen, wie sehr mich ihre Worte VERLETZEN, weil jedes einzelne ein Trigger ist, das mich in die Vergangenheit schleudert, aus der ich mich ohnehin immer nur mit sehr viel Anstrengung zurück in den Moment holen kann. Wie soll mir das an meinem Hochzeitstag gelingen???

Dazu die vielen Menschen, die ich nicht kenne, die ich nicht abschätzen kann, die aber DeHasens Freunde sind und dazu gehören. Ich werde sie bei meiner Hochzeit wahrscheinlich das erste und einzige Mal sehen. Es kann mir egal sein, was sie von mir denken. Aber das ist es nicht.

Soviel muss noch organisiert werden, von uns, die wir eh schon am Energielimit sind. Von mir, die ich es gerade so schaffe, Tag für Tag zu bewältigen, ohne einzubrechen. Probefrisur? Make-Up? Nägel? All das sind Dinge, für die ich keine Kraft habe.

Ich habe solche Angst.

Mein Gott, was stellt sie sich an? Warum feiert sie dann so groß? Warum lädt sie solche Leute überhaupt ein? Nun, weil ich meine Eltern schlecht ausladen kann.  Und weil ich die Hoffnung habe, dass Menschen, die ich von früher kenne, mich heute so akzeptieren wie ich bin. Und weil DeHasen sich das wünscht. Und ich will ihm diesen Wunsch erfüllen. Einmal im Leben. Das wird doch wohl zu schaffen sein!!! Klar, wird es zu schaffen sein. Aber der Preis dafür ist hoch.

Ich konnte gestern nicht arbeiten gehen, weil ich ständig brechen musste. Ich werde heute nicht arbeiten gehen können, weil ich ständig brechen muss und nicht geschlafen habe. Im März möchte ich einen Tag, nur einen einzigen!!, beruflich in Ausland zu einem Termin, auf den ich mich schon lange freue. Dafür muss ich morgens um sechs aus dem Haus und komme abends um zehn heim. Ich werde es nicht schaffen. Die Angst zieht ihre Kreise, sie öffnet meinem Unterbewusstsein Tür und Tor. Laut propagiert sie durch alle Körperzellen: Du wirst es nicht schaffen! Das ist viel zu lang! Du wirst zusammenbrechen!

Realistisch betrachtet ist das korrekt. Ich bin ich, und ich weiß, dass ich mir solche Tage nicht zumuten soll. Es hat schließlich einen Grund, warum ich nicht mehr Vollzeit arbeite. Aber vielleicht, ganz vielleicht hätte ich es doch geschafft, wenn da nicht die Hochzeit in meinem Rücken wäre. Oder hätte ich die Hochzeit geschafft, wenn die Reise nicht wäre? Es ist alles eins und wie es ist, ist es zu viel und ich zerbreche daran.

Die Reise kann ich absagen. Die Hochzeit nicht. Ich will DeHasen ja auch heiraten und seine Frau werden! Aber so? Es macht mich verrückt, dass mein Kopf mir so einen Strich durch die Rechnung macht, dass ein paar blöde Sprüche reichen, mich in diesen Zustand zu versetzen. DAS will ich nicht!!

Aber so ist das nun mal – und wird es mein Leben lang sein. Ich lebe monatelang glücklich vor mich hin, plane etwas, freue mich – und wenn Du meinst, da geht noch mehr, kommt von irgendwo ein Trigger her.

Bitte, liebe Hochzeitsgäste, bitte. Verkneift Euch an diesem Tag einfach Eure Sprüche. Ich weiß nicht, ob ich ein Kleid tragen und eine strahlende Braut sein werde. Aber selbst wenn nicht: bitte! Ich schaff’ das sonst nicht.


Foto: Desmondlouw.co.za

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Meilenstein

Meine Mutter: “Des Kleid gefällt mer awwer net.”*
Ich (lache und strecke ihr die Zunge raus):
“Ich zieh’s aber trotzdem an!”

Fortschritt 2.0.

 * Ausdruck höchster Abscheu sowie jahrelang erprobter (und bis vor kurzem sehr
erfolgreicher) Manipulationsversuch

Foto: stylbruch 

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Sag’ einfach ja!

Ich muss gar nicht viel erzählen. Hört einfach Tim Bendzkos “Sag einfach ja” - und Ihr wisst es.

Noch bin ich verzaubert, mitten in Paris, unter dem glitzernden Eiffelturm, mit De Hasen, der jetzt mein Verlobter ist, überglücklich, Herz am Pulsieren, so voller Gefühl und Wärme und Geborgenheit und Dankbarkeit, dass ich es bin, dass ich das erleben darf, dass es den wunderbarsten Menschen der Welt an meiner Seite gibt, erfüllt mit Liebe.

Und wenn ich dann irgendwann angekommen bin, berichte ich Euch, was im letzten Umschlag stand und wie lang ich kreischend im Kreis rannte.  Wieso der Gare de l’est einer der schönsten und gleichzeitig traurigsten Plätze Paris’ ist und die Welt der Amélie tatsächlich fabelhaft. Dass Wolken ganz sicher Gefühle haben und unbedingt Gesichter. Wieso Esmeralda und Quasimodo in Norte Dame nur eine Nebenrolle spielen.  Wie Montmartre abseits der Touristenpfade schmeckt. Dass fast alle Pariser heute Englisch sprechen, aber Französisch viel zu schön ist, um darauf einzugehen. Warum Metro-
tunnel wie Katakomben riechen. Was Pariser Starbucks-Verkäuferinnen schreiben, wenn man ihnen “Jochen” sagt. Und wie das Seine-
ufer bei Nacht glitzert und die Augen der glücklichsten Menschen der Welt.

À bientôt!

Paris1

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