Robin

Tears of a Clown

“I went to the woods because I wished to live deliberately, to front only the essential facts of life, and see if I could not learn what it had to teach, and not, when I came to die, discover that I had not lived. I did not wish to live what was not life, living is so dear; nor did I wish to practise resignation, unless it was quite necessary. I wanted to live deep and suck out all the marrow of life, to live so sturdily and Spartan-like as to put to rout all that was not life, to cut a broad swath and shave close, to drive life into a corner, and reduce it to its lowest terms.”

Henry David Thoreau, Walden: Or, Life in the Woods
and Robbin Williams in Dead Poets Society

Seit Tagen suche ich nach einem Aufhänger für mein Thema Depression. Heute morgen hatte ich ihn. Mädels, wisst Ihr noch, wie wir im “Club der toten Dichter” waren? Ganz allein im Kino außer dem ollen Schreiberling auf den hinteren Rängen, weil irgendwie keiner so recht wusste, was dieses Drama mit dem Komiker Robin Williams eigentlich sollte? Wer hätte gedacht, dass es einmal sein eigenes wird.

Sein Tod macht mich wütend. Er hätte nicht sein müssen. Genau wie der von Robert Enke, schon fast vergessen. Andreas Biermann, der vergangenen Monat den Freitod wählte. Sie alle waren depressiv. Ja mei, sagen die Leute. Dann hätten sich’s halt z’ammenreißen müssen! Glaubt mir. Genau das haben sie getan. Über Monate und Jahre hinweg. Sie und alle anderen abermillionen Menschen in der Welt, die an dieser furchtbaren Krankheit leiden. Ihre Krux ist, dass sie nicht reden. Dass sie sich verstecken aus Angst, aus Scham. Dass ihnen keiner erklärt, dass sie für ihr Leiden nichts können. Dass sie es nicht selbst ausgesucht haben. Dass ihr Serotonin-Stoffwechsel den Dienst quittiert. Und dass sie all das nicht wissen.

Ich weiß das. Nicht, weil ich Gott bin. Sondern weil ich seit 20 Jahren selbst an dieser Krankheit leide. Ich bin chronisch depressiv.

Ich weiß, wie viel Kraft es kostet, das zu verbergen. Wie groß die Befürchtung ist, jemand könnte es entdecken. Im Freundeskreis, in der Familie, im Job – worst case! Es ist die Anstrengung, normal zu sein, die uns zermürbt. Das Unverständnis. Das Unwissen.

Okay. Gehen wir es an. Erklären wir der Welt, was da in uns vorgeht. Schildern wir unseren Kampf ums Überleben. Und haben wir Achtung vor allen, die am Ende keine Kraft mehr hatten.

R.I.P. Robin

 

10 Gedanken zu „Tears of a Clown“

  1. I was recommended this web site by my cousin. I’m not sure whether
    this post is written by him as nobody else know such detailed about my problem.
    You are wonderful! Thanks!

  2. Mir gehts da ähnlich. Nach außen immer fröhlich, taff… und innen drin sieht´s furchtbar aus, aber das sieht keiner, nur wenn ich es zulasse, aber ich trau mich meistens nicht, weil ich niemanden überfordern will….

  3. Ich kann mich noch gut an den beeindruckten Schreiberling im Hintergrund erinnern als wir alle heulend aus dem Kino gingen…

  4. <3

    Ich weiß nur zu gut, wovon Du redest und reden wirst, und dennoch freue ich mich schon jetzt auf jeden einzelnen Text. Denn es ist verdammt wichtig. Für Dich, um ein Ventil zu haben, ebenso für Deine Leser. Denn wenn Du nur einen einzigen zu (mehr) Verständnis bewegen kannst, ist schon viel erreicht.

  5. wie schön wäre es, es nicht mehr verbergen zu müssen. Eine Akzeptanz, dass dieser gestörte Stoffwechsel nichts anderes ist, als der gestörte Stoffwechsel der Bauchspeicheldrüse, usw. …

    Aber eines Tages, ich glaube an das Gute, eines Tages wird es so sein…
    Ich versuche das offen anzusprechen. Es ist wie es ist.

    R.I.P. Robin Williams

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